Einstiegsmodelle ungerechtfertigt teuer: Studie kritisiert Preiserhöhungen der Autohersteller
VonSebastian Oppenheimer
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Die Preise für die Einstiegsmodelle vieler Hersteller sind zuletzt extrem angestiegen. Laut der Analyse einer Umweltorganisation ist die Teurung nicht gerechtfertigt.
Mit einem schmalen Budget einen Neuwagen kaufen? Aktuell alles andere als einfach: Nach günstigen Modellen muss man lange suchen. Laut einer Analyse des ADAC gibt es momentan gerade einmal noch vier Neuwagen für weniger als 15.000 Euro. Auf der Suche nach Gründen für die hohen Neuwagenpreise, stößt man unter anderem auf das Argument, dass es viel Geld koste, die Autos umweltfreundlicher zu machen. Die Hersteller kämpften unter anderem mit dieser Begründung auch gegen die strenge Euro-7-Norm an. Einer Studie zufolge wäre dafür die nötige Technologie aber nicht so teuer – und die extremen Preiserhöhungen der Autobauer für Einstiegsmodelle in den letzten Jahren nicht gerechtfertigt.
Von 2019 bis 2023: Laut Studie Preiserhöhungen bei den Einstiegsmodellen von 41 Prozent
Laut einer Untersuchung der Umweltorganisation „Transport & Environment“ (T&E) haben sich die Preise der günstigsten Modelle der fünf größten Autohersteller Europas seit 2019 um durchschnittlich 41 Prozent erhöht. Der Peugeot 208, Seat Ibiza und Renault Twingo wurden demzufolge im genannten Zeitraum um fast 6.000 Euro teurer, die Preise für die A- und B-Klasse von Mercedes verteuerten sich um mehr als 10.000 Euro. Beim BMW 1er fiel der Anstieg mit einem Plus von knapp 2.000 Euro moderater aus.
Rekordgewinne der Autobauer laut Umweltorganisation auf Kosten der Verbraucher
Der Auswertung von T&E zufolge hätten die Hersteller 2022 einen Rekordgewinn von 64 Milliarden Euro erzielt – und eine Rekorddividende von 27 Milliarden Euro ausgeschüttet. Diese Rekordgewinne seien jedoch „auf Kosten der Verbraucher“ erzielt worden, weil die Preise weit über Inflationsniveau und den Kosten für Rohstoffe und andere Komponenten gestiegen seien. Trotz der hohen Gewinne hätten die Autobauer „mit aller Kraft“ gegen die nötigen Technologien für eine strenge Euro-7-Norm gekämpft, die der Umweltorganisation zufolge „nur“ 200 Euro pro Fahrzeug kosten würde. Laut dem europäischen Automobilverband ACEA (Association des Constructeurs Européens d‘Automobiles) lägen die Kosten pro Fahrzeug dagegen bei rund 2.000 Euro – also dem Zehnfachen.
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Tatsächlich sollte die von der EU-Kommission im November 2022 vorgelegte Abgasnorm Euro 7 deutlich verschärfte Grenzwerte bringen. Die Autobauer zeigten sich davon wenig begeistert, der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, die Normen seien „in kurzer Zeit kaum bis nicht erfüllbar“ und zögen deutlich höhere Kosten für die Verbraucher nach sich. Die Klagen der Autobauer hatten offenbar Erfolg: Vor kurzem stimmte der Umweltausschuss des EU-Parlaments (ENVI) für eine deutlich abgemilderte Version des Euro-7-Vorschlags der EU-Kommission.