Analyse einer Umweltorganisation

Einstiegsmodelle ungerechtfertigt teuer: Studie kritisiert Preiserhöhungen der Autohersteller

  • schließen

Die Preise für die Einstiegsmodelle vieler Hersteller sind zuletzt extrem angestiegen. Laut der Analyse einer Umweltorganisation ist die Teurung nicht gerechtfertigt.

Mit einem schmalen Budget einen Neuwagen kaufen? Aktuell alles andere als einfach: Nach günstigen Modellen muss man lange suchen. Laut einer Analyse des ADAC gibt es momentan gerade einmal noch vier Neuwagen für weniger als 15.000 Euro. Auf der Suche nach Gründen für die hohen Neuwagenpreise, stößt man unter anderem auf das Argument, dass es viel Geld koste, die Autos umweltfreundlicher zu machen. Die Hersteller kämpften unter anderem mit dieser Begründung auch gegen die strenge Euro-7-Norm an. Einer Studie zufolge wäre dafür die nötige Technologie aber nicht so teuer – und die extremen Preiserhöhungen der Autobauer für Einstiegsmodelle in den letzten Jahren nicht gerechtfertigt.

Von 2019 bis 2023: Laut Studie Preiserhöhungen bei den Einstiegsmodellen von 41 Prozent

Laut einer Untersuchung der Umweltorganisation „Transport & Environment“ (T&E) haben sich die Preise der günstigsten Modelle der fünf größten Autohersteller Europas seit 2019 um durchschnittlich 41 Prozent erhöht. Der Peugeot 208, Seat Ibiza und Renault Twingo wurden demzufolge im genannten Zeitraum um fast 6.000 Euro teurer, die Preise für die A- und B-Klasse von Mercedes verteuerten sich um mehr als 10.000 Euro. Beim BMW 1er fiel der Anstieg mit einem Plus von knapp 2.000 Euro moderater aus.

Der Renault Twingo ist laut einer Studie zwischen 2019 und 2023 um knapp 6.000 Euro teurer geworden.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter.

Rekordgewinne der Autobauer laut Umweltorganisation auf Kosten der Verbraucher

Der Auswertung von T&E zufolge hätten die Hersteller 2022 einen Rekordgewinn von 64 Milliarden Euro erzielt – und eine Rekorddividende von 27 Milliarden Euro ausgeschüttet. Diese Rekordgewinne seien jedoch „auf Kosten der Verbraucher“ erzielt worden, weil die Preise weit über Inflationsniveau und den Kosten für Rohstoffe und andere Komponenten gestiegen seien. Trotz der hohen Gewinne hätten die Autobauer „mit aller Kraft“ gegen die nötigen Technologien für eine strenge Euro-7-Norm gekämpft, die der Umweltorganisation zufolge „nur“ 200 Euro pro Fahrzeug kosten würde. Laut dem europäischen Automobilverband ACEA (Association des Constructeurs Européens d‘Automobiles) lägen die Kosten pro Fahrzeug dagegen bei rund 2.000 Euro – also dem Zehnfachen.

