Konfetti-Illusion

„Trauriger Moment für Verbraucher“: Farbwissenschaftler decken Psycho-Trick im Supermarkt auf

  • schließen

Farben lösen beim Menschen eine Empfindung aus. Sie werden daher in der Verkaufspsychologie eingesetzt. Ein Trick, den sich Einzelhändler gern zunutze machen.

Kassel – Obwohl Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf gern ein paar Euro sparen, lassen sie sich durch Emotionen zum Kauf verleiten. Wer die Sinne des Menschen nutzt, kann davon durchaus profitieren. Ein großer Einkaufswagen verleitet Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel dazu, mehr einzukaufen als geplant. Denn Größe und Design des Wagens sind clever durchdacht und dieser Psycho-Trick ist nur einer von vielen beim Einkaufen in Supermärkten und Discounter. Nichts überlassen die Händler offenbar dem Zufall.

„Konfetti-Illusion“: Farbwissenschaftler decken Psycho-Trick im Supermarkt auf

Denn wer unbewusste Sinne nutzt, wie den Einsatz von Hintergrundmusik, Temperaturen und Düften – aber auch Farben – zieht Kundinnen und Kunden ohne deren Wissen das Geld aus der Tasche. Verbrauchende treffen etwa 70 Prozent ihrer Kaufentscheidungen unbewusst, erklärt Hans-Georg Häusel in seinem Buch „Brain Script – Warum Kunden kaufen!“. Dabei spricht Neuromarketing alle Sinne des Menschen an, ohne dass wir davon etwas bewusst merken. So mancher Trick ist Kundinnen und Kunden von Aldi, Lidl und Co. zwar schon seit längerem bekannt. Doch auf Farben fallen sie anscheinend weiterhin hinein.

Farbwissenschaftler decken Psycho-Trick im Supermarkt auf: „Trauriger Moment für Verbraucher.“ (Symbolbild)

Denn Farbsimulation ist ein gut erforschtes Phänomen. So verkaufen sich Früchte offenbar besser, „wenn sie in einem Netz stecken, das die Farbe von perfekten Exemplaren ihrer Sorte trägt“, erklärt Prof. Dr. Karl R. Gegenfurtner von der Universität Gießen. Dahinter stecke eine Wahrnehmungstäuschung, die als „Konfetti-Illusion“ bekannt sei. Erläutert wird dieses Phänomen im wissenschaftlichen Journal Sage am Beispiel von Orangen. Die Früchte sehen deshalb schmackhafter aus, da das Licht zwischen Netz und Orangenschale hin und her reflektiert und dies die Sättigung der Farbe erhöht.

So sei es wenig verwunderlich, dass Obst und Gemüse wie Zitronen, Zwiebeln, Zucchini und Kartoffeln in den Märkten in Netzen verpackt seien, welche die Farbe von perfekten Exemplaren hätten, so die Forschenden. Damit verbunden sei zwar „ein großes Lachen für den Farbwissenschaftler, aber auch ein trauriger Moment für den Verbraucher“, kommentiert Gegenfurtner die wissenschaftliche Erkenntnis, der über die Farbe in der Wahrnehmungspsychologie und in einigen Lebensmittel ganze Vorlesungen hält.

Händler setzen Farben bewusst ein, um Produkte gezielt an den Mann und die Frau zu bringen

Auch Verkaufspsychologe Matthias Niggehoff hat sich mit dem Einsatz von Farbe und Licht im Einzelhandel beschäftigt. Händler experimentierten viel mit Lichttönen und -farben, erklärt er gegenüber businessinsider.de. In dunklerem und wärmeren Licht fühlten sich Menschen eher wohl als in gleißendem, weißen Licht, so der Marketingexperte. Discounter wie Lidl und Aldi setzen daher auf helles, weißes Licht, „um die Kunden schnell durchzuschleusen“. Modehändlern nutzten dagegen eher dunkleres, wärmeres Licht, was sie offenbar besser in den Umkleidekabinen aussehen lasse.

