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Die Weiße Fliege ist ein Pflanzenschädling und bei Gemüsebauern gefürchtet. Was Sie über die Parasiten wissen müssen und wie Sie einem Befall vorbeugen.
Weiße Fliegen sind eigentlich gar keine Fliegen. Der Name ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine ganze Reihe von nur lose miteinander verwandten Schadinsekten. In Mitteleuropa kommen sie vorwiegend in Gewächshäusern und Innenräumen vor, da sie Kälte nur bedingt vertragen. Denn ursprünglich sind die Schädlinge in Südamerika heimisch und wurden erst in den letzten Jahrhunderten eingeschleppt. Trotzdem können sie auch im Freiland Schaden anrichten, wenn es sich um geschützte Stellen handelt. Weiße Fliegen sind vor allem bei Gemüsebauern gefürchtet, denn sie befallen liebend gern Gurken, Tomaten, Kohl oder Bohnen. Allerdings auch Zierpflanzen wie Geranien – wobei jede Fliegen-Art ihre eigenen Vorlieben hat.
Ist „Weiße Fliege“ überhaupt eine sinnvolle Bezeichnung?
Trotz des ähnlichen Aussehens und einer vergleichbaren Lebensweise sind die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Vertretern der Weißen Fliege nur sehr lose. Der triviale Name „weiße Fliege“ ist also eigentlich etwas irreführend. Denn oft handelt es sich bei den bezeichneten Insekten um gänzlich unterschiedliche Arten, die lediglich derselben Überfamilie angehören. Die Bezeichnung stammt noch aus Zeiten, als Insekten vor allem nach äußerlichen Merkmalen bestimmt wurden. Und obwohl sie aus biologischer Sicht überholt ist, hat sie sich bis heute durchgesetzt. Biologen sprechen hingegen lediglich von Mottenschildläusen, wobei längst nicht alle 1500 Arten dieser Überfamilie als Weiße Fliege bezeichnet werden. In hiesigen Gewächshäusern und Wintergärten machen vor allem drei Vertreter immer wieder Probleme:
- Die Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum)
- Die Eschen-Weiße Fliege (Siphoninus phillyreae)
- Die Tabakmottenschildlaus bzw. Baumwollmottenschildlaus (Bemisia tabaci)
Gewächshausmottenschildlaus: So erkennen Sie die Schädlinge
Die Gewächshausmottenschildlaus ist nur etwa 1,5 mm lang. Ihr Körper ist weiß bis beige mit einem ganz leichten Gelbstich, doch er wird meist von den dachförmig anliegenden Flügeln verdeckt. Diese sind deutlich länger als das restliche Tier und besitzen eine Spannweite von bis zu 5 mm. Das gesamte Insekt ist von einer feinen Wachsschicht überzogen.
So sieht die Eschen-Weiße Fliege aus
Die Eschen-Weiße Fliege ist im Gegensatz zu den anderen beiden Vertretern in Europa heimisch. Sie vermehrt sich auch deutlich langsamer und hat ein größeres Spektrum an Wirtspflanzen – zum Beispiel die namensgebenden Eschen. Die Tiere sind 1–1,5 Millimeter groß und wirken mehlig-weiß gepudert. Der Körper wirkt meist hell beige, während die Flügel rein weiß sind. Letztere sind relativ breit und länger als der Körper. Sie ragen jedoch nicht so weit über den Körper hinaus wie bei der Gewächshausmottenschildlaus.
Tabakmottenschildlaus: So erkennen Sie den Parasiten
Die Tabakmottenschildlaus ist noch ein wenig kleiner als die beiden anderen hier vorgestellten Vertreter. Sie ist jedoch der bei weitem gefährlichste Pflanzenschädling. Ihr Körper ist meist nicht länger als 1,0–1,3 Millimeter und hat eine deutlich gelbe Färbung, die sogar durch die angelegten Flügel hindurch scheint. Die Flügel sind transparent, nicht viel länger als der Körper und liegen parallel dazu an. Mit einem Vergrößerungsglas erkennt man sie sehr gut an ihren roten Augen.
Durch „Genklau“ zum Superschädling
Die Tabakmottenschildlaus verursacht weltweit enorme Probleme. Denn der Schädling ist mittlerweile immun gegen viele Insektizide und seine Nymphenstadien sind mit Spritzmitteln nur schwer erreichbar. Doch vor allem hat die Tabakmottenschildlaus schon lange bestimmte Abwehrmechanismen der Pflanzen ausgetrickst, fand eine Studie aus dem Jahr 2021 heraus. Der Parasit hat ein Pflanzengen „geklaut“ und wurde dadurch resistenter gegen bestimmte Giftstoffe. Pflanzen haben normalerweise eigene Abwehrmechanismen gegen Schädlinge, darunter toxische (giftige) Phenolglykoside. Die Pflanze selbst hat eine Art Antigen, sodass sie keinen Schaden nimmt. Bei der Tabakmottenschildlaus funktioniert das Gift aber nicht.
