Experten-Interview

Tierärztin gibt Tipps zur artgerechten Katzenhaltung – „Patienten, die nicht sprechen“

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Dr. Bettina Christian ist Tierärztin und Katzen-Expertin. In einem Interview hat sie Katzenbesitzern Tipps für die artgerechte Haltung der Stubentiger verraten.

Viele Menschen, darunter auch erfahrene Katzenbesitzer, unterliegen der Annahme, dass man bei der Haltung von Katzen nicht viel falsch machen kann. Dass sie damit jedoch auf dem Holzweg sind, weiß die Tierärztin und Katzen-Expertin Dr. Bettina Christian. Sie hat sich auf Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltenstherapie bei Katzen spezialisiert und nennt sie liebevoll „Patienten, die nicht sprechen.“

Mache man bei der Haltung Fehler, könnten Katzen verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln, darunter Angststörungen, depressive Störungen oder Hyperagression. Auch posttraumatische Stresssyndrome könne man bei den Samtpfoten durchaus beobachten. Es gebe zudem menschenbezogene Störungen oder solche, die sich auf Artgenossen beziehen, aber auch auf Geräusche oder die Umgebung. Genauso könnten Stress, Langeweile, Schmerzen, Hormon- oder Zwangsstörungen, Vernachlässigung sowie Überbehüten oder Vergiftungen laut Tiermedizinportal Auslöser für Verhaltensstörungen sein.

Im Interview mit dem Stern hat Dr. Bettina Christian nicht nur verraten, dass man Katzen ähnlich wie Hunde erziehen kann. Sondern sie gibt auch hilfreiche Tipps, was Katzeneltern zugunsten der artgerechten Haltung ihrer Lieblinge beachten sollten.

Auch gegen Langeweile – 6 Tipps für eine artgerechte Haltung

Langeweile kann laut der Tierärztin und Katzen-Expertin Dr. Bettina Christian ein Auslöser für Verhaltensstörungen sein. (Symbolbild)

Langeweile, die Überhand nimmt, könne sogar zu Depressionen führen. Manche Katzen seien dann träge, würden sich zurückziehen oder seien extrem müde. Oft könne man das sogar am Fell sehen. „Manche kriegen eine Fresssucht, andere hören auf zu fressen. Sie sind unlustig und wenig motivierbar.“ Übermäßig wildes Verhalten oder Aggressivität, aber auch die sogenannten „Manegebewegungen“ (Wiederholen der gleichen Touren), seien ein Anzeichen für zu große Langeweile. Um dieser vorzubeugen, hat Dr. Christian hilfreiche Anregungen für Katzenbesitzer parat.

  • Kratzmöglichkeiten: wie ein Kratzbaum sollten sich gegenüber der Haustür befinden. Auch, welches Material Ihre Katze gerne bekratzt oder in welcher Ausrichtung sie das tut, sollte berücksichtigt werden.
  • Futter und Wasser niemals nebeneinander stellen: Futternäpfchen sollten darüber hinaus nie aus Edelstahl, sondern immer aus Steingut sein. Optimal sei ein Trinkbrunnen, „weil viele Katzen es lieben, mit Wasser zu spielen.“
  • Füttern Sie Ihrer Katze viele kleine Portionen: über den Tag verteilt. Das hochwertige Trockenfutter erlange sie beispielsweise via Ad-Libitum Fütterung: Dabei komme die Katze zu jeder Zeit an ihr Futter, müsse es sich aber zuerst erarbeiten. Möglichkeiten dafür sei ein sogenanntes Katzenfummelbrett oder eine Pipolino-Rolle. Denn, so Dr. Christian: „Eine Katze, die nach Essen sucht, ist nicht gelangweilt.“
  • Decken Sie das Katzenklo niemals ab: Allein der strenge Geruch darin sei für Ihr Haustier schlichtweg Tierquälerei, so Christian.
  • Schaffen Sie einen Katzen-Spielplatz: Müssen Sie Ihre Katze häufig alleine lassen, denken Sie daran, Ihrer Samtpfote ausreichend Spielmöglichkeiten zu schaffen. Ein Zeitaufwand von etwa einer halben Stunde würde laut Dr. Christian bereits ausreichen: „Ein bisschen Feuchtfutter füttern, eine kleine Spieleinheit bieten. Den Pipolino füllen, zwei Kratzfummelbretter und ein paar Snacks in der Wohnung verteilen.“
  • Schaffen Sie für die Samtpfote einen Platz, an dem sie beobachten kann: „Das machen die gerne. Man sollte ein Plätzchen schaffen, von dem aus sie rausgucken kann, und wo sie viel sehen kann.“

