VonKai Hartwigschließen
Gute Nachrichten für Verbraucher: Die Energie-Pläne der angepeilten Merz-Regierung könnten den Strompreis deutlich herunterbringen. Ein Experte erklärt Details.
Kassel – Wahlsieger Friedrich Merz möchte als Kanzler einer neuen schwarz-roten Regierung einen Politikwechsel schaffen. Auch beim Thema Energie haben die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD erste Pläne offenbart. Ein Strom-Experte ordnet bei IPPEN.MEDIA ein, welche Veränderungen auf Verbraucher zukommen könnten.
Maximilian Both ist Geschäftsführer und Co-Gründer der Plattform Wechselpilot, einem automatisierten Wechselservice, der Energieverträge optimiert. Der Strom-Experte bekräftigt im Gespräch mit IPPEN.MEDIA, dass von den Plänen einer Regierung unter Merz – sollten sie umgesetzt werden – auch Verbraucher in Sachen Stromrechnung profitieren könnten.
Angepeilte Merz-Regierung möchte Strompreise um mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde senken
Im Sondierungspapier von Union und SPD wurden auch Punkte genannt, die den Strom-Markt betreffen. Folgende Änderungen sind demnach geplant:
- Der Strompreis soll für Unternehmen und Haushalte dauerhaft um mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) gesenkt werden.
- Die Preissenkung soll durch ein „Maßnahmenpaket“ erreicht werden: Teil dessen ist die Senkung der Stromsteuer auf das „europäische Mindestmaß“ und einer Reduzierung der Netzentgelte und deren künftige Deckelung.
Energie-Pläne der anvisierten Merz-Regierung: So viel Geld könnten Verbraucher beim Strom sparen
Der Strom-Experte rechnet vor: Werden Netzentgelte (aktuell im Schnitt 6,65 Cent) wie geplant halbiert und gedeckelt, „kommt man auf eine Reduktion von drei Cent“. Die Stromsteuer-Senkung bringt „nochmal zwei Cent“ (bisher 2,05 Cent/kWh, EU-Mindeststeuersatz beträgt 0,1 Cent).
Strom-Kunden würden viel Geld sparen: Bei einem Verbrauch von 3000 kWh würden dann jährlich 70 Euro (brutto mit eingesparter Mehrwertsteuer) weniger fällig, bei 2000 kWh Jahresverbrauch sparen Haushalte 46 Euro, ein Single-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 1500 kWh zahlt immerhin 35 Euro weniger. Ein weiterer Preis-Faktor ist das Terminprodukt, also die Markterwartung für den Strompreis in den folgenden vier Jahren. Laut Both könnten so die fünf Cent Strompreissenkung nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen werden.
Was ist ein Terminprodukt am Strommarkt?
Schließt ein Unternehmen mit einem Stromlieferanten heute einen festen Preis für den gesamten Bedarf für das Folgejahr, so ist das ein Termingeschäft. Das Terminprodukt ist durch den Preis, den Lieferzeitraum und den Strombedarf an einer oder mehreren Abnahmestellen definiert.
Standardlieferprofile sind Base und Peak. Base bedeutet eine Lieferung mit konstanter Leistung im Lieferzeitraum. Peak bedeutet in Deutschland eine Lieferung mit konstanter Leistung jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, auch an Feiertagen. Die Zeiten dazwischen, also auch am Wochenende, wird nicht geliefert. (Quelle: stromknowhow.de)
Beim Strompreis geht mit Blick auf Terminprodukte der „Trend klar nach unten“, sagt Both. Der Strom-Experte beziffert den geschätzten Base-Preis für 2026 bei neun Cent, für 2027 bei etwa acht Cent und 2028 bei sieben Cent. Gründe sind eine voraussichtlich bessere Verfügbarkeit von Gas und der geplante Ausbau erneuerbarer Energien. Rechnet man die Preisentwicklung bei Terminprodukten mit den Maßnahmen bei Stromsteuer und Netzentgelten zusammen, ist die Summe höher als die Mindestgröße von fünf Cent. „Das wären schon sieben Cent/kWh Strompreis runter“, so Both. Weitere Energie-Maßnahmen einer möglichen Merz-Regierung könnten den Entlastungseffekt auch für alle Privathaushalte noch vergrößern.
Besitzer von Photovoltaik-Anlagen: Strom-Experte plädiert für eine „fixe Einspeisevergütung“
Auch den Ausbau von Solarenergie haben CDU/CSU und SPD in dem Koalitionspapier hinterlegt. So will die geplante Merz-Regierung „private Haushalte zu Akteuren der eigenen Energieversorgung machen“. Hier rückt die Photovoltaik (PV) in den Fokus. Both hält diesbezüglich staatliche Subventionen, von denen private Haushalte profitieren, und Speichersysteme für unumgänglich.
„Wenn man sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach setzt, setzen sich immer mehr Menschen einen Energiespeicher dazu“, schildert Both seine Erfahrungen: „Das liegt daran, dass Photovoltaik tagsüber immer weniger wert wird. Ohne einen Speicher und eine Förderung würde sich das gar nicht mehr lohnen.“ Der Strom-Experte plädiert für eine „fixe Einspeisevergütung“ für private Besitzer von PV-Anlagen. So könnten diese ihren gespeicherten Strom „dann verkaufen, wenn er auch einen ordentlichen Preis erreicht“.
Strom-Experte rät Verbrauchern zu kurzer Vertragslaufzeit und Flexibilität
Weitere Aspekte, die im Sondierungspapier aufgegriffen werden, sind der Smart-Meter-Rollout sowie dynamische Stromtarife. „Es wird immer attraktiver, dynamisch Strom zu beziehen, weil man einfach prozentual immer mehr einsparen kann“, befindet Both. Grundsätzlich empfiehlt er: Da Neukundentarife oft deutlich günstiger sind, sollten Stromkunden ihren Vertrag jährlich prüfen und wechseln – so spart ein Durchschnittshaushalt aktuell über 350 Euro. Wer sich den Aufwand sparen will, kann einen Wechselservice nutzen oder auf dynamische Tarife setzen, die automatisch mit dem Strompreis schwanken.
Beim Sondierungspapier von Union und SPD handelt es sich allerdings nur um Absichtserklärungen und nicht finale Ergebnisse einer Koalitionsverhandlung. Deren Umsetzung wie auch die genaue Finanzierung der geplanten Energie-Maßnahmen ist derzeit noch völlig offen. (kh)
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