VonLisa Gilzschließen
Wer günstig in den Urlaub fahren möchte, kann das trotz Inflation, sagt eine Expertin. Sogar in Ländern mit hoher Teuerung – wie etwa Kroatien.
Rund 68 Millionen Urlaubsreisen, die länger als fünf Tage dauern, machen die Deutschen jährlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Deutschen Reiseverbands (DRV). Beliebteste Ziele sind Deutschland, Spanien, Italien und die Türkei. Dabei machen sich immer mehr Urlauber Sorgen um ihr Reisebudget – so das Fazit der ADAC Tourismusstudie 2025. Bleibt Schnäppchen-Urlaub in Zeiten von steigenden Preisen ein Traum?
„Ich denke, dass es in Europa auf jeden Fall noch möglich ist, günstig Urlaub zu machen“, sagt Anna Burton. Sie ist Expertin für Tourismus- und Freizeitökonomie am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung und sagt: Trotz Inflation in vielen Zielländern könnten Urlauber mehrere Faktoren zu ihren Gunsten nutzen, um bezahlbaren Urlaub zu machen.
Expertin gibt Urlaubs-Tipps: „Lieber von Dienstag bis Dienstag buchen oder keine ganze Woche bleiben“
„Die Vor- beziehungsweise Nachsaison ist in der Regel günstiger als die Hauptsaison“, sagt Burton. Im Sommer bedeute das, nicht im Juli oder August zu verreisen. „Es lohnt sich durchaus, in Randzeiten in Urlaub zu fahren, wenn es denn möglich ist.“
Der August und vor allem der Anfang dieses Monats seien die Zeit, in der die meisten Reisen stattfänden, und damit oft besonders teuer, so die Ökonomin. Günstigere Angebote bekämen Urlauber auch, wenn sie mit den Urlaubstagen flexibel seien. Die Expertin rät: „Anstatt etwa von Samstag bis Samstag lieber von Dienstag bis Dienstag buchen oder keine ganze Woche bleiben.“
Auch, wenn vielleicht viele Reise-Influencer und der halbe Bekanntenkreis an einem Urlaubsort waren und davon schwärmen, lohnt es sich, in derselben Region nach vergleichbaren Zielen zu schauen, die noch nicht so bekannt sind. „Es gibt in den meisten Ländern sehr touristische Orte, die tendenziell höhere Preise durchsetzen können als andere, weniger bekannte, die aber oft genauso schön sind“, sagt Burton.
Inflation belastet die Urlaubskassen – doch es gibt Ausnahmen
Ein weiterer Faktor sei die Wahl der Unterkunft. „Hotels mit all inclusive oder Vollpensionsangebote sind meistens teurer als Ferienwohnungen mit Selbstversorgung. Vor Ort kann man zudem Geld sparen, wenn man zum Beispiel statt mit dem Mietauto mit dem öffentlichen Bus seine Tagesausflüge macht“, erklärt Burton.
Laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen gaben volljährige Urlauber im vergangenen Jahr pro Tag durchschnittlich 122 Euro aus. Damit lägen die Tageskosten „weiterhin deutlich über dem Niveau von 2014 (89 Euro)“. Eine vierköpfige Familie musste 2024 für sieben Tage Urlaub je nach Reiseziel ein bis zwei Monatsgehälter investieren.
Ein Problem bleibt die Inflation – allerdings nicht überall. Im Mai 2024 hatte diese in der EU noch bei 2,6 Prozent gelegen, im Mai 2025 ist sie auf 1,9 Prozent zurückgegangen. Im Ländervergleich sticht im Vergleich zum Vorjahr etwa Frankreich heraus. Dort liegt die Inflationsrate aktuell bei 0,6 Prozent – 2024 lag sie noch zwei Prozentpunkte darüber. Auch in Zypern ist die jährliche Inflationsrate von drei Prozent auf 0,4 Prozent gesunken.
Urlaub in Kroatien: Trotz hoher Inflation noch immer bezahlbar
Wesentlich gestiegen ist sie hingegen in Ländern, die an Russland angrenzen. Zum Beispiel in Lettland, von null auf 3,7 Prozent, oder in Finnland, von 0,4 auf zwei Prozent. Unverändert überdurchschnittlich hoch ist die Inflationsrate in Urlaubsländern wie Kroatien (4,3 Prozent) und Griechenland (3,3 Prozent).
Ob der Urlaub in diesen Ländern allein aufgrund der Inflation teurer wird? „Wenn wir die Preise von unterschiedlichen Urlaubsländern vergleichen, spielen die Inflationsraten natürlich eine Rolle, entscheidend ist jedoch vor allem das Preisniveau. Das sagt dabei viel mehr darüber aus, wie viel man sich im Urlaub leisten kann und wie teuer oder günstig ein Land für Urlauber:innen ist“, sagt Tourismus-Expertin Burton. „Trotz der Inflation in Kroatien zum Beispiel liegt das Preisniveau in dem Land unter dem europäischen Durchschnitt.“
Rubriklistenbild: © Imago

