VonCarolin Gehrmannschließen
Im Herbst und Winter steigt die Gefahr von Wildunfällen. Diese sind in den meisten Fällen meldepflichtig. Wer sich richtig verhält, kann sie im Idealfall ganz vermeiden.
München – Die dunkle Jahreszeit und damit auch die Zeitumstellung stehen wieder bevor. Es wird früher dunkel und dadurch steigt auch das Risiko für Wildunfälle. Besonders groß ist die Gefahr, beim Autofahren mit einem Wildtier zu kollidieren zwischen Oktober und Dezember und dann wieder im April und Mai. „Rein rechnerisch kollidiert alle zwei Minuten ein kaskoversicherter Pkw mit einem Wildtier“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Versicherer, Jörg Asmussen, laut der Nachrichtenagentur dpa.
In Herbst und Winter ist das vor allem der frühen Dunkelheit geschuldet, da Wildtiere meist mit Einbruch der Dämmerung aktiv werden. Im Frühling sind die gehäuften Kollisionen laut Deutschem Jagdverband (DJV) vor allem darauf zurückzuführen, dass Rehe den ersten Knospen nachjagen und junge Rehböcke neue Reviere suchen. Insgesamt ist die Zahl dieser Unfälle aber leicht gesunken: Im Jahr 2022 gab es etwa 265.000 von Autoversicherern gemeldete Kollisionen mit Rotwild, Wildschwein und anderen Tieren in Deutschland. Im Jahr zuvor wurden noch rund 284.000 solcher Unfälle gezählt.
Frühere Dunkelheit im Herbst und Winter führt zu mehr Wildunfällen
Jedes Jahr kommen nach Angaben des DJV mehr als eine Million Wildtiere bei Unfällen ums Leben. Als Autofahrer möchte man den Zusammenstoß mit einem Tier natürlich am liebsten vermeiden. Doch das ist nicht immer möglich. Wenn es zum Zusammenstoß kommt, ist umsichtiges Verhalten gefragt. Ein Wildtierunfall ist außerdem immer ein meldepflichtiges Ereignis.
Was alles zu Wildunfällen zählt und welche davon meldepflichtig sind
Wie der ADAC gegenüber IPPEN.MEDIA erklärt, gilt der Zusammenstoß mit sogenanntem Haarwild als Wildunfall. Dazu gehören Säugetiere mit Haartracht, wie zum Beispiel:
- Rehe und Hirsche
- Wildschweine
- Hasen
- Füchse
- Dachse
- Luchse
- Fischotter
- Murmeltiere
- Marder
- Gämsen
Andere Wildtiere wie Vögel, Kriechtiere oder Igel gehören nicht dazu, diese Unfälle müssen daher auch nicht gemeldet werden. Ist es zum Zusammenstoß mit einem meldepflichtigen Tier gekommen, geht man nach Empfehlung des ADAC folgendermaßen vor: Warnblinkanlage einschalten und die Unfallstelle korrekt absichern – auch, wenn das Tier verletzt oder geflüchtet ist, wie kürzlich ein von einem Auto getroffener Bär in Italien.
Wenn möglich, sollte das tote Tier an den Randstreifen gezogen werden, um weitere Unfälle zu vermeiden. Dabei sollte man wegen der Infektionsgefahr (Parasiten, übertragbare Krankheiten) immer Handschuhe tragen. Wenn das Tier noch lebt und verletzt ist, sollte man unbedingt Abstand halten, da es panisch reagieren und den Helfer verletzen könnte. Tote Tiere darf man unter keinen Umständen mitnehmen werden, da man sonst eine Strafe wegen Wilderei riskiert.
Wie man sich nach einem Wildunfall richtig verhält
Gibt es verletzte Personen, sollte der Notruf unter der 112 verständigt und im Bedarfsfall Erste Hilfe geleistet werden. Die Polizei muss grundsätzlich immer hinzugezogen werden, auch, wenn es keine Verletzten gibt. Anschließend sollte man am Unfallort auf das Eintreffen der Einsatzkräfte warten. In vielen Bundesländern muss zusätzlich ein Jäger oder Förster über den Wildunfall informiert werden.
„Ist der zuständige Jäger nicht bekannt, sollte dies der Polizei mitgeteilt werden. Diese weiß in der Regel, welcher Jäger zuständig ist und hat die entsprechenden Kontaktdaten“, rät der ADAC auf Anfrage von IPPEN.MEDIA. Von diesem sollte man sich auch eine Bescheinigung über den Wildschaden ausstellen lassen. Andernfalls bekommt man sie von der Polizei.
Die Wildunfall-Bescheinigung benötigt man für die Teil- oder Vollkaskoversicherung
Diese Bescheinigung ist wichtig, weil man sie als Bestätigung für die Versicherung benötigt. Die Schäden am Auto werden in der Regel von der vorhandenen Teil- oder Vollkaskoversicherung ausgeglichen – wenn sie durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden sind. Unfälle mit Vögeln werden nicht von allen Versicherungen abgedeckt.
In der Regel hat man auch keinen Anspruch auf Schadenersatz vom Jagdpächter oder Waldbesitzer, da Wild juristisch als eine herrenlose Sache angesehen wird.
Bremsen oder ausweichen – und wie man Wildunfälle möglichst vermeidet
Am besten kommt es aber erst gar nicht zu einem Zusammenstoß mit einem Tier. Einen Wildunfall vermeidet man am besten, indem man während der Dämmerung, also vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden, den Fuß vom Gas nimmt, damit man immer bremsbereit ist. Vorsichtiges und vorausschauendes Fahren ist dem ADAC zufolge der größte Sicherheitsfaktor im Hinblick auf Wildunfälle.
Wenn sich Tiere am Fahrbahnrand oder im Gebüsch befinden, sollte man bremsen oder sogar ganz anhalten, denn diese könnten unvermittelt losspringen. Dazu sollte das Fernlicht ausgeschaltet werden. Oft sind Wildtiere auch in Gruppen unterwegs. Man sollte also genau schauen, ob sich noch andere Tiere in der Nähe der Fahrbahn aufhalten.
Auf keinen Fall sollte man Ausweichmanöver unternehmen, wenn ein Zusammenprall mit einem Tier nicht mehr vermeidbar ist. Die Gefahr, in den Gegenverkehr zu geraten oder gegen einen Baum zu prallen, ist zu groß, erklärt der Auto Club Europe (ACE) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Stattdessen gelte die Devise: Lenkrad festhalten und so stark und schnell wie möglich abbremsen.
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