Doch anscheinend findet in den Supermärkten und Discounter ein Umdenken statt, um die Kauflaune und Verweildauer der Kunden zu steigern. Das Gemüse und Obst wird daher oft grün beleuchtet. Das Fleisch in der Theke beim Metzger soll durch rote Beleuchtung frischer wirken. Und Spirituosen und billige Weine werden in Discountern sogar hell angestrahlt, was die Qualität der Produkte besser erscheinen lässt. Schließlich soll Einkaufen ein Erlebnis sein und nicht als lästiges Übel vom Verbrauchenden wahrgenommen werden.

Die Wirkung von rot, gelb, blau und grün - Farbwissenschaftler decken Psycho-Trick im Supermarkt auf

Licht- und Farbquellen lassen hervorragend nutzen, um eine bestimmte Einkaufsatmosphäre zu erzeugen. Warme Farben haben laut dem Ratgeber von ladenbau.de eine stimulierende Wirkung auf die Kundschaft. Sie animierten zum raschen Handeln und zu spontanen Impulskäufen.

So wirken Farben in Verkaufsräumen:
(Quelle: ladenbau.de)

  • Rot: aktiv, energiegeladen, impulsiv
  • Gelb: fröhlich, glücklich, anregend
  • Blau und Grün: Entspannend, beruhigend, friedfertig

Helles Grün steht zudem auch für Frische, Gesundheit, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit und wird daher gern für Bio-Produkte und nachhaltige Erzeugung eingesetzt – wie ein Blick in die Regale von Rewe, Edeka, Aldi und Lidl vor Ort immer wieder beweisen.

Farbwissenschaftler decken Psycho-Trick im Supermarkt auf - Bio-Umsätze legen zu

Der Lebensmitteleinzelhandel steigerte seine Bio-Umsätze im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro und erreichte insgesamt einen Marktanteil von 67 Prozent. Davon entfielen 40 Prozent allein auf die Discounter, teilt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft mit. Und das, obwohl die sonst so preissensiblen Verbraucherinnen und Verbraucher für Bio-Produkte tiefer in die Tasche greifen müssen als für konventionell hergestellte Lebensmittel. Das Institut der Deutschen Wirtschaft führt diesen Effekt darauf zurück, dass Bio-Produkte oft preisstabiler sind. Ob die Farbe von verpackter Bio-Ware dabei auch eine Rolle spielen könnte, wurde hingegen nicht näher beleuchtet.

Haribo, Funny Frisch, Leerdammer: Höherer Preis, weniger Inhalt – Die größten Mogelpackungen

