Tesla als Preiskämpfer

Tesla-Konkurrenz: Sind Elektroautos aus Deutschland jetzt viel zu teuer?

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Deutsche Autos waren schon immer etwas teurer als die Konkurrenten. Bei Elektro-Fahrzeugen sind die Unterschiede derzeit besonders heftig.

Die Elektromobilität fährt auf der Überholspur, immer mehr Autokäufer wechseln von Verbrenner auf Stromer. Noch aber sind manche – vor allem ältere – Autofahrer skeptisch, was nicht zuletzt mit den hohen Preisen für BEV (battery electric vehicle) zu tun hat. Besonders die Senkung der staatlichen Förderung von bis zu 6.000 Euro auf 4.500 Euro (plus dem Hersteller-Zuschuss in halber Höhe) lässt Befürchtungen aufkommen, dass die Nachfrage einbrechen könnte.

Elektroautos aus Deutschland: Sind sie jetzt viel zu teuer?

Denn in der vergangenen Zeit hatten die Hersteller die Preise ungewöhnlich stark erhöht, auch und vor allem für Stromer. So kostet ein Audi Q4 E-tron mittlerweile mindestens 51.900 Euro – genau 10.000 Euro mehr als bei Marktstart vor zwei Jahren. Die damals günstigste Einstiegsvariante ist derzeit gar nicht bestellbar. Wie hoch der Preis des deutschen Edel-SUV ist, kann man vor allem dann einschätzen, wenn man ihn mit dem eines beliebten Konkurrenten vergleicht: dem Tesla Model Y.

Der Mercedes EQA markiert den preislichen Einstieg in das Elektro-Programm.

Für das haben die Amerikaner nämlich gerade die Preise gesenkt: Die Einstiegsversion kostet nur noch 43.990 Euro und damit 9.100 Euro weniger als kurz zuvor (eine ähnliche Senkung sorgte in China für einen Protestaufmarsch empörter Alt-Kunden). Damit dreht Tesla nach mehreren Preiserhöhungen den Aufwärtstrend um – und setzt die deutschen Hersteller gehörig unter Druck.

Elektroautos aus Deutschland: Plötzlich deutlich teurer als Tesla

Noch günstiger ist das ebenfalls begehrte Tesla Model 3 für nun 43.990 Euro. Der einzige deutsche Konkurrent der kompakten Sportlimousine, der BMW i4, ist derzeit nicht unter 56.5000 Euro zu haben. Das preiswerteste voll-elektrische Auto, das Mercedes aktuell anbietet, ist der kompakte EQA für 50.777 Euro. Einen Hyundai Kona Elektro bekommt man ab 36.400 Euro.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Auch die Armada neuer chinesischer E-Autos unterbietet die Preise der Modelle hiesiger Marken deutlich – obwohl Great Wall und Co. keinesfalls eine Billig-Strategie fahren. So ist der Ora Funky Cat (der im Crashtest als Klassenbester abschnitt) mit 38.900 Euro durchaus selbstbewusst gepreist. Der vergleichbare Kompaktstromer VW ID.3 kostet mit 43.995 Euro aber noch mal deutlich mehr.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Die Preis-Diskrepanz zwischen deutschen Modellen und Import-Marken (wobei das Tesla Model Y ja bekanntlich in Deutschland gefertigt wird) zieht sich durch alle Klassen, und ist deutlich höher, als es vor einiger Zeit noch bei Verbrenner-Modellen der Fall war. Und auch wenn Mercedes sich klar dazu bekennt, nur noch teure Modelle anbieten zu wollen: Ob das für einen Volumenhersteller die richtige Strategie für die Zukunft ist, muss sich erst noch zeigen.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG , photo by Daniel Maurer

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