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Mücken-Hochsaison: Sieben Mythen um die kleinen Blutsauger

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Licht zieht Mücken an, nur Weibchen stechen – um die kleinen Plagegeister ranken sich viele Mythen. Doch welche Legenden um die Blutsauger stimmen? Wir klären auf.

München – Endlich ist der Sommer in Deutschland angekommen. Mehr noch: Es werden sogar Hitze-Hotspots mit bis zu 40 Grad erwartet. Doch die milden Temperaturen rufen auch kleine Plagegeister wieder auf den Plan. Doch was zieht sie besonders an und was vertreibt Stechmücken? Viele Mythen ranken sich um die unerwünschten Gäste auf Grillabenden oder im Schlafzimmer. Doch werden die kleinen Blutsauger wirklich von Licht angezogen? Lieben sie süßes Blut? Die Wissenschaft hat klare Antworten.

Um Mücken ranken sich viele Mythen. Doch welche sind wahr?

Mythos 1: Mücken ernähren sich von Blut

Falsch. Es ist ein verbreiteter Glaube, dass Stechmücken sich von menschlichem Blut ernähren. Doch tatsächlich ist das nicht ganz richtig. Mücken leben zwar von unserem Blut, ernähren sich aber nicht davon: Es sind die weiblichen Mücken, die die Nährstoffe aus dem Blut benötigen, um ihre Eier abzulegen – und uns darum die lauen Sommernächte verderben.

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Asiatische Hornisse
„Im Gegensatz zu unserer heimischen Hornisse sind sie in der Lage, wie ein Hubschrauber in der Luft stehen zu bleiben“, sagt Expertin Loeper. Auffällig sei auch, dass sie rückwärts fliegen könnten.  © Axel Heimken/ dpa
Frühlingshafte Temperaturen in Südbrandenburg
Ölkäfer sollte man besser nicht anfassen, sondern lieber aus etwas Entfernung beobachten, sagt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim Landesverband des BUND. Denn das Gift der Käfer sei schon in einer geringen Konzentration tödlich.  © Frank Hammerschmidt/ dpa
Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke ist aggressiver als heimische Mücken und kann exotische Krankheiten übertragen. © Uwe Anspach/ dpa
Schnake auf Fensterscheibe
Die Schnake zählt zu den typischen Stechmücken. Übrigens hat es nichts mit besonders süßem Blut zu tun, ob sie dich stechen oder deine Freund:in. Viel eher liegt es nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen an deiner Hautflora (also körpereigenen Pilzen und Bakterien).  © Julian Stratenschulte/ dpa
Zeckensaison in Oregon
Wenn du durchs Gras rund um den Badesee läufst, könnte dich eine Zecke stechen. Bei steigenden Temperaturen und feuchtem Wetter werden die blutsaugenden Parasiten laut Niedersächsischem Landesgesundheitsamt (NLGA) aktiver.  © Robin Loznak/ dpa
Wespe am Fenster
Wespen können beliebig oft stechen, Bienen nur einmal in ihrem Leben (sie sterben, wenn der Stachel abbricht). Beide tun das eigentlich nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Trotzdem kann ein Stich lebensgefährlich sein: Im Mund- und Rachen­bereich kann er die Atmung behindern. Bei Allergiker:innen kann der Kreislauf zusammenbrechen.  © Arne Dedert/ dpa
Badespaß im Stadtpark
Eine unsichichtbare Gefahr sind Zekarien: Die winzigen Larven von Saugwürmern können sich am Ufer von Seen sammeln. Sie können Hautentzündungen verursachen, etwa gerötete Flecken, Juckreiz oder Quaddeln.  © Axel Heimken/ dpa

Mythos 2: Dunkle Kleidung zieht Mücken besonders an

Richtig. Die Farbe der Kleidung kann tatsächlich einen Einfluss darauf haben, ob Mücken auf jemanden „fliegen“ oder ihn oder sie in Ruhe lassen. Forschende der University of Washington kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass bestimmte Farben wie Rot, Orange, Schwarz und Cyan zumindest die Tigermücke, die sich auch in Deutschland immer weiter verbreitet, besonders anziehen.

Die Untersuchung zeigte, dass die Blutsauger dunklere Kleidungsstücke bevorzugen und Weiß am ehesten meiden. Als Grund, warum Mücken Rot und Orange besonders mögen, führen die Forscher an, dass diese Farben dem Farbspektrum der menschlichen Haut ähneln.

