Training im Sommer

Pferde bei Hitze reiten: in Ordnung oder lebensgefährlich?

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Wer sich bei sommerlichen Temperaturen in den Sattel schwingt, sollte es möglichst ruhig angehen lassen. Denn Pferde sind hitzeanfälliger als viele vermuten.

Reiten macht den meisten im Sommer einfach mehr Spaß als im Winter. Allerdings ist bei sommerlichen Trainingseinheiten Vorsicht geboten. Denn Pferde sind viel hitzeempfindlicher als häufig angenommen und überhitzen schnell. Kanadische Forscher der University of Guelph haben herausgefunden, dass Pferde zehnmal schneller überhitzen als Menschen. „Es braucht nur 17 Minuten moderates Training an einem heißen, schwülen Tag, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf ein gefährliches Level zu steigern“, zitiert die Universität ihren Tier- und Sportphysiologen Prof. Dr. Lindinger.

Ist das Pferd gut trainiert, kann es auch bei sommerlichen Temperaturen geritten werden. Allerdings sollte man es nicht übertreiben. (Symbolbild)

Pferde überhitzen schnell – warum das so gefährlich ist

Eine Überhitzung des Tieres kann gravierende Folgen haben: Steigt die Körpertemperatur eines Pferdes von den normalen 37 bis 38 Grad Celsius auf beispielsweise 41 Grad Celsius, kann die Temperatur in den arbeitenden Muskeln bis zu 43 Grad Celsius betragen – ein Wert, der die Proteine in den Muskeln zerstört. Das wiederum kann Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen nach sich ziehen. Dass Pferde anfälliger für Hitze sind, liegt daran, dass sie einen höheren Anteil aktiver Muskeln haben, die Wärme produzieren. Außerdem schwitzen Pferde viel – bis zu 30 Liter in der Stunde bei Anstrengung und Hitze – was einen großen Flüssigkeits- und Elektrolyt-Verlust bedeutet. So kühlen sich andere Haustiere im Sommer bei Hitze ab.

Sanftmütige Begleiter: Diese zehn Pferderassen eignen sich für Reitanfänger

Haflinger
Haflinger sind die wohl bekannteste Pferderasse. Sie sind robust, vielseitig und haben ein sanftes Temperament. Aufgrund ihres freundlichen und umgänglichen Wesens eignen sie sich besonders gut für Reitanfänger. © IMAGO
Deutsches Reitpony
Der Name sagt es schon: Das Deutsche Reitpony ist ein idealer Reitbegleiter. Hauptsächlich wurde diese Rasse als Turnierpferd für Kinder und Jugendliche gezüchtet. Deutsche Reitponys sind geduldig, zuverlässig und lernwillig. Dank ihres sanften Charakters können sie auch als Therapiepferde genutzt werden. © IMAGO
Shetlandpony
Klein, aber robust: Shetland-Ponys eignen sich hervorragend für Kinder und Jugendliche, die mit dem Reiten anfangen. Tatsächlich können sie auch leichte Erwachsene tragen, denn trotz ihrer geringen Körpergröße sind Shetland-Ponys sehr stark. © Ade Zech/IMAGO
Zwei Island-Pferde
Island-Pferde zeichnen sich durch ihre besondere Gangart, den Tölt, aus. Dabei berühren drei Beine gleichzeitig den Boden. Dadurch sitzen Reiter noch fester im Sattel und können problemlos auch längere Strecken reiten. © Pablo Menendez/IMAGO
Noriker steht auf einer grünen Wiese.
Als Reitanfänger können schnell mal Fehler passieren. Dann ist es gut, dass Rassen wie der Noriker entspannt reagieren. Das Kaltblutpferd gilt als kräftig, gutmütig und ausgeglichen. © Imago
Welsh Cob
Der Welsh Cob ist ein vielseitiges Pony, das sowohl für Freizeit- als auch für Sportzwecke genutzt werden kann. Die Rasse beeindruckt mit ihrem imposanten und muskulösen Aussehen. Charakterlich kann der Welsh Cob mit seiner Geduld und Freundlichkeit punkten. © IMAGO
Fjordpferd auf einer Wiese
Gutmütig, kinderlieb, ruhig: Diese Attribute machen das Fjordpferd zum idealen ersten Reitbegleiter. Die Rasse stammt aus den westlichen Küstengebieten Norwegens und ist bekannt für ihre Trittsicherheit und Robustheit. Außerdem lernen die intelligenten Skandinavier schnell. © G. Lacz/Imago
Quarter Horse
Das Quarter Horse ist eine amerikanische Farm- und Western-Rasse. Doch nicht nur im Westernreiten brilliert dieses Pferd, es kann auch im Dressur- und Springsport eingesetzt werden. Aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe und umgänglichen Art kommt das Quarter Horse auch für Reitanfänger infrage. © IMAGO
Morgan Horse
Eine weitere beliebte Pferderasse aus den USA ist das Morgan Horse. Halter wissen vor allem den Arbeitswillen und die Zuverlässigkeit der Morgan-Pferde zu schätzen. Aufgrund ihrer Sanftmütigkeit sind sie außerdem gute Therapiepferde. © IMAGO
Connemara-Pony
Connemara Ponys gelten als robust, freundlich und intelligent. Die irische Rasse ist auch in hohen Lagen trittsicher unterwegs. Ihr genügsamer und ruhiger Charakter macht sie zum idealen Pferd für Reitanfänger. © G. Lacz/IMAGO

