Familien-SUV teurer

Neuer Škoda Kodiaq als Plug-in-Hybrid: Teilzeitstromer aus Tschechien punktet im Fahrtest

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Škoda hat den Kodiaq erneuert. Mit mehr Platz, verbesserten technischen Features und erstmals als Plug-in-Hybrid. Aber kann er auch die Kundschaft überzeugen?

Was macht man mit einem echten Erfolgsauto, das schon in der ersten Generation 866.000 Exemplare verkauft hat? Hoffentlich nichts falsch. So in etwa dürfte der Gedankengang der Škoda-Verantwortlichen gewesen sein, als es darum ging, das pfundige Familien-SUV Kodiaq noch mal neu zu erfinden. Bloß nichts falsch machen. Oder besser: noch viel mehr richtig machen. Konsequenterweise legt der Neue deshalb an den richtigen Stellen zu. Zum Beispiel beim Platz. Noch mal sechs Zentimeter mehr in der Länge – damit macht der Kodiaq seinem Namensvetter, dem Kodiak-Bären, alle Ehre. Denn der zählt zu den drei größten Bärenarten der Welt.

Der VW-Tiguan, der auf der gleichen technischen Basis steht wie der tschechische Geländewagen, wird bei solchen Werten blass um die Nase. Der Kodiaq ist jetzt um 22 Zentimeter länger und hat 11 Zentimeter mehr Radstand als die Konzern-Konkurrenz. Da kann auch das Kofferraumvolumen mithalten. Es schwillt auf 910 Liter (+75 Liter) hinter der zweiten Reihe an. Wenn die (verschiebbare) Rückbank dann auch noch umgelegt wird, sind es sogar 2.105 Liter. Das ist sogar mehr als im Škoda Superb Combi.

Škoda Kodiaq: Außen aufgemöbelt, innen ganz neu

Außen erkennt man den neuen Kodiaq erst beim zweiten Hinschauen. Der Schrank von einem Auto wurde nur dezent aufgemöbelt: neue LED-Leuchten etwa, der größere Kühlergrill, die gierigeren Lufteinlässe, der überarbeitete Diffusor hinten. Schwer gefeilt haben sie an der Aerodynamik. Mit einem cw-Wert von 0,28 kann sich das Dickschiff von Škoda mittlerweile durchaus blicken lassen im Windkanal. Wer sich in das bequeme, auch nach etlichen Kilometern immer noch angenehme AGR zertifizierte Gestühl setzt, wird sich umschauen. Denn hier ist alles neu. 10 Zoll (25,4 cm) misst der digitale Tacho, rechts daneben in der Mitte des Armaturenbretts residiert der 13 Zoll (33,02 cm) große Infotainment-Bildschirm. Darunter eine saubere und aufgeräumte Mittelkonsole mit drei Drehreglern – eine Neuheit aus dem VW-Konzern, die überwiegend den Kollegen von Škoda vorbehalten ist. Noch.

Škoda hat das Interieur des Kodiaq aufgeräumt: Der Ganghebel sitzt jetzt rechts neben dem Lenkrad, dafür ist in der Mittelkonsole jetzt mehr Platz.

Dieses sogenannten Smart Dials gibt es auch schon im Superb Combi. Die drei Rundinstrumente mit einem 32 Millimeter großen Bildschirm in der Mitte werden über Drehen und Drücken bedient und können zumindest teilweise mit diversen Funktionen belegt werden. Ein ziemlich praktisches Feature. Die Mittelkonsole bietet darüber hinaus zwei Fächer für kabelloses Aufladen von gleich zwei Smartphones. Und damit die Dinger dabei nicht heiß laufen, können sie sogar gekühlt werden. Das ist einfach clever. Simply Clever, wie die kleinen Gimmicks bei Škoda heißen, die das Autofahren leichter machen sollen. Dazu zählen auch die neuen Smartphone-Halter an den Rücksitzlehnen, der Türkantenschutz oder die mittlerweile (Achtung, darauf ist man stolz) nachhaltig hergestellten Eiskratzer (im Tankstutzen) und Regenschirme (in den Türen).