Mythos 3: Mücken lieben süßes Blut

Falsch. Es ist ein verbreiteter (Irr-)Glaube, dass Mücken bevorzugt Menschen mit süßem Blut stechen. Es stimmt zwar, dass Stechmücken ihre Vorlieben haben. Aber nur weil ein Mensch gerne süße Nahrungsmittel konsumiert, bedeutet das nicht, dass er für die kleinen Blutsauger attraktiver ist.

Für Mücken spielt es keine Rolle, ob das Blut zuckerhaltig ist oder nicht. Die Blutgruppe hingegen scheint sehr wohl eine Rolle zu spielen: Menschen mit der Blutgruppe 0 scheinen besonders oft Düfte zu verströmen, die Mücken attraktiv finden, ergaben frühere Studien aus Japan.

Mythos 4: Licht zieht Mücken an

Falsch. Der wohl am meisten verbreitete Irrglaube von allen. Tatsächlich ist der Rat, das Licht im Schlafzimmer abends auszuschalten, um Mücken draußen zu halten: für die Katz. „Mücken reagieren nicht optisch, sondern olfaktorisch“, sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) dazu.

Anders als andere nachtaktive Insekten werden Mücken nicht vom Licht angezogen. Die kleinen Plagegeister reagierten vielmehr auf Körperwärme, Gerüche von Menschen und Tieren sowie auf den Kohlendioxidgehalt in der Atemluft. Anstatt Fenster zu verschließen, empfiehlt sie regelmäßiges Lüften und das häufige Wechseln der Bettwäsche.

Mythos 5: Mücken werden durch Schweißgeruch angelockt

Richtig. Bestimmte Körpergerüche, die Mensch ausdünstet, ziehen Mücken besonders an. Eine US-amerikanische Studie, für die Forscher der Johns Hopkins University mit einem „Buffet aus Menschengeruch“ testeten, was Moskitos besonders anzieht, ergab: bestimmte Duftstoffe aus dem Schweiß sind für die Blutsauger ausgesprochen verlockend.

Personen, die die in menschlichem Schweiß vorkommende Butansäure, Isovaleriansäure oder auch das auf der Haut gebildete Acetoin ausdünsten, sind besonders appetitlich für Stechmücken.  Am wenigsten anziehend fanden die Tiere der Studie zufolge Menschen, die sogenanntes Eucalyptol ausdünsten, also nach Eukalyptus riechen.

Mythos 6: Mücken fliegen auf blumige Düfte

Richtig. Tatsächlich könnte ihr Duschgel daran schuld daran sein, dass Sie von Mücken zerstochen werden. Laut einer neuen Studie der US-amerikanischenVirginia Polytechnic Institute and State University gibt es Hinweise darauf, dass nicht nur der natürliche Körpergeruch eines Menschen, sondern auch die verwendete Seife einen Einfluss auf das Stechverhalten der Blutsauger haben kann.

Demnach sind vier Duftstoffe, die Mücken besonders anziehend finden: Maiglöckchen-, Veilchen-, Ananas- sowie eine Kombination aus Holz- und Blumen-Duft. Am abschreckendsten waren demnach Kokos-, Mandel-, Wassermelonen- und Bourbon-Duft. Übrigens: Auch vor bestimmten Pflanzen für Garten und Balkon ergreifen Mücken die Flucht.

Mythos 7: Ultraschall vertreibt die Plagegeister

Falsch. Stechmücken haben eine eingeschränkte Seh- und Hörleistung, weshalb teure Ultraschallgeräte, die die Insekten durch hohe Töne vertreiben sollen, wirkungslos und damit rausgeschmissenes Geld sind. Dasselbe gilt für Smartphone-Apps, die nach demselben Prinzip funktionieren sollen. Das ergaben Untersuchungen von Stiftung Warentest. Bestimmte andere Mittel dagegen helfen sehr wohl, die ungeliebten Tiere fernzuhalten.

Mythos 8: Stehendes Wasser ist ein Mückenmagnet

Richtig. Mücken vermehren sich fleißig – die Weibchen legen in ihrem kurzen, nur einige Wochen langen Leben etwa drei- bis viermal bis zu 300 Eier ab. Dafür brauchen sie stehendes Gewässer. Aus den Eiern schlüpfen die Mückenlarven. Die Mückenlarven hängen kopfüber im Wasser und atmen durch einen hohlen Schwanz, der wie ein Schnorchel aus dem Wasser ragt.

Um also die Vermehrung der Plagegeister einzudämmen, sollten in Garten, auf Balkon und Terrasse keine Gläser, Becken oder Behälter mit stehendem Wasser herumstehen und Regentonnen abgedeckt werden.

Rubriklistenbild: © imago

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