VonKilian Bäumlschließen
Sechs Curry-Pulver werden unter die Lupe genommen, das Test-Ergebnis: Das beste Produkt kostet nicht einmal ein Fünftel des teuersten.
Kassel – Curry-Pulver gehört längst zum kleinen Einmaleins der Gewürze. Anbieter gibt es viele, doch wer bietet das beste Pulver? In der WDR-Sendung Markt wurden sechs unterschiedliche Produkte getestet. Auch wenn alle von ihnen aus den Hauptbestandteilen Kurkuma, Koriander und Bockshornkleesamen bestehen, gibt es vor allem im Preis starke Unterschiede – das teuerste Produkt kostet mehr als fünfmal so viel wie das günstigste. Bei Gerichten gehen die Preise ebenfalls stark auseinander, auf Norderney kostet eine Currywurst sogar 34 Euro.
Curry-Pulver im Test: Das sind die Produkte
Für den Test wurden die Pulver auf ihre Inhaltsstoffe untersucht und geschmacklich von einer Jury bewertet. Diese Produkte befanden sich im Test:
| Hersteller | Preis auf 100 Gramm Curry-Pulver |
|---|---|
| Ja! | 1,76 Euro |
| Netto | 1,76 Euro |
| Hartkorn | 5,58 Euro |
| Fuchs | 7,98 Euro |
| Just Spices | 9,98 Euro |
| Ankerkraut | 9,98 Euro |
Curry-Pulver werden im Geschmackstest abgestraft: „Ein bisschen wie ein Maggi-Zusatz“
Für den Geschmackstest bewerteten drei Testpersonen das Pulver und probierten ein typisch indisches Curry-Gericht, das mit dem jeweiligen Curry-Pulver zubereitet wurde. Dabei konnten die meisten Produkte nicht überzeugen. „Ich würde nicht sagen, dass das ein klassisches Curry-Gewürz ist“, sagte einer der Tester über das Curry-Pulver von Fuchs. Auch Hartkorn wird von den Testern hart abgestraft. „Ein bisschen wie ein Maggi-Zusatz, finde ich“, kritisierte ein Tester, zudem sei es zu penetrant im Geschmack.
Auch das Curry-Pulver von Netto kann keinen der Tester überzeugen. „Das schmeckt extrem fad“, finden die Tester, „langweilig einfach.“ Auch nicht viel besser schneiden die teuren Produkte ab.
Mittelmäßig bis okay – günstiges Curry-Pulver wird von allen Testern am besten bewertet
„Es schmeckt zwar etwas würziger, aber man hat immer noch diese Erinnerung an Gemüsebrühe“, beurteilt ein Tester das Curry-Pulver von Just Spices. Es habe keine klassischen Curry-Aromen und sei sehr an den europäischen Gaumen angepasst. Ähnlich wird auch das Produkt von Ankerkraut bemängelt, ein Tester befindet: „Meiner Meinung nach schmeckt es zwar am Anfang intensiv, aber leider nicht gut.“
Lediglich das Produkt von der Rewe-Eigenmarke „Ja!“ finden alle drei Testpersonen in Ordnung – eins der günstigsten beiden Produkte. „Das ist das Erste, was wirklich exotisch schmeckt“ erklärt ein Tester.
Auch die Inhaltsstoffe der Curry-Pulver schneiden nicht sonderlich gut ab
Der Geschmack ist jedoch nicht das einzige Kriterium der Curry-Pulver, die Zutaten standen ebenfalls aus dem Prüfstand. Ähnlich mau wie der Geschmackstest fiel jedoch auch die Wertung über die Inhaltsstoffe der getesteten Curry-Pulver aus. Zwar wurde in keinem Produkt Schimmelpilzgift gefunden, dafür aber Spuren von Pestiziden – auch solche, die nicht in der EU zugelassen sind. Das liegt daran, dass ein EU-Verbot nicht bedeutet, dass Stoffe im Anbauland unzulässig sind. Die Verbraucherzentrale warnt deshalb sogar Urlauber davor, Gewürze von ihren Reisen mitzubringen. Auf Anfrage erklären die Hersteller, man wolle Pestizide möglichst vermeiden und verweisen darauf, dass die gefundenen Spuren unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen.
Immer wieder kommt es auch zu Rückrufen wegen Pestiziden, erst vor kurzem wurden mehrere Curry-Gewürze zurückgerufen, weil krebserregendes Ethylenoxid festgestellt wurden. Pestizide stehen oft im Verdacht, Krankheiten zu erregen, wie auch das Totalherbizid Glyphosat, über dessen Neuzulassung jetzt entschieden wird.
Inhaltsstoffe in Curry-Pulver können „krebserregend oder organschädigend wirken“
„Vor allem bei Gewürzen aus Nicht-EU-Staaten fallen immer mal wieder Pestizide auf. Aber auch Schimmelpilzgifte, die krebserregend oder organschädigend wirken können oder auch gesundheitsgefährdende Keime wie Salmonellen, die Durchfallerkrankungen auslösen können“, erklärte die Verbraucherschützerin Nora Dittrich von der Verbraucherzentrale.
Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND stehen einige Pestizide bereits seit langem im Verdacht, krebserregend zu sein, Fruchtbarkeitsstörungen zu verursachen und sogar zu Gen-Defekten und Missbildungen bei Neugeborenen führen zu können. Laut Dittrich seien jedoch auch schon Mittel zur Bekämpfung von Schimmelpilzen gefunden worden, die das Erbgut schädigen können.
Wer zumindest auf Aromen und Zusatzstoffe verzichten möchte, sollte laut der Verbraucherschützerin einen Blick auf die Zutatenliste werfen, dort sollten ausschließlich Gewürze als Zutaten angegeben sein.
Nicht der einzige Produkttest mit überraschendem Ergebnis: In einem Butter-Test fielen beliebte Marken wegen krebserregenden Stoffen durch.