Neue Assistenten machen den Škoda Kodiaq sicherer

Aber da fehlt doch was in der Mittelkonsole. Richtig, der Gangwählhebel. Wie schon bei Superb, VW Passat oder Tiguan wandert der nach rechts oben neben das Lenkrad. Er sieht klobig aus, die Bedienung ist fummelig und deshalb auch gewöhnungsbedürftig. Wer nicht aufpasst, verwechselt in der Hektik Vorwärts- und Rückwärtsgang. Dazu Vollgas – und schon landet man in den Schlagzeilen der einschlägigen Nachrichten-Portale. Aber natürlich gewöhnt man sich daran, wenn man seinen Škoda/VW täglich bewegt.

Wenn es sein muss, geht der Škoda Kodiaq auch ins Gelände, wer Allrad haben will, muss den großen Diesel mit 193 PS nehmen oder auf den Vierzylinder-Benziner warten, der später im Jahr kommt.

Betreutes Fahren bietet Škoda ebenfalls an – und zwar in erweiterter Form. Die Anzahl der Fahrassistenten hat wieder einmal zugenommen. Beim Ausweichen im Notfall lenkt der Computer mit, an Kreuzungen wird der Gegenverkehr erkannt und der neue Ausstiegswarner dürfte den ein oder anderen Sturz eines nachfolgenden Fahrradfahrers verhindern. Wer Geld übrig hat, der kann in einen Parklenkassistenten investieren. Den kann man auf komplizierte Einparkmanöver trainieren, die das System – einmal erlernt – künftig dann selbstständig ausführt.

Škoda setzt auch weiterhin auf die bewährten Diesel-Motoren

Bloß nichts falsch machen. Diese Devise trifft vor allen Dingen auf die Motorisierungen zu. Einen rein elektrischen Bären, wie Fans liebevoll ihren Kodiaq nennen, wird es nicht geben. Aber natürlich hat man den Geländewagen im Wohnzimmerschrank-Format elektrifiziert. Brandneu sind die Mild-Hybrid-Variante und der Plug-in-Hybrid (PHEV). Beide haben wir getestet. Der Vollständigkeit halber seien die anderen Motorisierungen erwähnt: Zwei 2,0-Liter-Diesel mit 150 oder 193 PS, letzterer mit Allrad-Antrieb. Später im Jahr folgt noch ein Vierzylinder-Benziner mit 204 PS, ebenfalls 4x4. Alles bewährte Antriebe aus dem VW-Motoren-Regal.

Aber zurück zu den elektrifizierten Maschinen. Das 150 PS starke Einstiegsmodell (ab 41.990 Euro) wird von einem 1,5 Liter großen Benziner mit Riemen-Starter-Generator (14 kW, 25 Nm Drehmoment) beim Anfahren und Segeln unterstützt. Das ist im normalen Betrieb auch ziemlich okay. Wer diesem Aggregat jedoch Leistung abfordert, muss erstens Geduld und zweitens Nerven beweisen. Denn der auf extreme Effizienz getrimmte Benziner braucht, bis er auf Touren kommt. Hat er sie erreicht, fällt er lautstark auf. Der mHev ist folglich etwas für sehr entspannte Autofahrer, die eher entschleunigen als beschleunigen. Der Lohn der Mühen ist überschaubar. Auf der rund 200 Kilometer langen Teststrecke über Landstraßen verbrauchten wir sieben Liter. Der Wert ist angesichts des Gewichts von knapp zwei Tonnen ziemlich in Ordnung, aber auch nicht überragend.

Plug-in-Hybrid im Test: Wir fahren, bis die Batterie leer ist

Gespannt waren wir auf den Plug-in-Hybriden, den es auch erstmalig im Kodiaq gibt. Das Gespann besteht aus dem bereits bekannten 1,5-Liter Benziner in Tateinheit mit einer E-Maschine, die im Doppelkupplungsgetriebe eingebaut ist und noch mal 115 PS beisteuert. Gespeist wird sich von einem 19,7 kWh großen Akku. Reichweite über 100 Kilometer, aufgeladen wird mit 11 kW (Wechselstrom) oder mit 50 kW (Gleichstrom). Insgesamt kommt das Antriebssystem auf 204 PS und 350 Nm Drehmoment. Reichlich Power, die ansatzweise Spaß macht und den Koloss einigermaßen flott bewegt.

