Zu gute Vermehrung

Schnecken überall – woher kommen die Massen in diesem Sommer?

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So viele Nacktschnecken. Eine Expertin kennt den Grund für die diesjährige Schneckenplage. Und erklärt, warum Sie Kaffeepulver und Sägespäne nicht verwenden sollten.

Hobbygärtner können dieses Jahr ein Lied davon singen: So schlimm war es mit den Schnecken lange nicht. In allen Größen, Formen und Farben werden die Schädlinge im Gemüsebeet und an den Blumen gesichtet. Wobei man hierbei noch von Glück sprechen müsste, denn so kann man das Unglück noch abwenden. Tragischer ist es, wenn die Tiere über Nacht mit ihren immensen Fraßschäden an den Pflanzen schon Fakten geschaffen haben. Aber wie ist dieses Ausmaß an Plagegeistern zu erklären?

Schnecken brauchen Feuchtigkeit, um sich wohlzufühlen

Den Schnecken, insbesondere den Nacktschnecken, geht es in diesem Jahr offensichtlich prächtig.

Die Antwort lässt sich recht leicht finden. Was wollen Schnecken? Die Tiere bestehen zu einem Großteil aus Wasser, können ihren Feuchtigkeitshaushalt aber nicht selbst steuern. Also sind sie, auch für ihre Fortbewegung, auf das Nass von außen angewiesen. Nur so können sie eine Schleimspur bilden, auf der sie vorankommen. Daher findet man sie im Beet weniger an heißen und sonnigen Tagen – ausgenommen vertrocknete Artgenossen, die es nicht mehr rechtzeitig unter ein feuchtes Brett oder einen Stein geschafft haben.

Anders in diesem Sommer: „Das Wetter im Frühjahr war fantastisch für die Schnecken. Sie fallen jetzt gerade besonders auf, weil sie im Mai und Juni schnell wachsen – und dementsprechend viel fressen“, erklärt die auf Weichtiere spezialisierte Wissenschaftlerin Heike Reise auf Tagesschau.de. Auch das regenreiche Wetter im Sommer erhöht ihre Aktivität.

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Kaffeepulver und Sägespäne sind bei Regen kontraproduktiv

Was also tun? Ein Wundermittel gegen Schnecken wurde bisher nicht gefunden. Bis dahin müssen herkömmliche mechanische Methoden wie Schneckenzäune und Hausmittel helfen. Bei letzteren kann der Schuss aber auch nach hinten losgehen. Denn beispielsweise Kaffeepulver und Sägespäne „verlieren nach dem Regen ihre Abwehrfunktion oder werden sogar attraktiv“, sagt die Schneckenexpertin.

Ziemlich tolerant – elf Gemüsesorten, die Schnecken verschmähen

Cichorium intybus ‚Pan di Zucchero‘
Im Gegensatz zu seinem Namen schmeckt der Zuckerhut-Salat recht bitter. Das mögen Schnecken offensichtlich nicht gern. © Zoonar/Imago
Rucola und Lollo rosso in Beet
Auch Rucola und rote Salatsorten wie Lollo rosso lassen Schnecken weitgehend unangetastet.  © Design Pics/Imago
Feldsalat in Beet
Warum Schnecken keinen Feldsalat mögen, ist weitgehend ungewiss. Aber der Genießer muss die Gründe hierfür auch nicht kennen, solange mehr für ihn übrigbleibt. © Shotshop/Imago
Endiviensalat (Cichorium endivia)
Endiviensalat schmeckt nicht jedem, weil er viele Bitterstoffe enthält – und gerade das wirkt abschreckend auf Schnecken. © Depositphotos/Imago
Zwiebelpflanze im Beet im Vordergrund und mehrere im Hintergrund
Um Speisezwiebeln, Zwiebellauch und andere Gewächse dieser Familie machen Schnecken in der Regel einen Bogen: Sie sind ihnen zu scharf. © Design Pics/Imago
Knoblauchblüte mit Knollen
Wahrscheinlich ist es der penetrante Geruch des Knoblauchs, der Schnecken das Weite suchen lässt. © Panthermedia/Imago
Person erntet Pastinaken
Pastinaken scheinen für Schnecken sehr uninteressant zu sein. © Zoonar/Imago
Blattrübe, Sorte Golden/Bright Yellow (Beta vulgaris cicla var. flavescens)
Mangold steht bei den Schleimern eher selten auf dem Speiseplan. © imagebroker/Imago
Artischocke im Garten
Schnecken sind offenbar keine Feinschmecker: Artischocken lassen sie links liegen. © Panthermedia/Imago
Knollenfenchel (Foeniculum vulgare)
Auch Fenchel enthält Bitterstoffe, die die Schnecken eher meiden. Setzlinge sind allerdings schon gefährdet. © Christian Ditsch/Imago
Schnecke auf Tomatenpflanze
Auch wenn sich eine Schnecke mal auf eine Tomatenpflanze verirrt – zu ihrem Lieblingsgemüse zählt das Nachtschattengewächs sicherlich nicht. © CHROMORANGE/Imago

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Das regelmäßige Absammeln bleibt noch eine der effektivsten Maßnahmen, am besten auch noch einmal in der Dämmerung oder spätabends, damit sie nachts nicht ungebremst über den Salat herfallen. Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) rät außerdem dazu, in den frühen Morgenstunden einen Blick unter Bretter, Töpfe und große Blätter wie Rhabarberblätter zu werfen, wo sich die Tiere gerne aufhalten. Am besten gießt man im Garten auch morgens und nur direkt an der Pflanze, damit die Schnecken auf dem trockenen Boden nicht vorankommen.

Rubriklistenbild: © Rolf Poss/Imago

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