VonWolfgang Thomas Walterschließen
Für Frauen läuft die Altersvorsorge oft nicht rund: weniger Einkommen, mehr Teilzeit, oft keine Rücklagen fürs Alter. An welchen Stellschrauben Sie drehen können und sollten.
Kennen Sie das auch? Die Rente ist ein Thema, das sich gerne auf der To-do-Liste versteckt – immer da, aber nie ganz oben. Kommt es dennoch zur Sprache, hört man Sätze wie „Ach, das passt schon irgendwie“ oder „Ich kümmere mich später drum“. Ein Fehler, denn als Frau für die eigene finanzielle Zukunft vorzusorgen, ist wichtiger denn je.
Warum gerade Frauen auf ihre Altersvorsorge achten, sollten
Gender Pay Gap: Frauen verdienen in Deutschland noch immer weniger als Männer. Laut Statistischem Bundesamt war der durchschnittliche Bruttostundenverdienst im Jahr 2024 um 16 Prozent geringer als bei Männern. Und in vielen Jobs sind die Unterschiede deutlich größer. Geringeres Einkommen bedeutet allerdings weniger Einzahlungen in die Rentenkasse und somit geringere Rentenansprüche im Alter.
Teilzeit und Familienpausen: Ob Haushalt, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – viele Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger als Männer. Hier verdeutlicht der sogenannte Gender Care Gap, dass Frauen im Durchschnitt täglich über 40 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgetätigkeit aufwenden als Männer. Solche Zeit fehlt für Erwerbsarbeit, und wirkt sich erheblich auf die Höhe der späteren Rente aus.
Höhere Lebenserwartung: Hinzu kommt, dass Frauen länger leben als Männer – laut Statistischem Bundesamt unterscheidet sich die durchschnittliche Lebenserwartung um knapp fünf Jahre. Die Folge: Frauen müssen angespartes Kapital über einen längeren Zeitraum hinweg einteilen und auch absichern.
Rentenlücke bestimmen – was brauche ich im Alter?
Reicht das Geld im Alter oder nicht? Diese Frage sollten Sie frühzeitig klären, um eine mögliche Versorgungslücke im Alter zu erkennen. Nicht einfach, denn hier sind aber viele Unbekannte im Spiel: der eigene berufliche Werdegang, das mögliche Renteneintrittsalter, die Entwicklung des Rentenniveaus in der Zukunft, die Inflation in den kommenden Jahrzehnten. Dennoch sind hier einige Schritte notwendig:
Rentenansprüche und Rentenkonto: Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) verschickt pro Jahr automatisch eine Renteninformation, wenn Sie mindestens fünf Jahre an Beitragszeiten erworben haben – mit Angaben zum Renteneintritt, zur monatlichen Altersrente und einer möglichen Erwerbsminderungsrente. Alternativ können Sie Ansprüche bei der digitalen Rentenübersicht auch online einsehen. Gleiches gilt für eine individuelle Kontoklärung, die Sie online beantragen können.
Abzüge von der gesetzlichen Rente: Einige Träger bieten gesetzlich Versicherten eine individuelle Altersvorsorgeberatung an. Hier können Sie gesetzliche, betriebliche, staatlich geförderte oder private Rentenansprüche analysieren und mögliche künftige Abzüge bei Steuern oder Sozialabgaben gemeinsam abklären.
Heutige und künftige Ausgaben checken: Notieren Sie auch aktuelle monatliche Ausgaben, um den finanziellen Bedarf im Rentenalter zu schätzen. Viele Kosten fallen im Ruhestand weg – für den täglichen Arbeitsweg, Ratenzahlungen für die Immobilie, die Versorgung der Kinder. Faustregel: 80 Prozent des aktuellen Nettolohns sollten Ihnen auch im Rentenalter zur Verfügung stehen.
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Mehr Geld im Job – so bessern Sie die spätere Rente automatisch auf
Berufliche Auszeiten, Teilzeit oder Minijob: Bereits in Ihrem aktuellen Berufsleben können Sie vieles für die spätere Altersvorsorge tun. Einige Beispiele.
Flexible Arbeitszeitmodelle: Minijob und Teilzeit sind nicht alles, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach alternativen Lösungen. Flexible Arbeitszeiten vor Ort, mobiles Arbeiten per Homeoffice, individuelle Arbeitszeitkonten. Vieles ist heute im Joballtag möglich – und jede Stunde mehr zahlt sich auf Ihrem Rentenkonto aus.
Teilzeit in Vollzeit umwandeln: Das ist gesetzlich immer möglich, falls Ihr Betrieb mehr als 45 Beschäftigte hat. So können Sie beispielsweise familiäre Auszeiten flexibel überbrücken, ohne dauerhaft höhere Rentenanrechte zu verlieren. Diese sogenannte Brückenteilzeit ist zwischen einem und fünf Jahren möglich.
Steuerabzüge beachten: Höheres Einkommen verschafft mehr Spielraum für die eigene Altersvorsorge. Aber nicht jede Vollzeitstelle bedeutet im Vergleich zum Teilzeitmodell automatisch mehr Nettoeinkommen. Entscheidend ist hier die Steuerklasse – Klasse 5 ist hier die schlechteste Wahl.
