„Nicht klauen!“

Video von SB-Kasse bei Edeka empört: „In dieser Welt will ich nicht leben“

  • schließen

Butter. Piep. Joghurt. Piep. Immer häufiger gibt es Selbstbedienungskassen in Supermärkten. Das Video einen TikTokers sorgt für Aufruhr.

„Das war’s mit den Inflationsausgleichskassen“, kommentiert ein Nutzer ein TikTok von @tomatolix, das mehr als 3,5 Millionen Menschen gesehen haben. „In dieser Welt will ich nicht leben“, schreibt ein anderer. In dem Video filmt der durch seine Selbstexperimente bekannte YouTuber Tomatolix in einer Edeka-Filiale in Regensburg einen Ladendetektiv bei der Arbeit. Der Ladendetektiv Florian sitzt an einem Schreibtisch, vor ihm ein Tablet, auf dem jeder an der Selbstbedienungskasse eingescannte Artikel eines Kunden aufploppt.

Daneben kann er auf einem großen Bildschirm die einzelnen Kunden von oben beim Scannen der Artikel beobachten. „Wenn jemand was nicht scannt, dann gebe ich meinem Kollegen an der Tür Bescheid, der hält den Kunden auf und stellt ihn zur Rede“, sagt Florian zu Tomatolix. Den erschreckt die Überwachung: „Ich hätte nicht gedacht, dass Self-Check-Out-Kassen so krass überwacht werden. Ich bin jetzt auf jeden Fall vorsichtiger mit dem ‚Vergessen‘“, sagt er.

@tomatolix

So krass werden SB-Kassen überwacht! 😳

♬ Originalton - tomatolix

Selbstbedienungskassen in Deutschland: „Wir bemerken alle zwei Jahre eine Verdopplung“

Wie verbreitet ist solch eine „krasse“ Überwachung von Selbstbedienungskassen? Wir fragen Edeka an. Der Konzern teilt uns mit, dass er das nicht beantworten könne, denn: „Unsere selbstständigen Kaufleute und Großhandlungen entscheiden eigenständig über alle unternehmerischen Fragen. Dazu gehören auch Sicherheitsmaßnahmen“, sagt eine Sprecherin BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Manche SB-Kassen bei Edeka werden ziemlich „krass“ überwacht, stellt ein TikToker bei einem Selbstexperiment fest. (Symbolbild)

Also gibt es solch eine Überwachung nicht in jedem Edeka? „Nein“, sagt Frank Horst. Er ist Experte am Handelsforschungsinstitut EHI und betreut das Thema Selbstbedienungskassen seit 2015. „Es ist durchaus üblich, SB-Kassen heute stärker zu überwachen, aber die wenigsten haben Detektive.“ Solch eine Überwachung durch einen Ladendetektiv sei sehr teuer. „Je größer die Verkaufsfläche, desto wahrscheinlicher, dass es solch eine Detektei gibt“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. Er schätzt, dass sich so eine Überwachung über alle Marken hinweg aktuell etwa 150 von 6000 Geschäften mit SB-Kassen zumindest zeitweise leisteten.

„In Deutschland gibt es immer mehr SB-Kassen. Wir bemerken alle zwei Jahre eine Verdopplung“, sagt Horst. Vor allem wegen des Personalmangels kämen Märkte heute kaum mehr ohne aus. Dieser Anstieg an SB-Kassen bedeute, dass sich auch der Bedarf an Überwachung verändere. 2015 sei es den Märkten vor allem um hohe Nutzungsraten gegangen. Heute machten SB-Kassen mit 30 bis 40 Prozent fast doppelt so viel Umsatz wie 2015, in manchen Märkten sogar bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig seien die Verluste um bis zu 30 Prozent höher.

Beim Self-Checkout einfach manche Artikel zu „vergessen“, ist bei neuen KI-SB-Kassensystemen keine gute Idee. (Symbolbild)

Was bei SB-Kassen in Supermärkten „mehr eine psychologische Hürde“ ist

Nach der Corona-Pandemie sei die Anzahl der Diebstähle in Supermärkte „extrem angestiegen“, sagt Horst. „Ab einer gewissen Größenordnung müssen die Händler mit mehr Sicherheitsmaßnahmen reagieren.“ Ein „wesentlicher Faktor“ sei die Betreuung durch Personal an der SB-Kasse, das in Hinblick auf die Manipulationsmöglichkeiten richtig geschult sei. In manchen Märkten kommen Kunden und Kundinnen nur mit bezahltem Kassenbon heraus. „Das ist aber mehr eine psychologische Hürde“, sagt der SB-Kassen-Experte.

Auch eine Kamera-Überwachung gebe es oft. Manchmal wird diese dann vom Personal im SB-Bereich geprüft. „Wenn man sich auskennt, sieht man die Kameras“, sagt Horst BuzzFeed News Deutschland. Meist seien sie 1,5 Meter über der Kasse angebracht, neue KI-Systeme arbeiteten mit bis zu drei Kameras direkt über und seitlich vom Scanner. Es werde immer mehr KI in der Überwachung von SB-Kassen eingesetzt.

In etwa 300 Märkten in Deutschland gebe es bereits SB-Kassensysteme, die mit KI lernten, das „Verhalten von Kunden zu lesen“, um Diebstähle zu erkennen, sie „schlagen Alarm“, wenn ein Produkt am Scanner vorbeigezogen werde. Bei mobilen Handscannern „macht sich eine Person verdächtig“, wenn sie 45 Minuten für drei Produkte im Laden war oder einen Artikel erst sechs Gänge weiter mit dem Handscanner storniert. „Also nicht klauen, die Gefahr entdeckt zu werden, wird immer größer!“

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

Kommentare