Schwankende Ladekurve

Vom Sprint in den Kriechgang: Was hinter der E-Auto-Ladekurve steckt

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Viele E-Auto-Fahrer laden an der Schnellladesäule nur bis 80 Prozent – denn die restlichen 20 Prozent dauern überproportional lange. (Symbolbild)
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Warum wird ein E-Auto beim Laden plötzlich so langsam? Das liegt an der charakteristischen Ladekurve aller E-Autos. So kommt sie zustande.

Ein hungriger Teenager kann richtig reinschaufeln. Ähnlich ist es bei einem Elektroauto mit niedrigem Ladestand: Die Batterie saugt Strom mit beeindruckender Gier – moderne Fahrzeuge ziehen locker 150 kW oder mehr aus der Ladesäule. Der Ladebalken springt in dieser Zeit förmlich nach oben, und Sie denken: „Das geht ja fix!“ Doch dieser Energierausch hält bei den meisten E-Fahrzeugen nicht ewig an. Schon nach wenigen Minuten sinkt in aller Regel das Ladetempo. Was zunächst wie ein technischer Defekt wirken könnte, folgt in Wahrheit physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Eine sinkende Ladekurve – mit teils erheblichen Schwankungen – ist bei allen Elektroautos zu beobachten und lässt sich nicht umgehen. Je höher der Ladestand, desto deutlicher wird die Verlangsamung.

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Batterieschutz hat Priorität: Warum das System automatisch bremst

Das Batteriemanagementsystem überwacht permanent die Parameter der Zellen und greift bei Bedarf regulierend ein. Sobald kritische Temperaturen oder Spannungswerte erreicht werden, drosselt das System automatisch die Ladeleistung. Diese Schutzfunktion ist essenziell: Überhitzte Batteriezellen können nicht nur die teure Batterie beschädigen, sondern auch Sicherheitsrisiken bergen. Je voller der Akku, desto weniger Leistung kann er verkraften. Das System reagiert darauf mit einer weiteren Reduzierung der Ladegeschwindigkeit. Dieser elektronische Schutz verlängert die Lebensdauer der Batterie und sorgt für sicheren Betrieb.

Herstellerangaben bei E-Autos meist Idealwerte

Das Problem für die Kunden: Die charakteristische Ladekurve eines E-Autos wird nur selten veröffentlicht. In aller Regel geben die Hersteller die maximale Ladeleistung an – doch die wird nur selten und meist auch nur über einen relativ kurzen Zeitraum erreicht. Oft findet sich nur eine Zeitangabe für eine Ladung von weitgehend geleertem Akku auf 80 Prozent – doch auch hier werden häufig Idealbedingungen zu Berechnung verwendet. In der Praxis dauert es oft länger. Gerade im Winter bei eisigen Temperaturen kann die Ladezeit von E-Autos an Schnellladesäulen deutlich nach oben schnellen.

Warum nicht der ganze Strom in der Batterie landet

Die extremen Ladekurven-Schwankungen treten vor allem an der Schnellladesäule auf – wenn das Auto mit Gleichstrom (DC) betankt wird. Beim langsameren Wechselstrom-Laden (AC) ist die Kurve konstanter. Allerdings variiert die Ladekurve nicht nur je nach Stromquelle, sondern auch nach Fahrzeugmodell. Wichtig zu wissen ist auch: Nicht der komplette Strom landet beim Laden wirklich in der Batterie. Es entstehen immer sogenannte Ladeverluste, die besonders beim „langsamen“ Laden an der Wallbox, vor allem aber an der Haushaltssteckdose relativ groß sind.

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Die 80-Prozent-Regel: Warum erfahrene E-Fahrer früher abbrechen

Grundsätzlich gilt: Die letzten 20 Prozent des Ladens eines E-Autos dauern überproportional lange. Erfahrene E-Auto-Fahrer nutzen daher lieber mehrere kurze Ladestopps bis 80 Prozent statt eines langen Stopps bis 100 Prozent. Moderne Navigationssysteme berücksichtigen diese Ladekurve bereits bei der Routenplanung und optimieren automatisch die Anzahl und Dauer der Ladestopps.

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