Mit bis zu 50 kW kann der Škoda Kodiaq Plug-in-Hybrid aufgeladen werden. Das dauert etwa 25 Minuten (10 bis 80 Prozent).

Apropos Bewegung und damit zu einem kurzen Ausflug zum Fahrwerk: Auch der Kodiaq profitiert von den neuen VW-Ein-Kammer-Dämpfern mit getrennter Zug- und Druckstufe. Er fährt sich sehr komfortabel, wenn es sein muss auch trocken-herb im Sportmodus. Natürlich ist der Kodiaq kein Racer und das wird auch das bereits anvisierte RS-Modell (etwa 270 PS, Vorstellung im Dezember) nicht sein. Aber ein Hauch Dynamik darf es dann schon sein, mit wenig Wank- und noch geringerer Nick-Neigung.

Flop 10 der Neuzulassungen: Deutschlands rarste Automarken im Jahr 2023

Alpine A110
Platz 10 – Alpine: Die Autos von Renault sieht man hierzulande sehr häufig. Und auch die Billig-Tochter Dacia erfreut sich bei den Deutschen großer Beliebtheit. Um einen Sportwagen des Renault-Ablegers Alpine zu sehen, braucht es jedoch Glück. 2023 wurde das einzige Modell A110 grade einmal 405 Mal verkauft. Kostenpunkt: ab 60.000 Euro. © Alpine
Ein Rolls-Royce Cullinan in Altstadt von Tallinn.
Platz 9 – Rolls-Royce: Die britische Nobelmarke feierte 2023 ein Rekordjahr. Weltweit setzte die BMW-Tochter 6.032 Autos ab. 344 davon gingen nach Deutschland. Ein Grund für den Erfolg war der Cullinan (ab rund 360.000 Euro). Das SUV verkaufte sich hierzulande lediglich 97 Mal. ©  Pond5 Images/Imago
Lotus Emira
Platz 8 – Lotus: Weiter geht es mit der nächsten britischen Automarke. Lotus ist den meisten Autofans wohl aus der Formel 1 ein Begriff, wo die Sportwagenschmiede in den 60er- und 70er-Jahren große Erfolge feierte. Inzwischen gehört Lotus zum chinesischen Geely-Konzern. 2023 setzte man in Deutschland nur 321 Neuwagen ab. Mit 218 Fahrzeugen war der Emira besonders begehrt. © Arnaud Taquet/Lotus
Cadillac XT4
Platz 7 – Cadillac: Auf dem Heimatmarkt in den USA ist Cadillac oft zu finden. In Deutschland kommt die General-Motors-Tochter nicht über eine Statistenrolle hinaus. Das einzige Modell, der XT4 (ab 40.300 Euro) verkaufte sich lediglich 217 Mal. Insgesamt kame Cadillac auf 307 Neuzulassungen, sodass einige Fahrzeuge über freie Importeure nach Deutschland gekommen sein dürften. © Cadillac
Fisker Ocean
Platz 6 – Fisker: Wie bei vielen Elektroautoherstellern handelt es sic auch hier um ein Start-up. Gegründet wurde es vom Dänen Henrik Fisker. Entwickelt wurde der Ocean in den USA. Gebaut wird der Stromer bei Magna Steyr in Österreich. Bis zu 707 Kilometer soll das SUV weit kommen. Den Deutschen reicht das aber offenbar nicht. Nur 239 Exemplare wurden 2023 zugelassen.  © Fisker Inc.
Lada Niva
Platz 5 – Lada: Gute Gründe, einen Lada zu kaufen, gab es eigentlich nie. Die Technik der Autos ist veraltet und auch die Qualität ist wenig überzeugend. Der Niva sieht zudem so aus, als würde aus den 90ern stammen. Dennoch hat der Geländewagen zahlreiche Fans. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen hat es Lada nicht leicht. Nur 149 Fahrzeuge wurden in Deutschland zugelassen, darunter 86 Niva. © Pond5 Images/Imago
Lucid Air in einem Showroom in New York.
Platz 4 – Lucid: Wie bei Fisker handelt es sich auch bei Lucid um ein Elektro-Start-up aus den USA. Wer auf der Suche nach einem günstigen Stromer ist, wird bei den Amerikanern aber nicht fündig. Die günstigste Ausführung des Lucid Air fängt bei 110.000 Euro an. Das Spitzenmodell kostet gar das doppelte. Das Interesse hielt sich folglich in Grenzen, mit nur 99 Neuzulassungen. © Zuma Wire/Imago
Maxus Mifa 9
Platz 3 – Maxus: Zugegebenermaßen wirklich schön ist der Mifa 9 (24 Neuzulassungen) nicht. Es gab jedoch auch deutlich hässlichere Autos, die sich besser verkauft haben. Das Problem dürfte wohl die geringe Bekannheit der jungen Marke von SAIC Motor sein. Diese ging 2011 aus dem insolventen britischen Nutzfahrzeughersteller LDV Limited hervor. 2023 verkauften die Chinesen 64 Modelle in Deutschland. © Maxus Motors
Zwei Autos von Morgan.
Platz 2 – Morgan: Es gibt nur noch wenige Autobauer, die auf Handwerkskunst setzten. Einer davon ist Morgan. Pro Jahr verlassen nur etwa 1.000 Fahrzeuge die Manufaktur. Davon fanden im vergangenen Jahr 60 Stück ihren Weg nach Deutschland. © Morgan
Aiways U5
Platz 1 – Aiways: Die mit Abstand wenigsten Autos setzte aber ein weiter Neuling ab. Der chinesische E-Autobauer Aiways verkaufte 2023 lediglich 50 Fahrzeuge in Deutschland. Am beliebtesten war der U5 der 31 Abnehmer fand. © Sebastian Geisler/Imago

