Lebensmittelbedingte Infektionen

Dringender Fleisch-Rückruf wegen erhöhter Keimwerte – es droht Gesundheitsgefahr

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Erneut wird ein Fleisch-Produkt zurückgerufen. Vom Verzehr wird dringend abgeraten. Der Hersteller warnt vor gesundheitlichen Folgen.

München – Verbraucher haben laut Verbraucherschützer grundsätzlich ein Recht auf einwandfreie Produkte. „Lebensmittel, die den rechtlichen Anforderungen nicht entsprechen und als nicht sicher eingestuft werden, müssen vom Markt genommen werden“, so Friedel Cramer, Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), in einer Pressemitteilung.

Von mikrobiologischen Verunreinigungen bis hin zu Grenzwertüberschreitungen, unzulässigen Inhaltsstoffen, Allergenen und Fremdkörpern – die Ursachen für einen Rückruf sind vielfältig. So wurde kürzlich ein großer Gewürz-Rückruf wegen eines verbotenen Pestizids gestartet. Jetzt warnt das Portal lebensmittelwarnung.de vor einem Fleisch-Produkt. Der Verzehr kann Hirnblutungen, Organschäden und neurologische Störungen verursachen.

Dringender Fleisch-Rückruf – bei Verzehr drohen schwere Gesundheitsschäden

Fleisch-Rückruf: Hersteller warnt vor erhöhter Keimwerte

Derzeit vom Rückruf betroffen ist der Artikel „Kohlhase Kapitänssülze in Scheiben“ in der 200 Gramm Packung mit der Chargennummer 26 und den Mindesthaltbarkeitsdaten 08.03.2024, 11.03.2024 und 12.03.2024. Wie das Unternehmen über produktwarnung.eu mitteilt, sei nicht auszuschließen, dass der betroffene Artikel erhöhte Keimzahlen von E.Coli, Enterobakterien und Koagulase positiven Staphylokokken aufweist.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

E.coli-Bakterien gehören zum Stamm der Shigatoxin-bildenden Escherichia coli (STEC) und können eine erhebliche organschädigende Wirkung entfalten und schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Hirnblutungen sowie neurologische Störungen verursachen. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt, können E.coli-Stämme STEC und EHEC zudem blutige Durchfallerkrankungen (hämorrhagische Colitis) und Nierenversagen (hämolytisch-urämisches Syndrom) auslösen.

Toxin-bildende Staphylokokken-Stämme können beim Menschen zu lebensmittelbedingten Vergiftungen (Intoxikationen) führen. Typische Symptome einer Staphylokokken-Vergiftung sind:

  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Kreislaufprobleme

Personen, die nach dem Verzehr des Produkts die genannten Symptome aufweisen, sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Lebensmittelvergiftung: So können Sie eine Infektion vermeiden

Nach Angaben der BVL entstehen die meisten lebensmittelbedingten Infektionen beim Verzehr von Lebensmitteln tierischer Herkunft. Lebensmittelbedingte Intoxikationen können „durch Toxine ausgelöst werden, die von den Bakterien bereits im Lebensmittel produziert werden und mit der Nahrung aufgenommen werden“.

Um eine lebensmittelbedingten Infektionen oder Intoxidation zu vermeiden, rät das BVL folgende Regeln zu beachten:

  • Achten Sie auf Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), Verbrauchsfristen und Lagerungsbedingungen.
  • Leicht verderbliche Lebensmittel sollte zuletzt gekauft werden oder verwenden Sie beim Einkauf eine Kühltasche.
  • Die Flüssigkeit, die beim Auftauen von gefrorenem Fleisch entsteht, kann Krankheitskeime enthalten. Diese Flüssigkeiten sollten daher nicht weiter verwendet werden.
  • Rohe und bereits gegarte Lebensmittel sollten getrennt voneinander gelagert werden.
  • Vermeiden Sie Kreuzkontaminationen, indem Sie erst Gerichte mit einem geringen Keimrisiko zubereiten (zum Beispiel Gemüse) und danach Gerichte mit Fleisch.
  • Bleiben Reste von zubereiteten Speisen, sollten diese bis zum späteren Verzehr kühl gelagert werden. Häufig werden Reste nur aufgewärmt. Um die Aufnahme von Krankheitskeimen zu vermeiden, sollten auch Reste gründlich erhitzt werden.

In einer Süßspeise wurden kürzlich Salmonellen nachgewiesen. Diese gehörten BVL zufolge im vergangenen Jahr zu den häufigsten Rückrufgründen. Ein Fleischkäse musste wegen Listerien-Gefahr ebenfalls zurückgerufen werden.

Fünf Bundesländer betroffen: Eckdaten zum Fleisch-Rückruf

Nach Angaben des Portals kam das betroffene Produkt in den folgenden Bundesländern in den Handel:

  • Bayern
  • Brandenburg
  • Hamburg
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz

Das Produkt ist laut supermarktcheck.de bei Kaufland, Netto und Penny erhältlich. Die genauen Eckdaten des vom Rückruf betroffenen Produkts nochmals im Überblick:

HerstellerHeidjerkaten-Fleischwaren - Uwe Kohlhase Handels GmbH
ProduktKapitänssülze in Scheiben
Verpackungseinheit200 Gramm
Betroffenes MHD08.03.2024, 11.03.2024 und 12.03.2024
Produktionsdatum26.01.2024
Los-Kennzeichnung26

Die betroffenen Artikel können nach Angaben des Herstellers auch ohne Vorlage des Kassenbons in den jeweiligen Verkaufsstellen zurückgegeben werden. (vw)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/ dpa

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