Pferde brauchen auch bei Hitze Bewegung

Ist das Pferd fit und gesund, kann es auch bei Hitze geritten werden. Zu anstrengend darf es allerdings nicht werden. Wer nicht auf das Training verzichten kann, sollte dies bestenfalls in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen und es nicht übertreiben. Gefährlicher sind hohe Temperaturen für weniger trainierte Freizeitpferde, die dann plötzlich Leistung bringen müssen, zum Beispiel auf einem Turnier. Bei zu starker Belastung und Hitze kann das Pferd einen Hitzschlag bekommen. Dabei wird das Tier taumelig und schwach, hinzu kommen kolikartige Symptome. Das ist immer ein Fall für den Tierarzt. Deshalb sollten alte oder wenig trainierte Pferde an heißen Sommertagen hauptsächlich im Schritt und im Schatten bewegt werden, zum Beispiel bei einem gemütlichen Spaziergang im Wald. Denn auch an heißen Tagen brauchen Pferde Bewegung. Mit diesen sieben Tipps kann jeder Reiten lernen.

Cool down und Abkühlung sind wichtig – gehen Sie schonend vor

Reiter sollten zudem Wert auf eine ausreichende Cool Down-Phase legen, das schweißtreibende Training also nicht abrupt beenden, sondern das Pferd zunächst locker austraben lassen und lange Schritt reiten, sodass Atmung und Puls sich beruhigen können. Nach dem Training duschen viele Reiter ihr Pferd ab. Auch hier sollte man schonend vorgehen und den kalten Wasserstrahl nicht direkt auf den Pferdekörper richten, sondern langsam bei den Hinterbeinen beginnen und sich Stück für Stück weiter nach oben und vorne in Richtung Herz arbeiten. Andernfalls ist die Belastung für das Herz-Kreislaufsystem zu groß.

Angenehmer für das Pferd ist es jedoch, wenn man bereits vor dem Training Wasser in einen Eimer füllt und dies von der Sonne aufwärmen lässt. Das aufgewärmte Wasser lässt sich mit einem Schwamm gut über den Pferdekörper verteilen und erspart dem Vierbeiner den Kälteschock. Den optimalen Kühlungseffekt erzielt man, wenn man überschüssiges Wasser danach mit einem Schweißmesser abzieht. Hier finden Sie fünf Tipps zum Tränken und Kühlen von Pferden im Hochsommer.

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Achtung: Hitzestau im Anhänger und unter Fliegendecken

An heißen Tagen sollten Pferde nicht zu lange auf dem Anhänger stehen, beispielsweise auf dem Turnier. Diese heizen schnell auf und sind häufig nicht gut belüftet – eine große Belastung für das Pferd. Außerdem staut sich Hitze unter Fliegendecken oder dem Beinschutz, was das Pferd zusätzlich aufheizt. Deshalb sollten Reiter für ihre Pferde bei Hitze nur das nötigste Equipment nutzen. Auch auf der Weide oder im Auslauf brauchen Pferde unbedingt Schattenspender wie einen Unterstand oder Bäume und ausreichend sauberes Trinkwasser.

Es ist also keine Tierquälerei, wenn ein Reiter sich an einem heißen Sommertag in den Sattel schwingt. Allerdings sollte das Training nicht zu anstrengend sein und dem Fitnesslevel des Pferdes angepasst sein. Wer nicht zwingend trainieren muss, sollte es lieber ruhig angehen lassen und seinem Pferd zum Beispiel mit einem Ausflug an den See eine wohltuende Abkühlung verschaffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Dreamstime

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