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Eine zweite Katze gegen die Langeweile? „Überhaupt keine gute Idee“

Viele Leute kämen auf die Idee, der ersten Katze einen Artgenossen gegen die Langeweile zur Seite zu stellen. Das sei allerdings nicht immer eine gute Idee, findet zumindest die Tierärztin. „Das kann ein Supergau werden. Man kann zwei Katzen zusammen halten. Das kann gutgehen, muss aber nicht.“

Anders sieht das die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Artland. Hier gibt man Katzenhaltern einen wertvollen Tipp: „Ausprobieren und genau beobachten! Ein geselliger Typ sollte nicht zu einem Einzelgänger ziehen. Katze und Katze versteht sich oft besser als Kater und Katze, oder Kater und Kater. Ebenso sind Katzen, die als Kitten lange bei der Mutter und ihren Geschwistern waren oft sozialer als solche, die früh (und das heißt auch schon mit einem Alter von 8 Wochen) getrennt wurden.“ Im Normalfall würden Katzen deutliche Anzeichen geben, sollte ihnen etwas nicht passen – der Mensch müsse diese nur erkennen.

Cat-tastisch: 13 verrückte Superkräfte, die nur Katzen besitzen

Eine rote Katze sitzt unter einer Bank, während es regnet.
Mehr als nur ein Mythos: Katzen können das Wetter vorhersagen. Und nicht nur das: Mit empfindlichen Tastsensoren sind sie in der Lage, selbst schwache Vibrationen und Erschütterungen wahrzunehmen und können damit sogar Gewitter oder Erdbeben vorhersehen. Sensible Wärmerezeptoren und weitere Biomechanismen, die noch wissenschaftlich erforscht werden, verleihen den Samtpfoten außerdem die Gabe, Wetterveränderungen vorherzusagen, so Geo. An ihrem Verhalten können Menschen das bevorstehende Wetter ablesen: Steht gutes Wetter bevor, putzen sich Katzen beispielsweise vermehrt. Suchen sie bevorzugt das Haus auf, ist mit einer Regenperiode zu rechnen. Schläft die Katze tief und fest oder zeigt beim Schlafen ihren Bauch, könnte es warm werden. Steht ein Gewitter bevor, spüren Katzen die elektrische Ladung und lecken sich häufiger. © YAY Images/Imago
Eine Katze hat ihren Mund leicht geöffnet und lässt die Zunge heraushängen.
Katzen schmecken mithilfe eines zusätzlichen Organs Gerüche. Haben Sie sich schon mal gefragt, weshalb Ihrer Katze manchmal grundlos der Mund offensteht? Das sogenannte Flehmen, bei dem Katzen ihren Mund öffnen, hilft ihnen, interessante Gerüche zu analysieren, indem sie Geruchs- und Geschmackssinn kombinieren. Dies geschieht durch das Jacobson-Organ, das sich hinter den oberen Schneidezähnen befindet. © YAY Images/Imago
Eine rote Katze miaut.
Katzen miauen für Menschen. Kommunizieren sie mit Artgenossen, spielt das Miauen eine untergeordnete Rolle. Wenn sie sich aber mit Zweibeinern verständigen wollen, benutzen sie dafür häufig einzigartige Laute und Gesten. Nach einer Weile wissen sie genau, welche Tonlage sie anstimmen müssen, um das zu bekommen, was sie wollen. Meist wissen Katzenbesitzer bereits Bescheid, was die Mieze ihnen mitteilen möchte. © agefotostock/Imago