Leerdammer Original
Beim Käse „Leerdammer Original“ schlägt die Preiserhöhung gleich doppelt zu. Das Produkt kostet nicht nur 50 Cent mehr, sondern hat auch noch 20 Gramm weniger Inhalt. Insgesamt kommt das Produkt so auf eine Preiserhöhung von 43 Prozent. Andere Produkte der Marke sind auch um bis zu 40 Prozent im Preis gestiegen. Als Hauptgrund dafür nennt das Unternehmen die stark gestiegenen Preise für Milch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Beerenmischung Gut & Günstig
Die Shrinkflation gibt es auch bei Eigenmarken. So wurde die Beerenmischung der Edeka-Marke Gut & Günstig um satte 60 Prozent teurer. Während man früher für 750 Gramm Beeren noch 2,49 Euro bezahlt hat, muss man nun 2,65 Euro für 500 Gramm bezahlen. Die Packungsgröße ist also um 250 Gramm geschrumpft – der Preis aber trotzdem gestiegen. Edeka nennt Ernteschwankungen und stark gestiegene Transportkosten als Grund. © Verbraucherzentrale Hamburg
funny-frisch ungarisch Multipack
Bei den kleinen Multipacks von Funny Frisch ist der Preis gleich geblieben. Doch in jeder Einzelpackung befinden sich zehn Gramm weniger Chips. Folgende Begründung liefert der Hersteller gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg: „Um unserem hohen Qualitätsanspruch weiterhin gerecht werden zu können, waren wir gezwungen, ab September 2022 den Kostenanstieg über eine Anpassung der Funny Frisch Chipsfrisch-Grammaturen auszugleichen. Dabei hat auch die Unsicherheit hinsichtlich der Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe, wie beispielsweise Sonnenblumenöl eine große Rolle gespielt.“ © Verbraucherzentrale Hamburg
CD Cremeseife
Die Shrinkflation betrifft nicht nur Lebensmittel. Auch bei Drogerieprodukten schrumpfen die Verpackungsgrößen. Beispielsweise bei der CD Cremeseife. Diese wiegt bei gleichem Preis nur noch 100 statt 125 Gramm und ist somit um 25 Prozent teurer geworden. © Verbraucherzentrale Hamburg
Crunchips Cheese & Onion
Nicht nur Funny Frisch hat an der Preisschraube gedreht. Auch der Snack-Produzent Lorenz hat versteckt die Preise erhöht. In der Crunchips-Packung sind jetzt 25 Gramm weniger – doch der Preis bleibt gleich. Das kommt einer Preiserhöhung von 17 Prozent gleich. Als Grund nennt der Hersteller die Kostensteigerungen. © Verbraucherzentrale Hamburg
Verpoorten Desserts
Die Firma Merl hat den Preis für ihre Verpoorten Desserts im Rahmen einer Neugestaltung der Verpackung angepasst. Das Produkt ist zwar jetzt ein wenig billiger – doch mit deutlich weniger Inhalt. Grund dafür sei laut Merl die neue nachhaltige und hochwertige Glas-Verpackung. Diese sei schließlich teurer als Plastik. © Verbraucherzentrale Hamburg
Rewe 5-Korn-Müsli
Rewe hat die Verpackung des hauseigenen 5-Korn-Müslis deutlich verkleinert. Doch trotz reduziertem Preis geht damit immer noch eine Preissteigerung von 17 Prozent einher. Als Begründung für die Veränderung erklärt der Hersteller lediglich, dass alle Wettbewerber auch nur 750-Gramm-Packungen anbieten. Daher wurde die Größe verändert. © Verbraucherzentrale Hamburg
Calgon Power Pulver
Beim Wasserenthärter von Calgon hat sich der Hersteller eines besonderen Tricks bedient. Der Preis hat sich nicht verändert – nein es sieht sogar aus, als wäre jetzt mehr enthalten. Denn auf der alten Packung war angegeben, dass mit der Menge 46 Waschladungen möglich sind. Jetzt sind es 50 Waschladungen. Was jedoch nicht deutlich gemacht wird: Bei der alten Angabe mit 46 Waschladungen handelt es sich um die Anzahl der Wäschen mit sehr hartem Wasser – bei hartem Wasser wären damit sogar 71 Wäschen möglich. Die neue Angabe mit 50 Wäschen pro Packung bezieht sich allerdings nur auf hartes Wasser. Somit fehlen mit der neuen Mogelpackung insgesamt 21 Waschgänge. © Verbraucherzentrale Hamburg
Vivil Hustenbonbons
Auch bei den Hustenbonbons der Marke Vivil gibt es mittlerweile weniger fürs Geld. Insgesamt kostet die Packung mit jetzt 120 Gramm statt zuvor 132 Gramm 17 Prozent mehr. Als Grund nennt auch dieser Hersteller die gestiegenen Produktionskosten. © Verbraucherzentrale Hamburg
Haribo Roulette
Selbst der berühmte Gummibären-Hersteller Haribo scheut sich nicht vor der Shrinkflation. Bei der Sorte Roulette wurde jetzt schlichtweg eine Rolle entfernt, wodurch die Packung nur noch 150 Gramm wiegt. Der Preis bleibt gleich. Auch diverse andere Haribo-Sorten wiegen jetzt 25 bis 10 Gramm weniger. © Verbraucherzentrale Hamburg

Doch nicht nur bei der Verpackung wird auf die passende Farbe im Lebensmittelhandel geachtet. Böden dürfen im Handel nicht rutschig aussehen, in der Brotecke muss es nach frischen Brötchen duften und auch die Farbwahl von Preisschildern spielt eine entscheidende Rolle beim Einkaufsverhalten. So ist die psychologische Wirkung von roten Schildern. (sthe)

Rubriklistenbild: © Andrew Meredith/picture alliance/dpa

Kommentare