Altersvorsorge in Deutschland

Renten-Experte warnt: Dieser Altersgruppe ist finanziell „nur noch schwer zu helfen“

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Die Rente in Deutschland steht auf wackligen Beinen. Ohne Reformen droht ein Kollaps des Umlagesystems. Die Zeit für Änderungen wird knapp.

Wer heute 50 Jahre oder älter ist und keine private oder betriebliche Altersvorsorge getroffen hat, steht vor einem ernsthaften Problem. Ein führender Renten-Experte warnt: Dieser Altersgruppe sei „nur noch schwer zu helfen“. Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus – und die Zeit für den finanziellen Endspurt wird knapp. Wer jetzt nicht handelt, riskiert massive Einbußen im Ruhestand.

Umlagesystem unter Druck: Warum Experten vor dem Renten-Kollaps warnen

Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Deutschland bei der Altersvorsorge nicht besonders gut ab. Seit Jahren plädieren Experten für eine Rentenreform und warnen vor einem Kollaps des Umlagesystems. Beim Umlagesystem, einem Finanzierungsverfahren, werden die laufenden Beiträge der erwerbstätigen Generation genutzt, um die Renten der Ruheständler zu finanzieren. Im Gegensatz zum Kapitaldeckungsverfahren wird dabei, wie die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt, kein Kapital für die künftigen Renten angespart.

Tatsächlich will die neue Bundesregierung einige Reformen umsetzen. So soll beispielsweise die sogenannte Mütterrente ausgeweitet werden. Am Umlageverfahren soll sich jedoch nichts ändern. Martin Werding, einer der „Wirtschaftsweisen“, hält das für fatal. Denn während die Lebenserwartung in Deutschland steigt, sinkt die Geburtenrate. Das bedeutet, dass immer weniger junge Menschen die Rente von immer mehr Senioren finanzieren müssen.

Martin Werding, Wirtschaftsweiser, äußert sich gegenüber echo24.de über die Rente. (Symbolfoto)

Renten-Experte warnt: Für 50-Jährige wird es eng

Deshalb schlägt Martin Werding eine Reform vor, die auf eine langsame Anpassung der Regelaltersgrenze abzielt. Das könnte bedeuten, dass die Menschen früher oder später erst mit 70 Jahren in Rente gehen können. Welche Jahrgänge es konkret treffen könnte, hat echo24.de bereits berichtet. Außerdem wäre laut dem Renten-Experten eine „ergänzende, nämlich kapitalgedeckte Vorsorge“ nötig.

„Allerdings ist es dafür jetzt bereits zu spät“, erklärt das Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft und Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. „Wenn die heute 50-Jährigen und Älteren keine ergänzende Vorsorge haben und wir die Umlagerente nicht ändern wollen, damit die Beitragssätze nicht weiter steigen, dann ist dieser Altersgruppe nur noch schwer zu helfen. Fünf Jahre Ansparzeit oder zehn Jahre sind zu kurz“, sagte Martin Werding im Gespräch mit echo24.de.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Rainer Unkel

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