Tesla-Stecker als neuer Ladestandard: GM und Ford stellen um
VonSebastian Oppenheimer
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In den USA könnte der Tesla-Ladestecker bald zum beherrschenden Standard werden: Nach Ford setzt nun auch GM auf die sogenannte NACS-Technik.
In den 1980er-Jahren konkurrierten gleich drei verschiedene Videokassetten-Formate um die Vorherrschaft – am Ende setzte sich VHS gegen Betamax und Video 2000 durch. In den 2000ern gab es dann einen ähnlichen Formatstreit, bei dem die HD-DVD der Blue-ray-Disk unterlag. Noch schlimmer war für Kunden später die Vielzahl von verschiedensten Handy-Ladekabeln: Nahezu jeder Hersteller kochte hier sein eigenes Süppchen – doch spätestens ab 2024 dürfen die Hersteller in der EU die Geräte nur noch mit dem USB-Stecker verkaufen. Eine Standardisierung bahnt sich nun auch bei den Ladesteckern für Elektroautos an: In den USA setzt nach Ford auch GM auf die Technik von Tesla.
Teslas Supercharger-Netzwerk: Ein wichtiger Baustein für den Erfolg
Ein wichtiger Baustein für den Erfolg des E-Autobauers Tesla war ohne Frage der Aufbau eines eigenen Ladenetzes: Ab 2012 wurden in den USA die ersten Stationen mit dem Namen „Supercharger“ installiert. Im Laufe der Jahre stieg die Ladeleistung immer weiter an, wodurch sich die Ladezeit dementsprechend verkürzte. Inzwischen sind an den neuesten Säulen theoretisch bis zu 250 kW Ladeleistung möglich – und speziell für den Elektro-Lkw Semi sollen sogenannte Mega-Charger errichtet werden, die noch deutlich schneller Strom in die Fahrzeuge pumpen sollen.
„North American Charging Standard“: Ford und GM setzen auf Teslas NACS-Technik
Nun sieht es in Nordamerika so aus, als ob der Tesla-Schnellladestecker zum beherrschenden Standard wird. Denn nach Ford hat jetzt auch General Motors angekündigt, künftig auf den Tesla-Standard zu setzen. Durch diesen Schritt der beiden Hersteller dürfte der in den USA vorherrschende CCS1-Stecker an Bedeutung verlieren. Tesla hatte bereits im November 2022 sein System in „North American Charging Standard“ (NACS) umbenannt – wohl in der Hoffnung, dass auch andere Hersteller darauf setzen. Denn sollte es eines Tages zu einer „Zwangs-Standardisierung“ kommen, wäre es für Tesla natürlich ein großer Aufwand, das eigene System zu verändern. Allerdings kann es auch zu Problemen kommen, wenn andere Marken an Superchargern laden – wie ein Reddit-Beitrag zeigt.
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Tesla-Technik als US-Ladestandard: Vorerst keine Auswirkungen auf Europa
Bereits ab 2024 sollen E-Fahrzeuge des GM-Konzerns – darunter Marken wie Cadillac und Chevrolet – an den Tesla-Superchargern andocken können. Zunächst noch per Adapter, ab 2025 ist dann geplant, dass die Fahrzeuge ab Werk mit dem NACS-Standard ausgeliefert werden. Auch Ford will ab diesem Zeitpunkt auf die Tesla-Technik setzen. Praktisch für die Kunden: Seit einiger Zeit ist es möglich, online über neue Supercharger-Standorte abzustimmen – nicht nur für Tesla-Fahrer.
Auswirkungen auf Deutschland und Europa dürfte der Schwenk von GM und Ford in den USA zunächst nicht haben. Denn hierzulande hat sich der Combined Charging Standard (CCS2) durchgesetzt, mit dem Tesla auch die meisten Fahrzeuge ausliefert.