Irritierte Kunden

„Krasse Maßnahme“: So reagieren Rewe und Edeka auf dreiste Kunden an SB-Kassen

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Wer an der SB-Kasse bezahlt, muss oft den Kassenbeleg scannen, um den SB-Bereich zu verlassen. „Immer mehr“ Händler setzen auf solche Ausgangs-Gates.

In deutschen Supermärkten gibt es immer mehr Selbstbedienungskassen (SB-Kassen). „Wir bemerken alle zwei Jahre eine Verdopplung“, sagt Frank Horst BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er betreut das Thema Selbstbedienungskassen am Handelsforschungsinstitut EHI seit 2015. Heute würden SB-Kassen (die übrigens keine Arbeitsplätze gefährden) fast doppelt so viel Umsatz machen wie noch vor zehn Jahren, aber auch die Verluste seien höher.

Deswegen lassen sich Rewe, Aldi, Netto, Lidl, Kaufland, Edeka und Co. für die Überwachung ihrer SB-Kassen so einiges einfallen. „Ich war gestern in einem neu eröffneten Rewe, in dem man nur aus dem SB-Kassenbereich kam, wenn man seine Rechnung scannt. Immer wieder standen Kunden irritiert vor der Absperrung. Schon eine recht krasse Sicherheitsmaßnahme“, erzählt eine Rewe-Kundin BuzzFeed News Deutschland. Sind solche Ausgangs-Gates, bei denen man den Kassenbon scannen muss, üblich?

SB-Kassen: „Immer mehr solcher Ausgangs-Gates wurden nachgerüstet“

Durchaus, sagt Horst. Um es für die Mitarbeitenden einfacher, sicherer und übersichtlicher zu machen, werde der SB-Kassen-Bereich oftmals mit Ausgangs-Gates versehen. Sie seien eine „übliche Maßnahme, um den Diebstahl an SB-Kassen zu reduzieren“, sagt der EHI-Experte BuzzFeed News Deutschland. Ob sie eingesetzt würden, hänge natürlich auch „von der standortspezifischen Gefährdungslage und der Investitionsbereitschaft der Händler ab“.

Horsts persönlichen Beobachtungen zur Folge seien „bereits in den letzten Jahren immer mehr solcher Ausgangs-Gates nachgerüstet worden, da man erkannt hat, dass an SB-Kassen mehr gestohlen wird“. Diese Schranken leisteten nachweislich einen Beitrag zur Überwachung und reduzierten den Diebstahl, weshalb sie „immer häufiger fester Baustein in Loss Prevention Konzepten vieler Händler“ würden. Gleichzeitig verhinderten sie, dass Kunden den SB-Kassen-Bereich als Eingang nutzen würden.

Manche SB-Kassen werden ziemlich „krass“ überwacht, stellt ein TikToker bei einem Selbstexperiment fest. (Symbolbild)

„Psychologische Hemmschwelle“: Wie Ausgangs-Gates an SB-Kassen funktionieren

Bei Ausgangs-Gates gebe es drei Optionen: Entweder, die Gates öffneten sich immer automatisch, die Gates öffneten sich nur mit einem bezahlten Kassenbon durch Betätigung des Kunden (wie im oben beschriebenen Fall) oder die Gates öffneten sich nur für Kunden, die zuvor an einer SB-Kasse einen Zahlungsvorgang ausgelöst haben. Hierzu gebe es neue Technik, die das erkenne und den Kunden quasi bis zum SB-Kassen-Gate tracke.

Das Öffnen mit einem Kassenbon sei „primär eine psychologische Hemmschwelle“, sagt der SB-Kassen-Experte BuzzFeed News Deutschland. „Es garantiert nicht, dass alle Produkte auch bezahlt werden. Aber es verhindert, dass Kunden gänzlich ohne Bezahlung die SB-Zone verlassen.“ Kunden und Kundinnen scheinen sich daran noch zu gewöhnen.

„Diese Sch***-Bon-Scanner sind echt das Letzte“, schreibt der Nutzer @Ser_Salty auf Reddit. Den Bon im richtigen Winkel dranzuhalten, sei unmöglich, beschwert er sich. Auch @Boing78 irritiert das Ausgangs-Gate in einem Edeka, das mittels Barcode des Kassenbons geöffnet werden musste. „Unser Rewe im Ort hat keine Schranke, da ist es einfacher“, schreibt er.

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