VonKirsten Lemkeschließen
Wer sich bei sommerlichen Temperaturen in den Sattel schwingt, sollte es möglichst ruhig angehen lassen. Denn Pferde sind hitzeanfälliger als viele vermuten.
Reiten macht den meisten im Sommer einfach mehr Spaß als im Winter. Allerdings ist bei sommerlichen Trainingseinheiten Vorsicht geboten. Denn Pferde sind viel hitzeempfindlicher als häufig angenommen und überhitzen schnell. Kanadische Forscher der University of Guelph haben herausgefunden, dass Pferde zehnmal schneller überhitzen als Menschen. „Es braucht nur 17 Minuten moderates Training an einem heißen, schwülen Tag, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf ein gefährliches Level zu steigern“, zitiert die Universität ihren Tier- und Sportphysiologen Prof. Dr. Lindinger.
Pferde überhitzen schnell – warum das so gefährlich ist
Eine Überhitzung des Tieres kann gravierende Folgen haben: Steigt die Körpertemperatur eines Pferdes von den normalen 37 bis 38 Grad Celsius auf beispielsweise 41 Grad Celsius, kann die Temperatur in den arbeitenden Muskeln bis zu 43 Grad Celsius betragen – ein Wert, der die Proteine in den Muskeln zerstört. Das wiederum kann Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen nach sich ziehen. Dass Pferde anfälliger für Hitze sind, liegt daran, dass sie einen höheren Anteil aktiver Muskeln haben, die Wärme produzieren. Außerdem schwitzen Pferde viel – bis zu 30 Liter in der Stunde bei Anstrengung und Hitze – was einen großen Flüssigkeits- und Elektrolyt-Verlust bedeutet. So kühlen sich andere Haustiere im Sommer bei Hitze ab.
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Pferde brauchen auch bei Hitze Bewegung
Ist das Pferd fit und gesund, kann es auch bei Hitze geritten werden. Zu anstrengend darf es allerdings nicht werden. Wer nicht auf das Training verzichten kann, sollte dies bestenfalls in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen und es nicht übertreiben. Gefährlicher sind hohe Temperaturen für weniger trainierte Freizeitpferde, die dann plötzlich Leistung bringen müssen, zum Beispiel auf einem Turnier. Bei zu starker Belastung und Hitze kann das Pferd einen Hitzschlag bekommen. Dabei wird das Tier taumelig und schwach, hinzu kommen kolikartige Symptome. Das ist immer ein Fall für den Tierarzt. Deshalb sollten alte oder wenig trainierte Pferde an heißen Sommertagen hauptsächlich im Schritt und im Schatten bewegt werden, zum Beispiel bei einem gemütlichen Spaziergang im Wald. Denn auch an heißen Tagen brauchen Pferde Bewegung. Mit diesen sieben Tipps kann jeder Reiten lernen.
Cool down und Abkühlung sind wichtig – gehen Sie schonend vor
Reiter sollten zudem Wert auf eine ausreichende Cool Down-Phase legen, das schweißtreibende Training also nicht abrupt beenden, sondern das Pferd zunächst locker austraben lassen und lange Schritt reiten, sodass Atmung und Puls sich beruhigen können. Nach dem Training duschen viele Reiter ihr Pferd ab. Auch hier sollte man schonend vorgehen und den kalten Wasserstrahl nicht direkt auf den Pferdekörper richten, sondern langsam bei den Hinterbeinen beginnen und sich Stück für Stück weiter nach oben und vorne in Richtung Herz arbeiten. Andernfalls ist die Belastung für das Herz-Kreislaufsystem zu groß.
Angenehmer für das Pferd ist es jedoch, wenn man bereits vor dem Training Wasser in einen Eimer füllt und dies von der Sonne aufwärmen lässt. Das aufgewärmte Wasser lässt sich mit einem Schwamm gut über den Pferdekörper verteilen und erspart dem Vierbeiner den Kälteschock. Den optimalen Kühlungseffekt erzielt man, wenn man überschüssiges Wasser danach mit einem Schweißmesser abzieht. Hier finden Sie fünf Tipps zum Tränken und Kühlen von Pferden im Hochsommer.
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Achtung: Hitzestau im Anhänger und unter Fliegendecken
An heißen Tagen sollten Pferde nicht zu lange auf dem Anhänger stehen, beispielsweise auf dem Turnier. Diese heizen schnell auf und sind häufig nicht gut belüftet – eine große Belastung für das Pferd. Außerdem staut sich Hitze unter Fliegendecken oder dem Beinschutz, was das Pferd zusätzlich aufheizt. Deshalb sollten Reiter für ihre Pferde bei Hitze nur das nötigste Equipment nutzen. Auch auf der Weide oder im Auslauf brauchen Pferde unbedingt Schattenspender wie einen Unterstand oder Bäume und ausreichend sauberes Trinkwasser.
Es ist also keine Tierquälerei, wenn ein Reiter sich an einem heißen Sommertag in den Sattel schwingt. Allerdings sollte das Training nicht zu anstrengend sein und dem Fitnesslevel des Pferdes angepasst sein. Wer nicht zwingend trainieren muss, sollte es lieber ruhig angehen lassen und seinem Pferd zum Beispiel mit einem Ausflug an den See eine wohltuende Abkühlung verschaffen.
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