Eine graue Hauskatze balanciert auf einem Gartenzaun.
Die Samtpfoten sind Meister des Balancierens: Dank ihres ausgeklügelten Gleichgewichtssystems klettern, balancieren und springen sie äußerst anmutig und geschickt, selbst auf schmalen Gegenständen und meistern Hürden gezielt mit höchster Eleganz. © blickwinkel/Imago
Nahaufnahme eines Katzenohrs
Geht es um das Gehör, übertrumpfen Katzen nicht nur Menschen, sondern auch Hunde. Mit ihren extrem sensiblen Ohren nehmen sie hochfrequente Geräusche wahr, darunter Töne mit bis zu 100.000 Schwingungen pro Sekunde und sogar Ultraschalllaute. Menschen (etwa 20.000 Schwingungen pro Sekunde) können diese Geräusche schlichtweg nicht hören. Im Vergleich dazu hören Hunde etwa 35.000-40.000 Schwingungen pro Sekunde.  © Panthermedia/Imago
Eine Katze sitzt vor dem Sofa im Wohnzimmer auf dem Teppich und blickt in die Kamera.
Katzen sind viel intelligenter als die meisten annehmen. Das zeigt ein Blick auf ihr Namensgedächtnis. Eine japanische Studie belegt, dass Katzen nicht nur ihren eigenen Namen und die Namen ihrer Besitzer kennen, sondern auch, dass sie sich die Namen ihrer Artgenossen merken können. © Zoonar/Imago
Eine Hauskatze springt aus dem Stand hoch.
Ein Katzensprung für die Katze: Dank ihrer kräftigen Hinterbeine, dem elastischen Bindegewebe und dem besonders flexiblen Körperbau springen gesunde und fitte Samtpfoten etwa das Fünf- bis Sechsfache ihrer eigenen Körperlänge mit Leichtigkeit – das bedeutet etwa zwei Meter aus dem Stand. Der Vergleich zum Menschen verblüfft: Der Rekordhalter im Hochsprung übersprang seine eigene Körpergröße um gerade einmal 52 Zentimeter. © Anka Agency International/Imago
Eine Katze bei Nacht mit großen, schwarzen Pupillen.
Katzen sehen auch bei sehr schwachem Licht. Nicht umsonst sind sie von Natur aus nachtaktiv und gehen bevorzugt in der Dämmerung auf die Jagd. Das Geheimnis hinter ihrer ausgezeichneten Sehfähigkeit ist die erhöhte Anzahl an Stäbchen auf ihrer Netzhaut. Fakt ist jedoch, dass Katzen sich bei völliger Dunkelheit ebenfalls mit der Wahrnehmung schwertun. © Panthermedia/Imago
Eine schwarz-weiße, junge Katze fällt.
Katzen landen meistens auf ihren Pfoten und überstehen Stürze aus großer Höhe in der Regel gut. Zudem gelingt es ihnen mit dem Schwanz, die Fallgeschwindigkeit zu minimieren. Das verschafft der Katze die Zeit, um zuerst den Oberkörper, den Kopf und dann das Hinterteil zu drehen. So dreht sie ihre Beine blitzschnell in Richtung des Bodens. Diese Eigenschaft wird auch Dreh-, Stell- oder Aufrichtreflex genannt und ist einzigartig. Dennoch können auch, gerade bei übergewichtigen Katzen, lebensbedrohliche Verletzungen entstehen. Bringen Sie Ihre Katze nach einem Sturz aus großer Höhe unverzüglich zum Tierarzt. © agefotostock/Imago
Ein Kätzchen ist kurz davor, durch einen weißen Holzzaun zu schlüpfen.
