Wildunfall mitten in der Nacht

Nicht weit vom Gardasee: Auto rast in ausgewachsenen Bären

  • schließen

Ein Bären-Zwischenfall in Italien sorgt für Wirbel. Mitten in der Nacht ist ein Bär von einem Auto angefahren worden. Nach dem Aufprall flüchtete das Raubtier.

Vezzano – Es war mitten in der Nacht. Plötzlich sei der Bär auf der Staatsstraße von Trient zum Gardasee (Italien) aufgetaucht. Offenbar konnte der Autofahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen, berichten italienische Medien. Der Aufprall mit dem ausgewachsenen Raubtier muss heftig gewesen sein. Der Autofahrer blieb unverletzt. Obwohl der Crash erhebliche Schäden am Wagen hinterließ, machte sich der Bär auf und davon und verschwand im Wald.

Nördlich vom Gardasee: Auto rast in ausgewachsenen Bären

Nach dem Unfall mit dem Bären wurde die Feuerwehr und auch die Forstbehörde informiert. Am Unglücksort suchten die Einsatzkräfte nach dem Wildtier. Zunächst ohne Erfolg. Gleichzeitig wurden DNA-Proben genommen, um die Identität des Bären zu klären. Im Trentino leben etwa 120 Exemplare. Genetisch identifiziert sind davon laut der Forstbehörde 69 (Stand 2021). Nach dem tödlichen Angriff eines Bären auf einen Jogger im April im Trentino ist eine Debatte um das sonst scheue Raubtier in Italien entfacht.

Bär von Auto auf Staatsstraße zum Gardasee angefahren. Obwohl der Aufprall wohl heftig war, flüchtet das Raubtier in den Wald und verschwindet.

Bär taucht mitten in der Nacht auf Straße zum Gardasee auf

Der Wildunfall ereignete sich in der Nähe des Restaurants „Al Vecchio Mulino“ in Vezzano im Trentino am Dienstagabend (29. August). Das Gebiet wird laut dem italienischen Nachrichtenportal kodami.it von einer Bärin mit ihrem Jungen aufgesucht. Schon in der Vergangenheit sei es auf dem Straßenabschnitt zu Wildunfällen gekommen.

Auf der Strecke von Trient zum Gardasee ist gerade im Sommer und in der Touristensaison einiges los. Anfang Juni ist dort ein Bär am späten Abend angefahren worden. Der Bär flüchtete damals Richtung Bondone, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Mit Hunden hatten Forstbeamten das Raubtier gesucht. Auf der Motorhaube wurden Proben der Bärenspuren genommen. Im Juni irrte ein Bär durch ein Stadtzentrum am Gardasee. Ein Autofahrer filmte den Streifzug.

Nach Bären-Vorfall auf Gardasee-Strecke: Tierschützer fordern Bau von Wildkorridor

Nach dem Bären-Vorfall melden sich Tierschützer zu Wort. Die Organistaion Oipa fordert die Behörden auf, sich auf die Suche nach dem angefahrenen Bären zu begeben und falls nötig seine Verletzungen zu versorgen. Das Fehlen von Wildtier-Korridoren prangern dagegen andere an.

„Im Laufe der Jahre haben wir ein wahres Massaker erlebt: Bären, Wölfe, Huftiere, Füchse“, sagte Sprecherin Ivana Sandri von der Tierschutzorganisation Enpa Sektion-Trentino laut kodami.it.

„Die Straße, auf der sich dieser Unfall ereignete, besteht aus Feldern und Waldstücken, die bevorzugte Zugangspunkte für einen der wichtigsten Wildtierkorridore in diesem Gebiet darstellen“, so Sandri. Die Tierschützer werfen den Verantwortlichen der Provinz Trentino vor, Wildtier-Korridore zu verhindern, obwohl dadurch Wildtiere und Schäden an Fahrzeugen verhindert werden könnten.

Ein Braunbär steht auf einem Felsen im Wald. (Symbolbild)

Diskussion um Anti-Bärenspray – Pfeffersprays für Wanderer und Jogger

Stattdessen werden im Trentino Forstbeamte mit Anti-Bärenspray ausgerüstet. Auch normale Bürgerinnen und Bürger sollen in Zukunft eine solche Defensivwaffe im Wald tragen können, um im Notfall einen Bärenangriff abzuwehren. Das Anti-Bärenspray für die Förster enthält die reizende Substanz „Capsaicin“ mit einem Wirkstoffgehalt von bis zu zwei Prozent.

In einschlägigen Outdoor-Shops gibt es einige Bärensprays online für Jäger und Wanderer zu kaufen. Doch in Italien sind Anti-Bärensprays verboten und gesetzlich einer Waffe gleichgestellt. Die Ausweitung der Erlaubnis für alle halten Experten für heikel.  

„Wenn man so ein Bärenspray legalisieren würde, hätte man wahrscheinlich das Problem, dass Menschen leicht in den Besitz dieser Waffe gelangen könnten, die dann auch für Überfälle usw. eingesetzt werden könnte“, sagte Benedikt Terzer Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes dem Südtiroler Nachrichtenportal tageszeitung.it. Nach der tödlichen Bärenattacke im Frühjahr war die Nachfrage nach dem Anti-Bärenspray gestiegen.

Eine „Spontan-Umfrage“ vom Newsportal südirolnews.it gibt eine klare Meinung in Sachen Anti-Bärensprays ab. 80 Prozent der rund 5500 Teilnehmer befanden den Vorschlag demnach für gut. 20 Prozent würden eine solche Maßnahme ablehnen. Das Anti-Bärenspray könnte in falsche Hände gelangen, so die Kritik. Und nicht immer sei nur der Bär schuld. Der Mensch trage beim friedvollen Miteinander eine Verantwortung. Das klappt jedoch leider oft weniger gut, sei es aus Leichtsinn oder Unwissenheit. Wie ein Vorfall in einer italienischen Urlaubsregion verdeutlicht: Ein Bär in einem Küchenzelt erschreckt junge Pfadfinder. (ml)

Rubriklistenbild: © Screenshot Google Maps/Imago/Montage

Kommentare