Hälfte fällt durch

Stiftung Warentest untersucht Sonnencreme: Supermarkt-Produkt klarer Testsieger – überraschende Verlierer

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Wer sich im Sommer eincremt, fühlt sich sicher. Doch wie die Stiftung Warentest feststellt, hält nicht jedes Sonnenschutzmittel, was es verspricht.

München – Der Sommer rückt immer näher und dank der Wettervorhersage wissen wir, mit wie viel UV-Strahlung am Tag zu rechnen ist – das verrät der UV-Index. Demnach sind laut Deutschen Wetterdienst (DWD) bereits ab einem UV-Index von drei Schutzmaßnahmen erforderlich.

Super- und Drogeriemärkte bieten mittlerweile eine große Auswahl an Sonnenschutzmittel. Welche effektiv vor schädigender UV-Strahlung schützen und damit zuverlässige Begleiter bei sommerlichen Temperaturen sind, hat die Stiftung Warentest bei insgesamt zwanzig Sonnencremes, mit Lichtschutzfaktor 30 bis 50+, genau untersucht. Unter den geprüften Sonnencremes waren auch preisgünstige Handelsmarken dabei – die Ergebnisse mancher Produkte dürften überraschen. Vor kurzem wurden auch Lippenherpes-Produkte von der Verbraucherorganisation unter die Lupe genommen.

Sonnencremes auf dem Prüfstand: Stiftung Warentest untersucht eine Reihe Sonnenschutzmittel – die Hälfte enttäuscht (Symbolbild)

Sonnenschutzmittel können UV-Strahlung nicht komplett blockieren

Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert, braucht die Haut Schutz vor ultravioletter (UV)-Strahlung, da sie diese nachhaltig schädigen kann. Demnach können Sonnenschutzmittel die Haut nicht nur vor einem Sonnenbrand und einer vorzeitigen Hautalterung schützen, sondern auch Hautkrebs vorbeugen. Aber Vorsicht: Haben sie ihre angegebenen Mindesthaltbarkeitsdaten überschritten, ist ein ausreichender UV-Schutz nicht mehr gewährleistet. 

Das BfS empfiehlt daher einen hohen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30, sonnenreiche Regionen erfordern einen LSF von 50+. Da selbst Sonnencremes mit sehr hohem Lichtschutzfaktor und ausgewiesenem UV-B- und UV-A-Schutz keinen vollständigen Schutz bieten, sollte die „entsprechend dem LSF theoretische Schutzdauer höchstens zu 60 Prozent ausgeschöpft werden“, so die Behörde weiter. Zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Sonnenschutzkleidung sind daher sinnvoll.

Sonnencremes im Test: Stiftung Warentest untersucht Produkte erstmals auch auf kritische Weichmacher

Unter den 20 Sonnencremes, die von Stiftung Warentest geprüft wurden, befanden sich unter anderem:

  • Klassiker wie Nivea, Garnier und Ladival
  • Produkte von dm, Rossmann, Edeka und Lidl
  • Produkte aus der Apotheke von Avène, Eucerin und Vichy

Die richtige Pflege je nach Hauttyp: Wie Sie trockene, fettige oder sensible Haut am besten versorgen

Junge Frau am Strand
Vor allem junge Menschen kämpfen oft mit fettiger Haut. Pickel und Mitesser sind bei diesem Hauttyp häufig, weil die Talg-Überproduktion zu einer Verstopfung der Poren führt. „Für Sie ist wichtig, dass Ihre Pflegeprodukte nicht zu reichhaltig sind. Das bedeutet, Ihre Haut benötigt Feuchtigkeit, aber nicht noch mehr Fett“, so eine Information des Hautarztzentrums Kiel. Die morgendliche und abendliche Reinigung sei ebenfalls wichtig, um die Haut vom überschüssigen Talg zu befreien. Waschschaum und eine leichte Creme mit Salizylsäure sowie ein Gesichtswasser würden sich aufgrund der antibakteriellen und entfettenden Wirkung besonders anbieten bei fettiger Haut.  © Stephan Klapszus/Imago
Frau blickt in Spiegel
Sensible Haut erkennen Sie daran, dass Sie besonders empfindlich auf äußere Reize wie heiße und kalte Luft reagiert. Auch Kontakt mit Duft- und Konservierungsstoffen hat häufig Hautirritationen wie Rötung zur Folge. Aggressive Peelings, Seife und andere reizende Waschsubstanzen sollten nicht verwendet werden, informiert das Hautarztzentrum Kiel auf seiner Website. „Ihre Haut braucht eine Pflege, die viel Feuchtigkeit enthält, sie nicht beschwert und bestenfalls frei von Duft-, Konservierungs- und Farbstoffen ist“, heißt es weiter: „Eine leichte Tages- und Nachtpflege für empfindliche Haut reich völlig aus. Zum Reinigen sollten Sie ein mildes Waschgel ohne Peelingmaterialien verwenden“.  © Imago
Trockene Haut eincremen
In den meisten Fällen ist falsche Pflege die Ursache von zu trockener Haut. Wie die Krankenkasse AOK informiert, sollten Menschen mit trockener Haut auf langes, häufiges und heißes Duschen bzw. Baden verzichten, milde und rückfettende Reinigungsmittel verwenden und zu Feuchtigkeitscreme greifen. Trotz dieser Maßnahmen bleiben die Probleme bestehen? Dann könnte eine Hautkrankheit dahinter stecken, die behandelt werden muss.  © Imago
Frau trägt Lippenstift auf und schaut in den Spiegel
Trockene Wangen und zu Pickeln und Mitessern neigende T-Zone (Stirn, Nase und Kinn) sind typische Merkmale der Mischhaut. Die Pflege dieser Haut sollte zweigeteilt werden: Die trockenen Stellen sollten nur mit Wasser oder sanften Reinigungsmitteln in Berührung kommen. Die fettigen Stellen können mit Substanzen gereinigt werden, die entfettend wirken, etwa Salizylsäure. „Sie können zudem zwei verschiedene Cremes verwenden: Eine für fettige Haut und eine für normale oder trockene Haut“, so eine Information des Hautarztzentrums Kiel.  © Aleksei Isachenko/Imago
Wegweiser zu einer Hautärztin in Luxemburg
Ihre Hautprobleme bleiben bestehen, obwohl Sie Ihre Pflegeroutine geändert haben? In dem Fall könnte es sein, dass Sie an einer Hautkrankheit leiden, die behandelt werden muss. Suchen Sie einen Hautarzt oder eine Hautärztin auf. Diese/r kann die richtige Diagnose stellen und je nach Befund die passende Therapie empfehlen.  © Sascha Steinach/Imago

