Nach der „niederländischen Regel“

Rente erst mit 68 oder 69 Jahren: So könnte das Eintrittsalter weiter steigen

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Das Renteneintrittsalter könnte weiter steigen – gekoppelt an die Lebenserwartung. Wann die Rente mit 68 und 69 Jahren nach der „niederländischen Regel“ drohen könnte.

Wer in Deutschland mit 63 Jahre in Rente gehen möchte, muss Abschläge in Kauf nehmen. Wenn Arbeitnehmer später ihre Rente ohne Abschläge beziehen möchten, muss das Eintrittsalter abgewartet werden. Das Renteneintrittsalter in Deutschland wird bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben – und könnte noch weiter steigen. So könnte künftig die Rente mit 70 drohen. Einer der Ideen: Das Renteneintrittsalter nach der „niederländischen Regel“ an die Lebenserwartung zu koppeln.

Immer später in Rente? So würde das Eintrittsalter mit der Lebenserwartung steigen

Bis 2031 soll das Eintrittsalter laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auf 67 Jahre angehoben sein. Nur noch wenige Jahrgänge dürfen vor 67 abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Ein bereits etwas älterer Vorschlag lautet, die Anhebung der Regelaltersgrenze über 2030 hinaus weiterzuführen, schreibt die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb).

Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) schlägt zum Anheben der Regelaltersgrenze ein Vorgehen nach der „niederländischen Regel“ vor. Das Prinzip funktioniert so: Wenn Menschen drei Jahre länger leben, sollen sie zwei Jahre länger arbeiten (zwei Drittel) und bekommen ein Jahr länger Rente (ein Drittel).

So müsste etwa für ein Renteneintrittsalter die Lebenserwartung um 4,5 Jahre steigen, um ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren nach der „niederländischen Regel“ zu rechtfertigen – drei Jahre länger arbeiten, 1,5 Jahre mehr Rente. Schätzung zufolge steigt die Lebenserwartung in Deutschland pro Jahr aktuell etwa um 0,1 Jahre. Mit der steigenden Lebenserwartung würde ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren damit im Jahr 2070 drohen. Die Rente mit 68 oder 69 Jahren könnte schon früher kommen.

Rente erst mit 68 oder 69 Jahren: Wann das Eintrittsalter nach der „niederländischen Regel“ drohen könnte

Für eine Rente mit 68 müsste die Lebenserwartung nach der „niederländischen Regel“ um 18 Monate steigen – zwölf Monate länger arbeiten, sechs Monate länger Rente. Steigt die Lebenserwartung weiterhin pro Jahr um 0,1 Jahre, so wäre eine Lebenserwartung von 18 Monaten mehr in etwa 15 Jahren erreicht. Ausgehend von heute könnte damit das Renteneintrittsalter etwa im Jahr 2040 auf 68 angehoben werden.

Für die Rente ab 69 Jahren wäre nach der „niederländischen Regel“ ein Anstieg der Lebenserwartung von drei Jahren nötig – was etwa 30 Jahre lang dauern würde. Damit könnte die Rente mit 69 ausgehend von heute 2055 drohen.

Wer will, kann schon jetzt freiwillig über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten. Eine Pflicht, nach Erreichen des Eintrittsalters in den Ruhestand zu gehen, gibt es nicht. Im Gegenteil: Wer länger arbeitet, profitiert sogar: Rentner erhalten dadurch für jeden Monat einen Zuschlag. Die Regierung will generell dafür sorgen, dass es im Alter attraktiver wird, auch über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Bihlmayerfotografie

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