VonSebastian Oppenheimerschließen
Elektroautos verkaufen sich aktuell alles andere als gut. Dem europäischen Automobilverband zufolge liegt das auch am zu viel langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Aktuell läuft es für die E-Mobilität – speziell in Deutschland – alles andere als rund. Elektroautos verkauften sich zuletzt schlecht, wie etwa die E-Auto-Neuzulassungen im März 2024 zeigen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sicherlich trägt dazu der hohe Neupreis für Stromer bei, nachdem die Förderung per Umweltbonus im Dezember 2023 gestrichen worden war. Auch der gewaltige Wertverlust von E-Autos beispielsweise dürfte viele potenzielle Käufer abschrecken. Die europäische Automobilindustrie sieht jedoch noch einen anderen Grund für die momentane Kauf-Zurückhaltung: zu wenig Ladesäulen.
EU-Kommission: Bis 2030 3,5 Millionen öffentliche Ladepunkte nötig
Laut dem Europäischen Automobilverband (ACEA) waren Ende 2023 in der EU rund drei Millionen Elektroautos unterwegs – und gleichzeitig rund 632.000 öffentliche Ladesäulen verfügbar. Im Jahr 2023 kamen 153.000 öffentliche Ladepunkte neu dazu. Der EU-Kommission zufolge deutlich zu wenig: Sie schätzt, dass bis zum Jahr 2030 3,5 Millionen öffentliche E-Auto-Ladepunkte nötig sind. Dafür müssten jährlich etwa 410.000 öffentliche Ladepunkte entstehen – oder: 7.900 pro Woche.
Kritik an viel zu langsamem Ausbau: Laut ACEA müssten jährlich 1,4 Millionen Ladepunkte neu entstehen
Doch dem ACEA zufolge ist selbst die EU-Schätzung noch deutlich zu tief angesetzt. Bis 2030 brauche es laut dem Verband sogar 8,8 Millionen Ladepunkte. Heißt: Es müssten 1,4 Millionen Ladepunkte jährlich installiert werden. Das Argument der Autobauer: In den vergangenen sieben Jahren hätten die Verkäufe von E-Autos das Wachstum des Ladenetzes um mehr als das Dreifache überstiegen: zwischen 2017 und 2023 seien die Elektroauto-Verkäufe um das 18fache gewachsen, während die Zahl der öffentlichen Ladepunkte sich nur versechsfachte.
Top 10 Neuzulassungen: Die beliebtesten Elektroautos der Deutschen im Jahr 2023




Zu wenig Ladesäulen laut Automobilverband auch schlecht für E-Auto-Verkäufe
Wie der ACEA erklärt, bestehe „ein starker Zusammenhang“ zwischen der Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte und den E-Autoverkäufen. Aber ob dies aktuell wirklich der Haupt-Problemfaktor beim E-Auto ist? Denn der Verband weist selbst darauf hin, dass 61 Prozent aller Ladepunkte in der EU auf die Niederlande, Frankreich und Deutschland entfallen. Also steht Deutschland offenbar gar nicht so schlecht, da – ein Branchenverband sprach im vergangenen Jahr sogar von einem „Überangebot an Lademöglichkeiten“ in Deutschland. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht dagegen einen großen Nachholbedarf bei der E-Auto-Ladeinfrastrutur– wie auch der ACEA.
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