Die Verbraucherorganisation hat nach eigenen Angaben die Sonnenschutzmittel erstmals nicht nur auf UV-Schutz, sondern auch auf kritische Weichmacher untersucht. Anlass waren Unter­suchungen des Umweltbundesamts, die in Urin­proben „ein Abbau­produkt von Weichmachern gefunden hatten, die aus Sonnen­cremes stammen könnten“. „Der Einsatz dieses Weichmachers ist laut EU-Kosmetikverordnung verboten“, so die Tester. Bei gleich vier Produkten wurde die Stiftung Warentest jedoch fündig.

Stiftung Warentest: Hälfte der getesteten Sonnencremes fällt durch – Edeka und Rossmann Testsieger

Die Ergebnisse der Tester zeigen: wer teuer cremt, ist nicht unbedingt besser geschützt – einige preisgüns­tige Handels­marken aus der Drogerie oder vom Discounter können überzeugen. Dabei gehen die Produkte von Edeka und Rossmann als klare Testsieger hervor. Beide erhalten in allen Testkategorien durchweg die Bewertung „Sehr gut“ und „Gut“. Lediglich bei der Lesbarkeit und Vollständigkeit der Anwendungshinweise gab es minimale Abzüge.

Nachfolgende Sonnencremes hingegen konnten nicht überzeugen und erhielten die Bewertung „Mangelhaft“:

  • „Cien Sun Sonnenmilch 50“, von Lidl
  • „Sensitive Expert+ Ultraleichte Sonnenschutzmilch 50“, von Garnier Ambre Solaire
  • „Sonnenspay 50“, von i+m Naturkosmetik Berlin
  • „Sonnenlotion Sensitive 30“, von Lavera Naturkosmetik
  • „Million Dollar Sun Cream“, von Lush
  • „Sun Care & Protect Sun Cream 30“, von M.Asam

Zu den überraschenden Verlierern gehören vor allem Lidl und Garnier – ihre Produkte hatten in früheren Tests zu den Besten gehört. Nach Angaben der Verbraucherorganisation können ihre Sonnencremes den angegebenen UV-Schutz nicht einhalten. Auch die Kaufland-Sonnencreme für Babys und Kinder kann nicht überzeugen – bei Öko-Test fällt sie krachend durch.

Stiftung Warentest untersucht Sonnencremes: Vier Produkte enthalten verbotenen Inhaltsstoff

Bei vier Sonnencremes wurde außerdem der Weichmacher Di-n-hexylph­thalat (DnHexP) nachgewiesen. Allerdings bergen die von den Testern gemessenen Konzentrationen nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch kein akutes Gesund­heits­risiko, weshalb die Produkte noch mit „Ausreichend“ und insgesamt mit „Befriedigend“ bewertet wurden. „In die Produkte gehört kein Weichmacher und wir fordern von den Anbietern strengere Qualitätskontrollen“, sagt Lea Lukas von Stiftung Warentest gegenüber dem SWR3. Alle Testergebnisse können Sie kostenpflichtig hier online nachlesen. Die Stiftung Warentest warnte kürzlich vor vier Kindersitzen – besonders wegen eines gefährlichen Mangels.

Auch in Lebensmittelprodukten werden immer wieder Fremdkörper oder mikrobiologische Verunreinigungen festgestellt. Eigentlich dürften gesundheitsschädliche Lebensmittel nach der sogenannten „Lebensmittel-Basisverordnung“ nicht in Verkehr gebracht werden. Bei Lidl und Kaufland ist aktuell ein dringender Fleisch-Rückruf gestartet worden – es drohen Brechreiz und Durchfall. (vw)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/ dpa

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