Wenn KI die Spritpreise bestimmt: Experte fürchtet stille Absprachen
VonSebastian Oppenheimer
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Mehrere Male ändern sich täglich die Spritpreise. Auch in der Schweiz wird nun der Einsatz von KI zur Bestimmung der Preise getestet – ein Experte fürchtet stille Absprachen.
Die meisten Autofahrer dürften das Gefühl kennen: Gerade eben hat man getankt – und schon kurz darauf ist der Spritpreis wieder günstiger. In Deutschland ändern sich die Preise an den Tankstellen mehrmals am Tag: Laut ADAC betragen die Schwankungen bis neun Cent pro Liter. Besonders teuer ist Kraftstoff gegen 7 Uhr morgens, abends wird der Sprit in der Regel billiger. Inzwischen gibt es Software, die per künstlicher Intelligenz die Preise bestimmt. Auch in der Schweiz wird damit nun experimentiert, doch ein Experte warnt vor stillen Absprachen.
Eine solche Software für Tankstellen bietet beispielsweise die dänische Firma A2i an. Wie es auf der Website des Unternehmens heißt, könne das Programm mittels Kundendaten „Trends erkennen und eine dynamische, vorausschauende und kundenorientierte Preisgestaltung bereitstellen [...]“. Laut einem Bericht des SRF wird nun in der Schweiz bei der Migros-Tochter Migrol an einigen Tankstellen eine solche KI-Software getestet. Dem Unternehmen zufolge wolle man den Kunden dadurch ein gutes Angebot bieten: Mit der Software könnten Preise „effizient und attraktiv“ gestaltet werden.
KI-Einsatz zur Gestaltung der Spritpreise: Experte warnt vor stillen Absprachen
Ob die Preisgestaltung aber tatsächlich zugunsten der Kunden ausfällt, ist fraglich. Wie es in dem Beitrag weiter heißt, gebe eine Studie aus Deutschland erste Hinweise, dass KI-gestützte Software die Margen der Tankstellenbetreiber weiter vergrößere. „Die Wettbewerbsbehörden müssen anfangen zu verstehen, was hier jetzt abgeht“, sagte der Schweizer Preisüberwacher Stefan Meierhans gegenüber dem SRF. Es bestehe die Gefahr, dass über die Algorithmen der Software stille Absprachen stattfänden, die keiner beweisen könne.
Spritschleudern der Autogeschichte: 43,5 Liter auf 100 Kilometer
So teuer wie im Jahr 2022 war Tanken noch nie, wie eine ADAC-Auswertung zeigt. Laut einer Umfrage droht das Auto immer mehr zum Luxusgut zu werden: 61 Prozent der Deutschen befürchten demzufolge, sich in Zukunft kein eigenes Auto mehr leisten zu können. Vor allem die laufenden Kosten machen vielen zu schaffen: 47 Prozent der Umfrageteilnehmer beklagten, dass die Ausgaben für Sprit, Versicherungen oder Reparaturen insgesamt zu hoch seien.