VonStella Henrichschließen
Die Stiftung Warentest hat 24 Kindersitze einer Prüfung unterzogen. Dabei können vier Modelle so gar nicht überzeugen. Dafür gibt es einen Preis-Tipp.
München – Kindersitze sind laut §21 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) Pflicht im Auto. Das gilt zumindest für alle Eltern und Erwachsene, die ein Kind bis zwölf Jahren bzw. bis zu einer Größe von 150 Zentimetern im Fahrzeug befördern. Dabei ist es gar nicht so leicht, ein passendes Modell für seinen Sprössling zu finden. Das Angebot auf dem Markt ist groß. Stiftung Warentest hat nun in einem aktuellen Test insgesamt 24 Autositze für Babys, Kleinkinder und Kinder unter die Lupe genommen.
Während eine Babyschale bei der Stiftung Warentest die Bestnote erhielt, kamen insgesamt vier Kindersitze ziemlich schlecht weg. Auch der ADAC warnte kürzlich vor einigen Kindersitzmodellen. Bei Stiftung Warentest erwiesen sich die vier schwächsten Produkte im Test teils beim Einbau als kompliziert und fehleranfällig. Und fielen den Prüfern zudem durch weitere Mängel negativ auf.
Stiftung Warentest untersucht 24 Kindersitze fürs Auto – nicht alle können überzeugen
Für die Bewertung waren Unfallsicherheit, Handhabung, Ergonomie sowie die Schadstoffbelastung der Kindersitze für die Prüfer entscheidend. Außerdem testeten sie das Gewicht des Sitzes, die Möglichkeit, den Sitz zu drehen, die Befestigung im Auto, die Ruheposition sowie die Option, das Kind rückwärts oder vorwärts darin sitzen zu lassen. Zentrales Kriterium der Untersuchung war jedoch der Crashtest. Dabei wurde auf einem Schlitten und mit Prüfdummys getestet, ob die Sitze bei einem Frontal- und Seitenaufprall den Kleinen guten Schutz bieten.
Die Babyschale Nuna Pipa Urbn zum Preis von 330 Euro (für Kinder mit einer Größe von 40 bis 75 Zentimetern) wurde von den Experten zum Testsieger gekürt. Sie überzeugte in allen Prüfkategorien mit einem „gut“ und kam auf eine Gesamtnote von 1,6 (gut). Dahinter folgte der Cybex Cloud G i-Size + Base G.
Diese beiden Kindersitze erzielten in der Gesamtbewertung die Bestnoten (Quelle: Stiftung Warentest, 21. Mai 2024):
- Nuna Pipa Urbn (Für Kinder von 40 bis 75 cm): 330 Euro – Note: 1,6 (gut)
- Cybex Cloud G i-Size + Base G (Für Kinder von 40 bis 87 cm): 460 Euro – Note 1,8 (gut)
In der Kategorie Kleinkinder und Kinder bis 105 Zentimeter liegt ein Duo vorn: Der Mica 360 Pro i-Size (470 Euro) und der Cybex Sirona Gi i-Size (370 Euro) erhielten beide die Note 2,2 (gut). Als bester Kindersitz für größere Kinder mit einer Körpergröße von bis zu 150 Zentimetern wurde der Avova Sora-Fix (240 Euro) eingeordnet, der eine Note von 2,0 (gut) bekam. Insgesamt wurden 13 der 24 getesteten Modelle mit der Gesamtnote gut bewertet.
Stiftung Warentest prüft Kindersitze: Gute Sitze gibt es bereits für unter 200 Euro – einige enthalten aber Schadstoffe
Das ein guter Kindersitz nicht immer sehr teuer sein muss, zeigte sich am Beispiel des Avionaut Cosmo. Der Sitz für Kinder von 40 bis 87 Zentimetern Körpergröße ist zum Preis von 185 Euro zu haben, er erzielte die Gesamtnote 2,0 (gut). Und konnte darüber hinaus im Bereich Unfallsicherheit glänzen: Dort erhielt der Kindersitz die starke Note 1,3 (sehr gut).
Zusätzlich wurden die Kindersitze und Babyschalen auf Schadstoffe untersucht, mit denen Kinder in Kontakt kommen könnten. Die Prüfer suchten im Labor nach gesundheitlich bedenklichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, problematischen Phthalat-Weichmachern und verbotenen Flammschutzmitteln.
Diese vier Modelle schneiden „Mangelhaft“ ab:
- Lionelo Astrid i-Size
- Lionelo Astrid i-Size + i-Size Base
- Peg Perego Viaggio Twist - Bae Twist
- Silver Cross Discover i-Size
Dabei zeigte sich, dass alle Modelle mit der Gesamtnote „mangelhaft“ auch bei dem Kriterium „Schadstoffbelastung“ versagten. Bei dem Modell Silver Cross Discover i-Size führten beispielsweise Materialien im Kontaktbereich des Kindes zur Abwertung, weil die Testenden dort sehr hohe Mengen des Phthalat-Weichmachers DPHP entdeckten. Der Bezug der ausziehbaren Beinauflage enthielt laut Bericht mehr Naphthalin, als das Prüfsiegel für Gesundheitsschutz, das „GS“-Zeichen, erlaubt.
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Stiftung Warentest macht den Crashtest: Auch der ADAC warnte bereits vor einem Modell
Besonders schlecht schnitt das Modell Peg Perego Viaggio bei der Unfallsicherheit ab. Im Crashtest brach der Stützfuß der Isofix-Basis Twist, wodurch sich der Sitz von der Basis löste. Der ADAC warnte kürzlich ebenfalls, dass sich dieser Sitz beim Crashtest aus der Verankerung löste. Im Gegensatz dazu überzeugte das Modell Lionelo Astrid i-Size + i-Size Base die Tester trotz der Gesamtnote „Mangelhaft“ immerhin beim Kriterium Unfallsicherheit mit der Note „Sehr gut“.
Ein Tipp für Eltern: Sie sollten regelmäßig den Kindersitz und den Gurt überprüfen. Denn hohe Temperaturen im Auto können zu Verbrennungen auf der Haut führen. Der ADAC rät vor dem Kauf eines Kindersitzes allen Eltern dazu, eine Einbauprobe im eigenen Auto zu machen. Denn nicht jeder Kindersitz passt gleich gut in jedes Fahrzeug. Dabei sollte auch unbedingt auf die drei zugelassenen Siegel wie i-Size/UN ECE Reg. 129, UN ECE Reg. 44/04 und UN ECE Reg. 44/03 geachtet werden. Wer auf Nummer sicher fahren will, sollte sich in einem Fachgeschäft beraten lassen. (sthe)
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