„Gesichtserkennung nicht notwendig“

Supermarkt: Kunden ahnen nicht, was bei SB-Kassen im Verborgenen geschieht

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Ausgangs-Gates an SB-Kassen verhindern in vielen Supermärkten, dass Kunden Ware klauen. Manche von ihnen beobachten jedoch heimlich.

Vor kurzem sorgte ein TikTok-Video einer Edeka-SB-Kasse in Regensburg für Aufregung. Darin ist zu sehen, wie ein Ladendetektiv in einem Hinterzimmer jeden einzelnen Artikel sieht, den Kunden und Kundinnen an der Selbstbedienungskasse einscannen. Eine Kamera filmt sie dabei aus der Vogelperspektive. „Ich hätte nicht gedacht, dass Self-Check-Out-Kassen so krass überwacht werden“, sagt der YouTuber Tomatolix, der das Video auf TikTok hochgeladen hat.

„Es ist durchaus üblich, SB-Kassen heute stärker zu überwachen“, sagt Frank Horst BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Bei ihnen seien die Verluste im Schnitt bis zu 30 Prozent höher als an normalen Kassen. Horst betreut beim Handelsforschungsinstitut EHI seit 2015 das Thema SB-Kassen. Nur wenige Supermärkte hätten Detektive wie in Regensburg, die jede Bewegung der Kunden checken. Durchaus üblicher als Diebstahlschutz seien Ausgang-Gates.

Wer an SB-Kassen bezahlt, wird nicht selten beobachtet. Beim Kassen-System „Sesame“ durch Sensoren an der Decke.

Ausgangs-Gates an SB-Kassen: Neue Technik trackt Kunden über ihre Körperform

Der Handelsexperte Horst unterscheidet drei Sorten von Ausgangs-Gates:

  1. Die Gates öffnen sich immer automatisch
  2. Die Ausgangs-Gates öffnen sich nur mit einem bezahlten Kassenbon durch Betätigung des Kunden
  3. Die Gates öffnen sich nur für Kunden, die zuvor an einer SB-Kasse einen Zahlungsvorgang ausgelöst haben

„Das Dritte unterscheidet sich für den Kunden nicht vom Ersten“, sagt Horst. „Hierzu gibt es Technik, die das erkennt und den Kunden quasi bis zum Gate trackt.“ Er nennt als Beispiel das System „Sesame“ der Firma ITAB. In einem kurzen Video erklärt sie, wie das System mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und Sensoren an der Decke Kunden und Kundinnen im SB-Kassen-Bereich erfasst.

Das SB-Kassen-System „Sesame“ von ITAB trackt Kunden und Kundinnen anhand deren Körperform und Körpergröße – Gesichtserkennung ist deswegen nicht nötig.

Wie genau, erklärt uns Klaus Schmid, Senior Vice President von ITAB Germany: „Wir benutzen einen Sensor, der sowohl die Körpergröße als auch die Körperform erfasst und diese nur so lange speichert, wie sich eine Person im Erkennungsbereich aufhält“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. „So können wir auch erkennen, ob die Person sich bückt oder zum Beispiel einen Hut abnimmt. Eine Gesichtserkennung ist insofern nicht notwendig.“ Auch Gesichtsmasken stellen kein Hindernis dar.

Das SB-Kassen-System „Sesame“ sei derzeit in etwa 200 Einzelhandelsunternehmen im Einsatz. Nicht nur in Supermärkten, sondern auch in Baumärkten und anderen Bereichen des Einzelhandels würde diese neue Art von Ausgangs-Gate, die an den Spruch „Sesam öffne dich“ aus dem Märchen „Ali Baba und die vierzig Räuber“ erinnert, genutzt. „Auch diverse Discounter testen den Einsatz derzeit“, sagt Schmid.

Rubriklistenbild: © ITAB

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