„Einschränkungen gehen zu weit“

Vor allem Rentner betroffen: Aufschrei wegen Führerschein-Plänen der EU

  • schließen

Die Europäische Union plant eine Überarbeitung der Vorschriften für Führerscheine. Das führt beim European Automobile Clubs (EAC) zu Verärgerung.

Kassel – Im EU-Parlament wird derzeit über neue Führerschein-Richtlinien diskutiert. Bereits im Jahr 2023 wurden zahlreiche Änderungen an den Führerscheinvorschriften vorgenommen, die Tausende von Autofahrern betrafen. Nun stehen mögliche weitere Regelungen zur Debatte, die insbesondere ältere Fahrer und Fahranfänger betreffen könnten. Der European Automobile Clubs (EAC), ein Zusammenschluss von sechs Automobilclubs aus vier Ländern, äußerte scharfe Kritik an diesen Plänen.

Änderung der Führerschein-Richtlinien: Führerscheine für Senioren sollen befristet werden

Der aktuelle EU-Entwurf sieht vor, die Gültigkeit von Führerscheinen für ältere Personen zeitlich zu begrenzen. Zunächst wurde diskutiert, die Gültigkeitsdauer von Führerscheinen für Menschen ab 70 Jahren auf fünf Jahre zu begrenzen. Nun wurde jedoch vorgeschlagen, dass Personen ab 60 Jahren ihren Führerschein alle sieben Jahre erneuern müssen. Für Senioren ab 80 Jahren würde der Führerschein sogar nur noch zwei Jahre gültig sein.

  • Folgende Vorschläge enthält der Entwurf unter anderem:
  • Befristung von Führerscheinen für Menschen ab 60 auf sieben Jahre
  • Befristung von Führerscheinen für Menschen ab 70 auf fünf Jahre
  • Befristung von Führerscheinen für Menschen ab 80 auf zwei Jahre
  • Einführung einer neuen Führerscheinklasse – der Klasse B+ für Autos über 1800 Kilo

Um auch nach Ablauf der Gültigkeitsfrist weiterhin mobil bleiben zu können, sieht der Entwurf vor, dass die betroffenen Personen ihren Führerschein erneut beantragen müssen. Für die Erlangung des Führerscheins sind medizinische und psychologische Tests erforderlich, die die Fahrtauglichkeit überprüfen sollen. Die Änderungsvorschläge sind im Berichtsentwurf enthalten, den Berichterstatterin Karima Delli zuletzt veröffentlichte.

„Pauschale Einschränkungen gehen zu weit“: EAC lehnt Führerschein-Pläne der EU ab

Die Mehrheit der Mitglieder des EAC lehnt eine solche Altersbegrenzung allein aufgrund des Alters sowie die Einführung gesetzlich verpflichtender ärztlicher Gesundheitschecks zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit entschieden ab. Obwohl sie die Bemühungen zur Steigerung der Verkehrssicherheit unterstützen, halten sie „pauschale Beschränkungen für Senioren“ für übertrieben, betont EAC-Präsident Holger Küster. Stattdessen plädiert er für die Förderung freiwilliger Verkehrstauglichkeitsprüfungen und begleitender Beratungsmaßnahmen.

Besonders älteren Menschen drohen Einschränkungen durch die neuen Führerschein-Pläne der EU.

Auch der von der EU vorgeschlagene Einführung einer neuen Führerscheinklasse B+ für Autos mit einem Gewicht von mehr als 1800 Kilo wird als realitätsfern angesehen. Vor allem Fahranfänger wären hiervon betroffen: Nach den vorgeschlagenen Änderungen dürften sie erst ab dem 21. Lebensjahr Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 1800 Kilo steuern – SUVs wären in diesem Fall vorerst ausgeschlossen. Doch auch moderne Fahrzeuge wie Elektroautos würden nach Ansicht des EAC oft die genannte Gewichtsgrenze überschreiten.

Führerschein-Änderung: E-Autos und SUV kommen häufig über Gewichtsgrenze

Für Küster stellt dies den falschen Ansatz dar. Er sagt: „Die teils unverhältnismäßigen und bevormundenden Änderungsvorschläge missachten die Eigenverantwortlichkeit der Bürger.“ Der EAC fordert, dass die Überprüfung der Fahreignung in die Verantwortung der Mitgliedstaaten übergeben werden sollte und dass Fahranfänger und Senioren nicht übermäßig eingeschränkt werden dürfen. (tt/dpa)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Bjarne Kommnick sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

Kommentare