Mehr Gehalt einfordern: Frauen verdienen weniger als Männer – oft sogar für die gleiche Arbeit. Ein guter Grund, regelmäßig nach Gehaltserhöhungen zu fragen. Wer zudem die Bereitschaft für Führungsaufgaben signalisiert, hat hier beste Karten – schließlich sind Fachkräfte rar gesät und gefragt. Übrigens: Beschäftigt Ihr Betrieb mehr als 200 Mitarbeiter, haben Sie einen gesetzlichen Anspruch darauf, zu erfahren, wie viel Ihre männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen.
Arbeitgeber gezielt wählen: Gesundheitsberufe, Einzelhandel, Verlagswesen – viele Frauen arbeiten in Branchen mit niedrigen Gehältern. Nach dem Berufsstart oder einer beruflichen Auszeit lässt sich dies durchaus ändern. Informieren Sie sich, wo gute Gehälter gezahlt werden – das spätere Rentenkonto wird es Ihnen danken.
Rentenlücke schließen – als Frau richtig sparen für das Alter
Laut einer Studie der ING Direktbank aus dem Jahr 2022 investieren Frauen zwar deutlich weniger in ihre Altersvorsorge als Männer, dafür oft besser. Der wichtigste Aspekt beim Vorsorgesparen ist aber die Art und Weise.
Beginnen Sie – wenn möglich – früh, achten Sie auf Rendite und Risiko Ihrer Anlagen und streuen Sie diese möglichst breit. Aber nicht nur die Sparform muss zu Ihnen passen, auch hohe Kosten. Hohe Abschluss- oder Jahresgebühren killen langfristig jede Rendite. Vorzeitiges Kündigen und Umswitchen der Produkte im Übrigen ebenso – Verluste sind hier in der Regel fast schon vorprogrammiert.
Und die staatlichen Zuschüsse? Diese sind gut und recht, aber oft nicht hilfreich: Für Selbstständige beispielsweise, die im Notfall auf ihr Angespartes zugreifen müssen, ist eine Rürup-Rente nichts. Für eine Angestellte, die später ihr Erspartes in Summe benötigt, passt eine Riester-Rente ebenfalls nicht – Förderung hin oder her.
Altersvorsorge für Frauen – in jeder Lebensphase zählt etwas anderes
Altersvorsorge ist wichtig, als Projekt sollte sie aber in die aktuelle Lebensphase passen. Je nach Alter und individueller Situation gibt es unterschiedliche Schwerpunkte, auf die Sie achten sollten:
Berufseinsteigerinnen: Sie sind neu im Job – dann steht die Zeit auf Ihrer Seite. Starten Sie so früh wie möglich mit der persönlichen Altersvorsorge – Zinseszinseffekte und Renditen sind jetzt am höchsten. Es empfehlen sich langfristige Anlagestrategien, beispielsweise Sparpläne, ETFs und Aktien. Wichtig: Prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge anbietet – in der Regel ist er hierzu gesetzlich verpflichtet.
Frauen ab 30: Jetzt müssen Sie neben der gesetzlichen Rente weitere Vorsorgemaßnahmen checken. Falls Kinder geplant sind, lohnt es sich, Strategien für mögliche Einkommensausfälle durch die Elternzeit zu entwickeln. Gleichzeitig sollten Sie Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge Ihres Arbeitgebers nutzen und zusätzlich privat Vorsorge betreiben. Auch ein besser bezahlter Job könnte den finanziellen Puffer für Ihre private Altersvorsorge erweitern.
Frauen ab 40: Spätestens mit 40 Jahren sollten Sie Ihre Rentenlücke berechnen und eine gezielte Vorsorgestrategie fürs Alter entwickeln. Kombinieren Sie Ihren Vermögensaufbau mit sicheren und rentablen Anlageformen – Diversifizierung ist jetzt gefragt. Auch in dieser Phase ist ein Arbeitgeberwechsel sinnvoll, wenn ein Karrieresprung mit höherem Einkommen möglich ist.
Frauen ab 50: Jetzt ist es Zeit, die bestehende Altersvorsorge zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Steuerliche Vorteile und staatliche Förderungen können jetzt besonders hilfreich sein. Haben Sie ein Haus oder eine Mietimmobilie? Eigentum oder alternative Anlagemöglichkeiten können in dieser Phase Ihre Altersvorsorge zusätzlich absichern.
Frauen mit Minijob: Üben Sie einen Minijob aus, dann prüfen Sie, ob es sinnvoll ist, sich von Zahlungen des Eigenbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung befreien zu lassen. Wenn Sie keiner weiteren Hauptbeschäftigung nachgehen, sollten Sie aber unbedingt in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Haben Sie monatlich Geld übrig? Investieren Sie es in eine private Altersvorsorge – das lohnt sich langfristig, auch bei kleinen Beträgen.
Frauen ohne Kinder: Wer als Frau keine Kinder hat, kann sich voll auf die individuelle Altersvorsorge konzentrieren. Erziehungszeiten spielen hier keine Rolle, die finanziellen Mittel erlauben es in der Regel, eine gezielte private Altersvorsorge zu stemmen. Streuen Sie Anlagen möglichst breit – neben der Investition in Fonds und Wertpapiere bieten Immobilien oder Edelmetalle langfristig gute Renditen.
Artikel Info: Wann Trennung und Scheidung zum Risiko für die Rente werden, das erfahren Sie hier.
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