Stille Wasser sind tief

Hundeverhalten: Warum sind kleine Hunde oft so frech?

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Klein, aber oho: Hunderassen wie Yorkshire Terrier und Dachshunde haben es meist faustdick hinter den Ohren. Was steckt hinter dem aufmüpfigen Verhalten?

Kleine Hunde sind entzückend niedlich und einfach nur drollig – können aber auch ganz schön laut sein. Nicht umsonst gelten Chihuahuas, Dackel und Co. als besonders freche Artgenossen. Bei Aufeinandertreffen mit größeren Vierbeinern sind es meist die Kleinen, die mit ihrem Verhalten und lautem Bellen auf sich aufmerksam machen, während die Großen seelenruhig danebenstehen. Außerdem gelten kleine Hunde als tierisches Pendant zum Napoleon-Komplex. Liegt es also wirklich an ihrer Körpergröße, dass die Mini-Vierbeiner oft angriffslustiger sind als ihre größeren Artgenossen?

Hundeverhalten: Kleine Hunde fühlen sich oft unterlegen

Stellen Sie sich vor, dass Sie auf der Straße plötzlich einem Riesen begegnen. Vermutlich bekommen Sie es mit der Angst zu tun und sind erst einmal auf Selbstverteidigung bedacht. Genau so geht es kleinen Hunden tagtäglich, wenn sie größeren Vierbeinern begegnen. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße fühlen sie sich schneller bedroht und wollen lautstark beweisen, dass sie sich durchaus zu verteidigen wissen. Schließlich nehmen die Fellnasen alles aus der Froschperspektive wahr und erleben die Welt als viel gefährlicher als wir selbst. Besitzer sollten einfühlsam mit ihren Vierbeinern umgehen und ihnen liebevoll klarmachen, wer in der Mensch-Hund-Beziehung das Sagen hat.

Kleine Hunde wie der Yorkshire Terrier werden oft verniedlicht. (Symbolbild)

Hundeverhalten: Rassen sind frecher

Manchmal liegt das Rabauken-Gen in der Familie: Bestimmte Rassen neigen dazu, sich öfter aufzuspielen. Dazu gehören beispielsweise Dachshunde, Bulldogge, Chihuahua, Jack Russel Terrier und Yorkshire Terrier. Viele von ihnen wurden ursprünglich für die Jagd oder als Wachhund gezüchtet. Für die Halter war es dementsprechend von Vorteil, dass diese Rassen bellfreudig waren und ihren eigenen Kopf hatten. Den meisten kleinen Hunden liegt dieses Verhalten noch immer im Blut.

Vor allem Terrier gelten als sehr temperamentvoll und fordern gerne Grenzen heraus. Umso wichtiger ist es, dass Besitzer klare Regeln aufstellen. Ansonsten sind die kleinen Frechdachse kaum mehr zu bändigen und geraten immer wieder außer Rand und Band.

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Hundeverhalten: Hunde werden anders behandelt

Den größten Einfluss auf das Verhalten von kleinen Hunden hat allerdings die Erziehung durch ihren Besitzer. Aufgrund ihrer geringeren Größe und ihres niedlichen Aussehens werden sie oft übermäßig verhätschelt. Kleine Hunde werden auf den Arm genommen, wenn ein anderer Vierbeiner entgegenkommt, und Fehlverhalten wird einfach geduldet. Damit tun Halter ihren Fellnasen allerdings keinen Gefallen – ganz im Gegenteil. Wenn die Hunde keine Grenzen kennen und keine angemessenen Verhaltensweisen gelernt haben, benehmen sie sich deutlich aggressiver.

Hundetrainer Martin Rütter hat einen klaren Standpunkt zu diesem Thema. „Gerade, wenn sie als Welpe einziehen, sind sie noch winziger und scheinen geradezu zerbrechlich. Da ist es nachvollziehbar, wenn es den Menschen schwerfällt, auch bei den Kleinsten Regeln aufzustellen, Strukturen zu etablieren und Verbote auszusprechen. Genau dieser Punkt führt auch häufig dazu, dass die Kleinen bereits von Beginn an besonders bemuttert werden und gerne viele Freiheiten zugesprochen bekommen“, so der Experte.

