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Warum man Pferde zur Belohnung nicht klopfen sollte

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Energisches Klopfen am Hals empfinden Pferde nicht als Lob. Besser ist es, das Pferd zur Belohnung sanft zu streicheln oder am Widerrist zu kraulen.
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Ohne Lob geht im Pferdetraining nichts. Doch das verbreitete Klopfen am Hals ist nicht die beste Methode. Wie man Pferde richtig lobt.

Für viele Reiter ist es ganz normal, ein Pferd zur Belohnung am Hals zu klopfen. Doch Fachleute raten davon ab. Pferde empfinden das Klopfen nämlich nicht als Belohnung. Ganz im Gegenteil: Vielen ist es sogar unangenehm. Vor allem, wenn der Reiter aus überschwänglicher Freude über die Leistung seines Vierbeiners etwas zu stark klopft. Besonders junge Pferde erschrecken sich sogar davor, wenn der Reiter sie aus dem Sattel heraus plötzlich klopft. Auf Dauer lernen Pferde zwar, dass das Klopfen etwas Positives heißen soll. Besser ist es jedoch, Pferde so zu loben, dass sie es direkt verstehen und angenehm finden.

Kraulen kommt bei Pferden besser an als Klopfen

Wer Pferde im Herdenverband beobachtet, wird feststellen, dass sie sich gegenseitig an schwer erreichbaren Stellen kraulen, wenn sie sich wohlfühlen. Unter Pferden ist das als soziale Fellpflege bekannt. Diese fördert die soziale Bindung, steigert das Wohlbefinden und baut Stress ab. Das kann der Reiter sich zunutze machen. Und zwar, indem er sein Pferd zur Belohnung am Widerrist krault. Im Sattel muss er dabei nicht einmal die Zügelverbindung zum Pferdemaul aufgeben. Das Pferd wird dies sofort als angenehm empfinden. Mit diesen zehn Tipps erobert man das Herz eines Pferdes.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 lieferte den Beweis: Wurde ein Pferd am Widerrist gekrault, sank die Herzfrequenz, beim Klopfen stieg sie an. Das Kraulen am Widerrist kann somit auch in stressigen Situationen für Entspannung beim Pferd sorgen. Die Art der Berührung wirkt sich demnach auf das Wohlbefinden des Pferdes aus. In Verbindung mit der Stimme kann das Lob sogar noch verstärkt werden. 2018 haben britische Forscher herausgefunden, dass Pferde menschliche Stimmlagen unterscheiden und sogar einordnen können. Am besten funktioniert Stimmlob, wenn es in einer freundlichen und sanften Tonlage gegeben wird.

Mit Leckerlis sollte man es nicht übertreiben

Manche Reiter belohnen ihre Pferde am liebsten mit Futter. Sei es ein Leckerli, ein Apfelschnitz oder auch ein Stückchen Zucker. Futterlob ist zwar besonders effektiv, allerdings auch umstritten. Zu viel Futterlob kann Pferd distanzlos machen und dazu führen, dass sie den Menschen bedrängen oder sich nicht mehr auf die gestellte Aufgabe konzentrieren, weil sie nur noch nach dem nächsten Leckerli betteln. Gezielt eingesetzt, kann Futterlob jedoch schnelle Lernerfolge bringen, beispielsweise in Verbindung mit einem Clicker beim Erlernen von Zirkuslektionen. Aber: Leckerlis sind oft richtige Kalorienbomben. Zu viele machen dick. Übergewicht ist bei vielen Pferden ein Problem. Zucker ist außerdem schädlich für die Pferdezähne.

