VonAdrian Kilbschließen
Die Krankenkassenbeiträge drohen weiter zu steigen, was gerade Gutverdiener doppelt finanziell treffen würde. Denn auch die Beitragsbemessungsgrenze wird angehoben.
Der Sozialstaat bedarf Reformen, damit es mit der Volkswirtschaft in Deutschland wieder aufwärtsgeht. Nur leider ist dafür das Geld knapp. Um die Finanzierungsprobleme zu beheben, will die SPD Besserverdiener stärker besteuern. Die Union stemmt sich mit Hinweis auf den Koalitionsvertrag dagegen, wo nichts dergleichen festgelegt ist. Allerdings könnte es die Gutverdiener auch davon unabhängig bald doppelt finanziell treffen.
Beitragsbemessungsgrenze wird angehoben – was Gutverdiener zusätzlich trifft
In der allgemeinen Rentenversicherung soll die Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 8.050 Euro im Monat ab dem 1. Januar auf 8.450 Euro angehoben werden. So sieht es ein Verordnungsentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium vor. Viele Arbeitnehmer und Rentner müssten demnach 2026 mehr Geld zahlen. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) soll die Beitragsbemessungsgrenze sich ebenfalls erhöhen - von monatlich 5.512,50 Euro in diesem Jahr auf 5.812,50 Euro im Jahr 2026, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.
Dieser Teil des Bruttoeinkommens wird also im kommenden Jahr besteuert und für die Berechnung von Sozialversicherungsbeiträgen herangezogen. Erst darüber hinaus bleibt der Verdienst beitragsfrei. Da die Grenze, bis zu der Beiträge erhoben werden, sich an der allgemeinen Lohnentwicklung orientiert, gibt es in der Sache wenig Gestaltungsspielraum, wie Dennis Radtke (CDU), der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschland den Tagesspiegel sagte.
So stark könnten die Krankenkassenbeiträge bis zum Jahr 2029 steigen
„Das Dilemma ist: Parallel zur Anhebung der Bemessungsgrenze zeichnet sich die Erhöhung der Zusatzbeiträge in der GKV ab“, so der Politiker weiter. Damit hätten viele Erwerbstätige und Rentner gleich eine doppelte Mehrbelastung zu tragen. Wie Gutverdienern dennoch mehr Netto vom Brutto bleibt.
Seit Januar 2025 liegt der Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung durchschnittlich bei rund 2,5 Prozent und damit 0,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Erst zum 1. Juli 2025 erhöhten wieder neun Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag. Zum Jahreswechsel drohen alle gesetzlichen Kassen im Durchschnitt die Drei-Prozent-Schwelle zu überspringen, wenn die schwarz-rote Bundesregierung nichts unternimmt, warnt der GKV-Spitzenverband.
Bei einem Weiter-so könnten sich bis zum Jahr 2029 die Zusatzbeitragssätze auf fast fünf Prozent erhöhen, wie eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt. Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung klafft 2026 ein gewaltiges Vier-Milliarden-Loch.
Dilemma durch steigenden Krankenkassenbeitrag – klare Forderung an Merz-Regierung
Der GKV-Spitzenverband und Wirtschaftsforscher setzen sich deshalb für eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik, ein sogenanntes Ausgabenmoratorium, ein. „Eigentlich ist die Sache doch recht einfach: Wir brauchen eine Gesetzgebung, die verhindert, dass die Krankenkassen immer wieder mehr ausgeben müssen, als sie einnehmen“, sagte GKV-Vorsitzende Oliver Blatt der Augsburger Allgemeinen. Der Kostenanstieg müsse wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden, Preis- und Honorarzuwächse dürften nicht mehr länger schneller steigen als die Einnahmen der Krankenkassen.
Zwar will die Merz-Regierung die Krankenkassenbeiträge stabil halten. Wie das gelingen soll, steht aber in den Sternen. Nach dem Abschluss der Haushaltsberatungen ist klar, dass dafür keine zusätzlichen Gelder aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung stehen. Die Beiträge bleiben absehbar „unter Druck“, räumt Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ein. Eine Expertenkommission soll jetzt bis zum Frühjahr 2026 Vorschläge für tiefgreifende Strukturreformen liefern, wie ZDF Info berichtet.
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