- VonCarmen Mörwaldschließen
Nach seinem Experiment im sozialen Brennpunkt Berlins traf Moderator Jörg Pilawa auf eine Bürgergeld-Empfängerin. Sie legt Geld zurück, rechnet sie vor.
Berlin – Was bedeutet es, am Existenzminimum zu leben? Das fragte sich Jörg Pilawa und startete daraufhin den Selbstversuch. Eine Woche lang musste der Fernsehmoderator im sozialen Brennpunkt Berlin-Hellersdorf mit einer Geldsumme auskommen, die dem Bürgergeld-Regelsatz entspricht. Zurück im TV-Studio lernte er durch Angelina abermals eine neue Facette der Armut kennen. Die Bürgergeld-Empfängerin gab an, dass sie mit vier Kindern und Mann 1000 pro Monat zurücklegt. Kann das sein?
Bürgergeld-Empfängerin spart 1000 pro Monat – sechsköpfige Familie muss „auf gar nichts“ verzichten
Doch erst einmal auf Anfang: Am Montagabend (15. April) wurde auf Sat.1 die Dokumentation „Jörg Pilawa: Plötzlich arm“ gezeigt. Dort zog Pilawa mit einem Budget von 127 Euro für eine Woche zu einer Familie nach Berlin-Hellersdorf. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass ihm das Experiment sichtlich zu schaffen macht. „Es macht was mit dir, wenn du dir den ganzen Tag überlegst: Was kann ich mir überhaupt leisten?“, erklärte er. Die Zuschauer regierten indes gespalten auf seinen Selbstversuch.
Nach den sieben Tagen genierte sich der Moderator für seine Vorurteile. „Ich schäme mich dafür, dass man solche Klischeebilder im Kopf hat“, lautete sein Fazit. „Tatsächlich denke ich seit dieser Woche anders über die Armut in Deutschland.“ Das war, bevor Pilawa auf Angelina traf. Die Bürgergeld-Empfängerin und vierfache Mutter wurde für ein Gespräch ins Studio eingeladen. Obwohl sie und ihr Mann Bürgergeld beziehen, könne sie monatlich 1000 Euro sparen, so Angelina nach eigenen Aussagen.
Weiter führt die Bürgergeld-Empfängerin aus: „Wir hätten die Erhöhung zum Jahreswechsel nicht benötigt.“ Insgesamt ständen ihr 2815 Euro im Monat zur Verfügung. Verzichten müsse die sechsköpfige Familie „auf gar nichts“. Allerdings betonte Angelina, dass sie sämtliche Ausgaben streng im Blick habe und Einkäufe nur nach einem strikten Sparplan erledige. Dennoch: Als arm betrachte sie sich nicht, stellte die Mutter klar. So ziemlich das Gegenteilige erlebte Pilawa während seines Experiments.
2815 Euro im Monat für Familie der Bürgergeld-Empfängerin – so kommt der Betrag zustande
Doch wie kommt der vergleichsweise hohe Betrag zustande? Pro Kind steigt der Regelbedarf an, wobei sich der jeweilige Betrag nach dem Alter richtet. Während Personen für ein Kind zwischen null und fünf Jahren beispielsweise 357 Euro beziehen, sind es für ein Kind zwischen 14 und 17 Jahren 471 Euro. Angelina und ihr Mann werden vermutlich jeweils 506 Euro Bürgergeld bekommen. Um auf die 2815 Euro im Monat zu kommen, müssten mindestens drei Kinder zwischen 14 und 17 Jahre alt sein.
| Bürgergeld-Berechtigte | Regelbedarf |
|---|---|
| Alleinstehende, Alleinerziehende und Volljährige mit minderjährigen Partnern | 563 Euro |
| Volljährige Partner | 506 Euro |
| Volljährige von 18 bis 24 Jahren ohne eigenen Haushalt und 15- bis 24-Jährige, die ohne Zusicherung des Jobcenters umziehen | 451 Euro |
| Kinder von 14 bis 17 Jahren und Minderjährige mit volljährigen Partnern | 471 Euro |
| Kinder von sechs bis 13 Jahren | 390 Euro |
| Kinder von null bis fünf Jahren | 357 Euro |
| Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) |
Allerdings stellen Menschen wie Angelina nicht den Querschnitt der Bürgergeld-Empfänger in Deutschland dar. Das weiß mittlerweile auch Pilawa. Im Laufe der Dokumentation betonte der Moderator immer wieder, welch bleibenden Eindruck das Experiment bei ihm hinterlassen habe. „Ein beklemmendes Gefühl“, gestand er, nachdem er zum ersten Mal selbst als Kunde die Tafel besucht hatte. „Man schämt sich so ein bisschen dafür, obwohl man gar nichts dafür kann.“ (cln)
Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/Patrick Pleul/dpa