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Viel entscheidender als die Fahrdynamik sind bei einem PHEV jedoch die Verbrauchswerte. Wir überlassen dem System die Wahl der Mittel und stellen auf Hybrid mit hoher Rekuperation. Wir verlassen den Hof voll aufgeladen und kehren nach exakt 146 Kilometern und einer leeren Batterie zurück. Dazwischen lagen Landstraßen, kurze Autobahnstücke und eine kurvenreiche Küstenstrecke. Hier hat sich der neue Škoda Kodiaq iV mehr als ordentlich geschlagen. 3,0 Liter Benzin auf 100 Kilometer, dazu 12 kWh Strom. Das macht je nach Tarif zwischen zehn und zwölf Euro Betriebskosten. Bei einem fast fünf Meter großen Geländewagen mit Platz für bis zu sieben Personen kann man da nicht meckern. Und Langstreckentauglichkeit hat der Plug-in-Hybrid so ganz nebenbei auch noch unter Beweis gestellt. Uns blieben noch 460 Kilometer Restreichweite.

Škoda Kodiaq 2,0 TDI 4x4, 5-Sitzer

  • Motor: 2,0-Liter Vierzylinder-Diesel
  • Antrieb: Allrad / 7-Gang-DSG
  • Leistung: 142 kW (193 PS)
  • Drehmoment: 400 Nm (1.750 – 3.250 U/min)
  • 0 – 100 km/h: 7,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
  • Verbrauch: 5.7 – 7.3 l / 100 km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,76 / 1,86 / 1,66 m
  • Radstand: 2,79 m
  • Wendekreis: 11,2 m
  • Leergewicht / Zul.: 1.798 – 2.000 / 465 - 647 kg
  • Anhängelast / Stützlast: 2.300 / 100 kg
  • Kofferraum: 910 – 2.105 l
  • Preis: 49.700 Euro (PHEV: 48.530 Euro)

Unser Fazit zum neuen Škoda Kodiaq

Mehr Platz, mehr technische Features, erstmalig auch ein Plug-in-Hybrid. Der neue Kodiaq bietet mehr als sein Vorgänger – aber er kostet auch mehr. Im Grunde genommen genauso viel wie ein technisch vergleichbares VW-Produkt, wie etwa den VW-Tiguan. Früher war Škoda immer günstiger. Damit hat Volkswagen einen Strategiewechsel vollzogen. Ob die Škoda-Kundschaft das mitmacht, wird sich noch zeigen. Aber vielleicht hat sich die Marke so weit emanzipiert, dass der Preis alleine nicht mehr ins Gewicht fällt. (Rudolf Bögel)

Rubriklistenbild: © Škoda Auto

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