Elf zuckersüße Welpen, die Ihren Tag garantiert schöner machen

Ein Welsh Corgi Cardigan Welpe liegt im Gras.
Spielerisch erforschen Welpen ihre Umwelt. Der kleine Welsh Corgi Cardigan auf dem Foto legt sich auf die Pirsch – mit einem kleinen Leckerli im Maul.  © Imago
Berner Sennen-Hündin mit ihren Welpen
Immer der Mama nach! In den ersten Wochen nach ihrer Geburt ist der Kontakt zur Mutter immens wichtig. Von ihr lernen die kleinen Berner Sennen-Welpen, was wichtig ist im Hunde-Leben.  © Imago
Ein Labrador-Welpe schläft
Gerade erst auf der Welt, verbrauchen kleine Fellknäuel – wie der Labrador-Welpe auf dem Foto – viel Energie, weil sie so viele neue Eindrücke verarbeiten müssen. Deshalb fallen häufig die Äuglein zu.  © Yarvet/Imago
Neugierig schaut ein Australien Shepherd über seinen Platz hinaus
Wer sich einen Welpen aus dem Tierheim oder vom Züchter holt, muss unbedingt vorher die Wohnung „hundesicher“ machen. Denn die kleinen Energiebündel wie der Australian Shepherd auf dem Foto können in kürzester Zeit für Verwüstung in der Wohnung sorgen. © Alfred Hofer/Imago
Schäferhund-Welpe spielt mit Gießkanne
Junge Hunde wollen gefordert werden. Alles wird zum Spielzeug – auch die Gießkanne, auf der im Foto ein Schäferhund-Welpe herumkaut. © simba/Imago
Zwei Welpen kabbeln miteinander
Im Spiel mit ihren Geschwistern lernen Welpen, sich in der Gruppe zu behaupten.  © lucas/Imago/Panthermedia
Samojede-Welpe spielt im Schnee
Schnee, juheee! Der erste Schnee ist für Welpen etwas ganz Besonderes. Der Samojede auf dem Foto ist an kalte Temperaturen gewöhnt: Es handelt sich um eine nordische Hunderasse.  © Jean-MichelxLabat/Imago
Bulldogge schaut zu einem Hundewelpen herunter
In so manch brenzlige Situation gerät ein Hundewelpe beim Erkunden der Umgebung. So kann das Kennenlernen einer ausgewachsenen Bulldogge ziemlich respekteinflößend sein. © Susanne Woehler/galoppfoto/Imago
Golden Retriever-Welpe spielt mit einem Ball
Golden Retriever zählen zu den beliebtesten Hunden in Deutschland. Spätestens beim Anblick eines Welpen sind viele der unkomplizierten und familienfreundlichen Rasse erlegen. © Imago
Zwei Welpen in einem Korb
Ein Korb, dessen Inhalt keinen kaltlässt: Die beiden Welpen zeigen Züge der Rasse Golden Retriever (rechts im Bild) und Leonberger (links im Bild).  © Markus W. Lambrecht/Imago
Frau hat französische Bulldogge auf dem Arm
Französische Bulldoggen gelten als unkompliziert im Wesen und als verschmust. Klug und aufmerksam erkunden sie als Welpe die Welt – und halten Herrchen oder Frauchen damit ordentlich auf Trab. © Imago

Hundehalter sollten Verantwortung für ihre Hündchen übernehmen

Obwohl sicher keine bösen Absichten dahinterstecken, schaden Besitzer ihren kleinen Lieblingen, wenn sie diese verniedlichen und eher als Kuscheltiere behandeln. Egal, ob groß oder klein: Hunde sind Rudeltiere und brauchen dementsprechend klare Strukturen und Regeln. Wenn ihnen diese nicht vom Halter vorgegeben werden, nehmen die Hunde die Zügel kurzerhand selbst in die Hand. Das Resultat ist das bereits geschilderte aggressive Verhalten gegenüber anderen Vierbeinern oder Menschen.

Oft lassen Besitzer ihren Fellfreunden alles durchgehen und belohnen schlechtes Verhalten sogar. Schließlich wird davon ausgegangen, dass kleine Hunde keine schlimmen Verletzungen zufügen können. Deshalb werden sie gar nicht richtig ernst genommen, wenn sie sich danebenbenehmen. Ihrem Hund zuliebe sollten Sie in Zukunft deutlich strenger mit ihm sein. Genau wie großen Tieren steht den Mini-Vierbeinern eine artgerechte Erziehung zu – inklusive Hundeschule und Kommandos.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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