Hätten Sie‘s gewusst? Zehn faszinierende Pferde-Fakten

Nahaufnahme eines Pferdeauges.
Mit Rundumblick: Pferde haben fast eine 360-Grad-Sicht. Zu verdanken haben sie das ihren seitlich am Kopf platzierten Augen. Nur was sich direkt hinter ihnen und sehr nah an ihrem Körper befindet, können sie nicht sehen. Wenn sich ein Reiter auf ihren Rücken setzen darf, ist das ein riesiger Vertrauensbeweis, denn er befindet sich für das Pferd im toten Winkel. © IMAGO / Shotshop
Ein Fohlen liegt im Gras und schläft.
Keine Langschläfer: Pferde schlafen nur rund drei bis fünf Stunden am Tag, davon nur 20 Minuten am Stück. Wenn sie sich sicher fühlen, legen sie sich hin, wenn sie besonders sicher sind, sogar flach auf die Seite. Weil sie als Fluchttier stets auf der Hut sein müssen, können sie jedoch auch im Stehen schlafen. Dabei fixieren sie ihre Kniescheibe, um nicht umzufallen. ©  IMAGO / YAY Images
Ein Pferdeohr in Nahaufnahme.
Feine Lauscher: Pferde können ihre Ohren unabhängig voneinander bewegen. Das ermöglicht es ihnen, Geräusche präzise zu orten. Diese Eigenschaft ist enorm wichtig, um in der freien Natur zu überleben – ein Knacken im Gebüsch könnte ja ein Raubtier sein. Außerdem hören Pferde doppelt so gut wie ein Mensch. Schon kleinste Geräusche versetzen sie in den Fluchtmodus. Übrigens sind viele Pferde bei Wind nervös. Einerseits, weil dann viel herumflattert, andererseits, weil sie dann nicht mehr so gut hören können. © IMAGO / Depositphotos
Nahaufnahme eines braunen Pferdes mit hellem Halfter und kleinem Abzeichen.
Gutes Gedächtnis: Zehn Jahre lang können Pferde sich an komplexe Lösungsstrategien und Menschen erinnern. Das hat einst eine Studie aus Frankreich bewiesen. Außerdem haben französische Forscher herausgefunden, dass Pferde ihre Bezugspersonen sogar auf Fotos wiedererkennen. Ihr gutes Gedächtnis sicherte Pferden das Überleben in freier Wildbahn. © IMAGO / Panthermedia
Zwei Schimmel stehen auf der Weide und beknabbern sich gegenseitig.
Dicke Freunde: Pferde pflegen Freundschaften. Mögen sie einander, fressen, dösen und schlafen sie nah beieinander und beknabbern sich gegenseitig. Ein stabiles soziales Gefüge ist für Pferde überlebenswichtig. In freier Wildbahn bietet die Herde Schutz und sichert Ressourcen. Forscher haben außerdem herausgefunden, dass Pferde die Fähigkeit zu sozialem Lernen haben, neue Dinge also lernen, indem sie sich den Lösungsweg von einem Artgenossen abschauen. © IMAGO / Panthermedia
Ein fuchsfarbenes Pferd steht auf der Weide und flehmt.
Spürnasen: Pferde können besser riechen als Hunde – das haben Wissenschaftler aus Tokio herausgefunden, indem sie die Gene für die Geruchsrezeptoren zählten. Beim Pferd sind es 1.066, beim Hund 811 und beim Menschen nur 396. Kein Wunder: Pferde müssen sich auf ihre Nase verlassen können, um zum Beispiel verdorbenes Futter oder ein nahendes Raubtier zu erkennen. Mit dem Jacobson’schen Organ können Pferde sogar spezielle Duftstoffe aus der Luft filtern, indem sie flehmen. Dabei ziehen sie die Oberlippe hoch und saugen die Luft ein. © IMAGO / Depositphotos
Ein braunes Pferd gähnt und man kann die Zähne sehen.
Mit Biss: Die Zähne des Pferdes wachsen dauerhaft nach. Der Grund: Pferde mahlen ihr Futter, dabei nutzen sich die Zähne ab. Damit sie nicht irgendwann komplett weggeraspelt sind, schieben sie permanent Stück für Stück weiter aus dem Zahnfach heraus. Weil Pferde heutzutage nicht mehr so viel raufaserreiches Futter fressen, müssen sie regelmäßig zum Zahnarzt, der die Zähne mit einer Feile kürzt. Pferdekenner können das Alter eines Pferdes übrigens anhand der Zähne einschätzen. © IMAGO / Panthermedia
Die Beine eines Sportpferdes mit Gamaschen und Streichkappen im Trab auf dem Reitplatz.
Aus Urzeiten: Pferde haben an den Innenseiten ihrer Beine einen kleinen Knubbel, die sogenannte Kastanie. Das ist ein kleines Stück Horn und war früher mal eine Zehe. Die Vorfahren des Pferdes lebten vor vielen Millionen Jahren und waren so klein wie ein Fuchs. Sie hatten noch keine Hufe, sondern Zehen. Die Kastanie ist ein Überbleibsel und nichts anderes als ein verkümmerter Zeh. Sie ist bei jedem Pferd einzigartig, genau wie der Fingerabdruck beim Menschen. © IMAGO / Dreamstime
Ein fuchsfarbenes Pferd wälzt sich auf der Weide.
Tolle Rolle: Pferde lieben es, sich zu wälzen. Fängt ein Pferd damit an, machen es die Herdenpartner häufig nach. Es ist ansteckend, wie das Gähnen beim Menschen. Meist wälzen Pferde sich, um Fellpflege zu betreiben oder weil sie sich wohlfühlen. Es kann aber auch Zeichen einer Kolik sein. Dann muss das Pferd schnellstmöglich zum Tierarzt. ©  IMAGO / Zoonar
Nahaufnahme einer Pferdenase, an der viele Tasthaare zu sehen sind.
Gefühlvoll: Die Tasthaare an Nüstern, Maul und Augen sind ein wichtiges Sinnesorgan – Pferde haben circa 50 davon. Mit ihnen können sie im Dunkeln „sehen“. So verhindern die Tasthaare, dass sie sich stoßen und helfen den Pferden, ihr Futter zu sortieren. Die Tasthaare zu kürzen oder gar abzuschneiden ist verboten. © IMAGO / Panthermedia

Auch kleine Alltagsaufgaben belohnen

Lob und Belohnung sind unerlässlich bei der Ausbildung eines Pferdes. Das Lob dient als Verstärker eines erwünschten Verhaltens. Das muss nicht gleich das fehlerfreie Absolvieren eines Springparcours sein. Auch kleine Alltagsaufgaben wollen und sollen belohnt werden. Zum Beispiel das Hufegeben beim Putzen, das Absenken des Kopfes beim Auftrensen oder das Stehenbleiben beim Aufsteigen. Am Lob sollte der Reiter nicht sparen. In der Verhaltenspsychologie ist das als positive Verstärkung bekannt. Erwünschtes Verhalten wird belohnt, unerwünschtes ignoriert. Je besser die Belohnung für ein Pferd funktioniert, desto größer ist die Motivation, die Belohnung erneut zu bekommen.

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Übertreiben sollte man es aber auch nicht. Das Lob sollte an eine klare Aufgabenstellung geknüpft sein. Damit das Pferd dies erkennt, muss es unmittelbar auf das erwünschte Verhalten folgen. Viele Reiter belohnen ihr Pferd gerne nach einer gelungenen Reitstunde mit einem extra Leckerbissen. Das ist zwar in Ordnung, allerdings kann das Pferd dann keine Verbindung mehr zu der erbrachten Leistung im Training herstellen.

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