In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos von Katzen, die sich im Sofaschlitz verkriechen, sich in Goldfischgläser pressen oder sich einfach unbedingt unter dem Gartenzaun hindurchquetschen müssen. Mit ihren gelenkigen Körpern kommen Katzen fast überall hin, wo sie hin möchten. Doch wie schaffen die Miezen das eigentlich? Der Grund für die schier unglaubliche Beweglichkeit ist ihre einzigartige Skelettstruktur: Sie besitzen kein Schlüsselbein, dafür jedoch ein sehr flexibles Rückgrat mit 30 Wirbeln. Ihre Gliedmaßen sind allein durch Bänder und Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, was ihnen den erstaunlichen Bewegungsspielraum ermöglicht. © blickwinkel/Imago
Eine Hauskatze putzt sich die Pfote.
Reinlicher als jedes andere Tier und vermutlich auch als Menschen? Genau das lässt die Wissenschaft verlauten, wenn es um die auf Sauberkeit bedachten Samtpfoten geht. Mit ihrem eigenen Speichel putzen sie sich mehrmals täglich. Dabei sind Aufbau und Funktion einer jeden Katzenzunge einzigartig. Wer schon einmal von einer Katze abgeleckt wurde, weiß, dass sie einem Schmirgelpapier gleicht. Der Grund dafür sind winzige Stacheln, sogenannte Fadenpapillen, die aus nach hinten gebogenen Zähnchen aus Horn bestehen. Neben der Nahrungsaufnahme hat die Zunge für die Fellpflege die größte Bedeutung: Mithilfe der winzigen Zähne können Katzen ihre Zunge als eine Art Kamm einsetzen. © blickwinkel/Imago
Eine Katze kuschelt sich auf einer Decke ein und streckt ihre Beine von sich.
Das Schnurren von Katzen sei „eines der nur zum Teil geklärten Rätsel der Wissenschaft“, so Spektrum der Wissenschaft. Was feststeht ist, dass Katzen nicht nur Menschen, sondern auch sich selbst auf bestimmten Frequenzen therapieren und beruhigen können. Zudem erfüllt das Schnurren der Mieze den Zweck, ihr Wohlgefühl nach außen zu tragen. Experten gehen davon aus, dass durch die Vibration ein komplexer Selbstheilungsmechanismus in Gang gesetzt wird. Übrigens: Katzenjunge benötigen erst einige Tage an Übung, um schnurren zu können wie die Großen. © imagebroker/Imago
Eine junge Katze klettert an einem Holz empor.
Dank ihrer scharfen Vorderkrallen sind Katzen wahre Meister des Kletterns. Mühelos erklimmen sie damit die höchsten Baumkronen. Der Weg nach unten gestaltet sich da schon schwieriger. Aber machen Sie der Mieze erst einmal ihre Kletterkünste nach … © Panthermedia/Imago

Selbst verwandtschaftliche Beziehungen würden keine Rolle spielen. Viel eher spielt es „eine Rolle, wie sie daran gewöhnt sind, wie ihre genetische Ausstattung und das Sozialverhalten sind – und wie viel Futter da ist“, so die Katzen-Expertin gegenüber dem Stern. „Wenn Sie zwei Katzen haben, die sich lieb haben, die aneinander gewöhnt sind, die sich schätzen – dann ist es natürlich toll.“ Nehme man hingegen zwei Katzen in dem Glauben, dass sie einander die Einsamkeit oder Langeweile erträglicher machen, sei eine solche Entscheidung „Unsinn“.

Wussten Sie, was es bedeutet, wenn Ihr Stubentiger Sie anblinzelt? Wie Sie Ihrer Katze außerdem Ihre Zuneigung zeigen können, darüber lesen Sie hier mehr.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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