Was der Experte rät

„Altersgrenze muss raus“: Top-Ökonom will Renten-Passus in Arbeitsverträgen ändern

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Um die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer in Deutschland zu steigern, fordert ein Wirtschaftsprofessor die Abkehr von Altersgrenzen und eine Änderung in den Arbeitsverträgen.

Es ist das Thema für Millionen Arbeitnehmer in ganz Deutschland: Müssen wir im Alter bald alle länger arbeiten? Ein Professor für Empirische Wirtschaftsforschung appelliert jetzt dafür, dass die „Altergrenze raus aus den Köpfen“ müsse. Ein weiterer Experte hatte sich für die Erhöhung des Renteneintrittalters stark gemacht, wie echo24.de berichtete.

„Altersgrenze muss raus“: Experte für Änderung von Renten-Passus

Jetzt spricht sich Prof. Dr. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg im Interview mit der renommierten Fachmagazin WirtschaftsWoche dafür aus, dass die bisherige Altersgrenze zu hinterfragen, um mehr Arbeitnehmer zu rekrutieren.

Die alarmierende Rechnung des Experten: Altersbedingt „verlieren wir in den kommenden 15 Jahren sieben Millionen Arbeitskräfte, weil große Generationen in Rente gehen und nur kleine Generationen nachkommen“, so der Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Wirtschaftsforschung am IAB zur WirtschaftsWoche.

Bis zu welchem Alter werden die Menschen in Deutschland künftig arbeiten? Das fragen sich Millionen Arbeitnehmer. (Symbolbild)

Ältere Beschäftige gegen Fachkräftemangel in Deutschland

Seine Argumentation: In Deutschland herrscht ein akuter und noch immer alarmierender Fachkräftemangel – speziell im Gesundheits- und Sozialwesen. Doch auch in technischen Berufen fehlen Fachleute. Das größte inländische Potenzial sieht Prof. Weber dabei bei den älteren Beschäftigten im Rentenalter. Weber schätzt das Potenzial an Arbeitskräften unter den 60- bis 69-Jährigen auf rund 2,5 Millionen Frauen und Männer, „wenn die Erwerbsbeteiligung auf die der fünf Jahre Jüngeren steigt“.

Denn es sei eben nicht so, dass gefühlt jeder frühzeitig in Rente gehen wolle – auch wenn Hundertausende Babyboomer vorzeitig in Rente gehen, was zur Belastung für die Rentenkasse wird. Ganz im Gegenteil: Die Quote der älteren Erwerbstätigen steige immer weiter an. Während im Jahr 2000 nur zehn Prozent der 60-bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, sind es im Jahr 2025 mehr als 50 Prozent.

Arbeitsexperte stellt „starre Altersgrenze“ für Renteneintritt in Frage

Schließlich sei - außer dem finanziellen Aspekt einer womöglich drohenden Altersarmut - der Spaß an der Arbeit für viele Arbeitnehmer ausschlaggebend, noch nicht in Rente zu gehen. Zudem bleibe man aktiv und hätte mehr soziale Kontakte etwa dank des täglichen Umgangs mit Arbeitskollegen.

Um den Leuten das Weiterarbeiten nach dem Renteneintritt schmackhaft zu machen, will die Bundesregierung, dass man 2.000 Euro steuerfrei dazuverdienen darf. Da jedoch laut Webers Einschätzung vor allem die Besserverdiener von dieser „Aktivrente“ profitieren würden, hält er es für sinnvoller, „die starre Altersgrenze generell in Frage zu stellen. Die Altersgrenze muss raus aus den Köpfen – und raus aus den Arbeitsverträgen.“

Klausel in Arbeitsverträgen ändern

Vielmehr plädiert Weber dafür, die altbekannte Standardklausel in heutigen Arbeitsverträgen - gesetzlich festgehalten - abändern zu dürfen: Und zwar von „das Arbeitsverhältnis endet mit Erreichen der Regelaltersgrenze“ in „das Arbeitsverhältnis kann mit Erreichen der Regelaltersgrenze auf Wunsch einer Partei beendet werden“.

Dann könnten sich beide Seiten zu gegebener Zeit an einen Tisch setzen, um zu besprechen, wie es für den Arbeitnehmer weitergeht – etwa mit weniger Arbeitsstunden oder altersgerechteren Tätigkeiten. Was laut Prof. Weber kaum jemand wisse: Wer seinen Renten-Antrag aufschiebt, erhält bei seiner späteren Altersrente einen finanziellen Aufschlag von monatlich 0,5 Prozent.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/Sven Simon

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