Design muss sein: Zehn schöne Studien von ganz normalen Automarken

VW W12 Coupé
VW W12 Coupé: Der 600 PS starke Sportwagen wird auch als VW Nardo bezeichnet – nach dem italienischen Hochgeschwindigkeitskurs, auf dem er 2001 mit 310,99 km/h einen neuen Streckenrekord aufstellte. Später fuhr er in optimierter Version sogar 24 Stunden mit einem Durchschnittstempo von 322,89 km/h. Eine Serienfertigung des Zweisitzers mit W12-Mittelmotor wurde erwogen, kam mit Rücksicht auf die VW-Marke Lamborghini aber nicht zustande. © dpa
BMW 328 Hommage
BMW 328 Hommage: Der historische BMW 328 gilt als Rennsport-Ikone der späten 30er Jahre. 2011, zum 75. Geburtstag, stellten die Bayern eine moderne Neuinterpretation auf die Räder. Die Karosserie ist dank kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) besonders leicht und deutlich flacher als die des Originals – trotzdem ist dessen Charakter eindeutig zu erkennen. Zur Leistung des Dreiliter-Sechszylinders schwieg BMW, wahrscheinlich waren es 258 PS. © BMW
Genesis Essentia Concept
Genesis Essentia Concept: Die noch junge Edelmarke aus dem Hyundai-Konzern profiliert sich regelmäßig mit Studien. 2018 zeigte sie diesen Gran Turismo auf der New Yorker Auto Show: Das erste Elektroauto der Marke, das deren konsequenten Umstieg auf Stromer vorwegnahm. Designelemente sind in aktuellen Serienmodellen zu finden, die Karbon-Karosserie dagegen nicht. © Genesis
Ford-Studie Indigo
Ford Indigo: Spätestens, seit Ford in den 60er-Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans mehrfach Ferrari ausknockte, gelten die Amerikaner auch als Rennwagen-Spezialisten. Die Studie Indigo zeigte 1996 Design und Technologie für die 500 Meilen von Indianapolis (daher der Name: Indy go!). Motorbauer Cosworth verdoppelte einen V6 von Ford zu einem 441 PS starken V12, die von Designer Claude Lobo gestaltete Karosserie besteht aus Kohlefaser. © Ford
Škoda Vision 7S
Škoda Vision 7S: Das Konzept für einen nach Škoda-Art familiengerechten, aber schicken Elektro-SUV stammt von 2022 – für 2026 verspricht die tschechische VW-Tochter die Serienproduktion eines ähnlich aussehenden Siebensitzers. Der fünf Meter lange Wagen soll dann der erste von mehreren Stromern werden, die sich optisch klar von den braven Verbrennern unterscheiden. © Ivo Hercik/Škoda
Studie Opel Manta GSe ElektroMod
Opel Manta GSe ElektroMod: 2021 war Opel mutig – und zeigte ein 148 PS starkes Elektroauto, das trotz eher bescheidener Reichweite tatsächlich als zeitgemäße Neuauflage des Kult-Coupés durchgegangen wäre. Mittlerweile hat die Stellantis-Marke zwar bestätigt, dass der Name wiederbelebt wird, diesen wird ab 2026 aber ein SUV tragen.  © Opel
Studie Renault Air4
Mit dem Air4 will Renault das 60-jährige Jubiläum des R4 feiern. © Lionel Koretzky/TheArsenale
Studie Audi Skysphere Concept
Audi Skysphere Concept: Unter dem „Sphere“-Label hat die VW-Tochter schon mehrere Studien gezeigt, die auf ihre elektrische Zukunft hinweisen. Diese Kombination aus 4,94-Meter-Roadster und 5,19 Meter langem, autonom fahrendem Coupé mit variablem Radstand ist die spektakulärste. Sie entstand 2021 in Audis Designzentrum im kalifornischen Malibu, ihr E-Motor an der Heckachse leistet 631 PS. © Audi
Studie Citroën Oli
Citroën Oli: Die Stellantis-Marke war mal als Design-Pionier bekannt, mittlerweile musste sie diese Aufgabe an Konzernschwester DS abtreten. Was sie nicht daran hindert, 2022 mit dem Oli eine Art elektrischen Mini-Hummer vorzuführen. Der E-Motor leistet 136 PS, eine Smartphone-Halterung ersetzt den Touchscreen. Fans extrovertierter Fahrzeuge hoffen auf eine Serienfertigung des 4,20 Meter kurzen City-Hüpfers für 25.000 Euro – aber wahrscheinlich vergeblich. © Citroën
Studie Nissan IDx Freeflow
Nissan IDx Freeflow: Lange vor VW, nämlich schon 2013, präsentierten die Japaner ein Auto namens ID – allerdings mit 1,6-Liter-Verbrennungsmotor. Das kantige Design der 4,10 Meter kurzen Limousine würde aber auch heute noch gut in das elektrische Zeitalter passen. Schade, dass Nissan da etwas den Anschluss verloren hat. © Nissan

Euro-7-Norm zuletzt deutlich abgemildert

Tatsächlich sollte die von der EU-Kommission im November 2022 vorgelegte Abgasnorm Euro 7 deutlich verschärfte Grenzwerte bringen. Die Autobauer zeigten sich davon wenig begeistert, der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, die Normen seien „in kurzer Zeit kaum bis nicht erfüllbar“ und zögen deutlich höhere Kosten für die Verbraucher nach sich. Die Klagen der Autobauer hatten offenbar Erfolg: Vor kurzem stimmte der Umweltausschuss des EU-Parlaments (ENVI) für eine deutlich abgemilderte Version des Euro-7-Vorschlags der EU-Kommission.

Rubriklistenbild: © Renault

Kommentare