VonRobin Dittrichschließen
Gestiegene Preise für Lebensmittel, Energie und Co. sind nicht spurlos an Verbrauchern vorbeigegangen. Viele müssen den Gürtel deutlich enger schnallen.
Kassel – Verdienen Menschen in Deutschland genug Geld, um sich die in den letzten Monaten und Jahren gestiegenen Preise leisten zu können? Dieser Frage ging der Verbraucherzentrale Bundesverband nach – mit einem erschreckenden Ergebnis.
Verbraucherreport 2023: Können sich Deutsche das alltägliche Leben noch leisten?
Viele Menschen in Deutschland hatten nach dem vermeintlichen Ende der Corona-Pandemie auf einen wirtschaftlichen Aufschwung gehofft. Doch die Preise für Lebensmittel und Energie sind nicht nennenswert gesunken, die Gehälter in den meisten Branchen nicht genug gestiegen. Die Inflationsrate liegt noch immer bei über sechs Prozent. In einer repräsentativen Umfrage stellte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) jetzt fest: „ Die Verbraucherkrise ist noch lange nicht vorbei.“
Konkret bedeutet das, dass viele Menschen unter finanziellen Sorgen leiden und in einigen Bereichen sparen müssen – vom Energieverbrauch bis zum Reisen. 44 Prozent der Befragten gaben an, beim Kauf von Lebensmitteln zu sparen. Ein erschreckendes Ergebnis der Umfrage: Die Menschen fühlen sich mit ihren finanziellen Sorgen alleingelassen. „Das finde ich besorgniserregend“, sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop. Ihre Forderung: „Die Bundesregierung muss dringend nachsteuern und für mehr Sicherheit sorgen. Nicht alle sind gleichermaßen von der Krise betroffen. Es droht eine Spaltung der Gesellschaft.“
Forsa-Umfrage: Einsparungen in vielen Bereichen notwendig
Neben dem Sparen an Lebensmitteln versuchen viele Menschen in Deutschland auch, Energie zu sparen. Während im eigenen Zuhause weniger Geld ausgegeben wird, gehen Verbraucher zusätzlich seltener aus: 61 Prozent gaben an, weniger oft in Restaurants oder Bars zu gehen. Was vielen Menschen beim Gang in den Supermarkt missfällt, ist die Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen sollten in vielen Bereichen entlastet werden.
Diese Ergebnisse brachte die forsa-Umfrage zum Verbraucherreport 2023:
- 64 Prozent fühlen sich mit den hohen Preisen von der Bundesregierung alleingelassen
- 76 Prozent sparen beim Energieverbrauch
- 61 Prozent sparen bei Gastronomiebesuchen
- 56 Prozent sparen bei Urlauben und Reisen
- 44 Prozent sparen bei Lebensmitteln
- Nur 22 Prozent vertrauen der Politik beim Verbraucherschutz
Wie der vzbv angibt, stiegen die Beschwerden bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen im Jahr 2022 um satte zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders viele Beschwerden gab es in dem Bereich von Strom und Gas – es gingen knapp 56.000 ein. Daraufhin wurden 2022 knapp 45 Abmahnungen der vzbv gegen Energieanbieter ausgesprochen. Für den Verbraucherreport 2023 kontaktierte forsa 1500 Menschen in Form einer Telefonbefragung vom 11. bis zum 27. April 2023.
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