Denn die Tabakmottenschildlaus besitzt das Gen BtPMaT1, das es ihr laut der Studie ermöglicht, die Phenolglykoside zu neutralisieren. Das Gen selbst stammt aber eigentlich von einer Pflanze, das lässt sich an seiner Struktur erkennen. Konkret wurde das Ganze durch veränderte Tomatenpflanzen getestet, an der die Insekten fressen sollten. Diese Tomaten bilden RNA-Moleküle, die das betroffene Gen (BtPMaT1) der Fliegen (konkreter dessen Funktion) blockieren. Es hilft also nicht mehr gegen die giftigen Stoffe. Das Ergebnis: Die Schädlinge starben. Das bedeutet also, dass sie ohne BtPMaT1 durchaus anfällig für die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen wären.
Den Prozess, dass ein Gen von einem Organismus auf einen anderen übertragen wird, nennt man horizontalen Gentransfer. Bei der Tabakmottenschildlaus hat dieser wohl bereits vor einigen Millionen Jahren stattgefunden. Die Theorie der Forschenden: Vielleicht haben Viren das Gen von einer Pflanze auf die Insekten übertragen. Damit hätten die Parasiten das Gen natürlich nicht absichtlich „geklaut“, sondern eher zufällig erhalten.
Weiße Fliegen: Erkennen Sie das Schadbild an Ihren Pflanzen
Die Weiße Fliege ist weltweit einer der bedeutendsten Pflanzenparasiten. Dabei verursachen sowohl erwachsene Tiere als auch Larven Schäden. In Mitteleuropa vor allem in Gewächshäusern, in wärmeren Regionen auch im Freiland. Weiße Fliegen schädigen Pflanzen, indem sie die Blattoberfläche durchstechen und die Pflanzensäfte im Inneren absaugen. Durch ihren giftigen Speichel zerstören sie das umliegende Gewebe und fügen den Pflanzen großen Schaden zu.
Allgemein erkennt man einen Befall durch Weiße Fliegen an folgenden Anzeichen:
- verwelkende und vertrocknete Blätter
- Vergilben
- klebrige Früchte
- abfallende Blätter
Gefahr von Infektionen durch Weiße Fliegen
Außerdem nehmen die Schädlinge durch die Pflanzensäfte große Mengen an Zucker auf. Was überschüssig ist, scheiden sie kurz darauf in Form von Honigtau wieder aus. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen können sich dadurch zusätzlich Schimmelerkrankungen wie Rußtaupilze auf betroffenen Blättern ausbreiten. Zusätzlich sind die offenen Saugstellen später oft ein Einfallstor für Viren. Und in manchen Fällen können die Parasiten sogar selbst Viren übertragen.
Der Lebenszyklus von Weißen Fliegen
Weiße Fliegen leben nur etwa vier Wochen, doch in dieser kurzen Zeit können die Weibchen je nach Klima und Wirtspflanze bis zu 400 Eier legen. Bei der Eschen-Weißen Fliege sind es deutlich weniger. Die Eier sind nur 0,2 Millimeter groß und finden sich meist in kreisförmiger Anordnung auf der Unterseite der Blätter. Anfangs erscheinen sie weiß mit gelblich grünem Schimmer, doch nach etwa zwei Tagen verfärben sie sich braun bis schwarz. Nach einer Woche schlüpfen die Larven, die sich mehrmals verpuppen, bis sie ihre endgültige Erscheinungsform erreichen. Bei höheren Temperaturen dauert der gesamte Lebenszyklus der Weißen Fliege nur wenige Wochen. Dadurch kann es leicht zu einer Massenvermehrung kommen, wenn Sie keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergreifen.
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Rapsöl, Teebaumöl, Neemöl – so bekämpfen Sie Weiße Fliegen
Es gibt viele Hausmittel, die gegen Weiße Fliegen empfohlen werden. Kaliseife aus der Apotheke bekämpft die Schädlinge recht zuverlässig, lässt sich jedoch nur bei wenigen Pflanzen einsetzen. Denn viele Pflanzen, wie Gurken, Tomaten oder Geranien vertragen die scharfe Lauge nicht.
Mit einer Rapsölmischung können Sie die Atemorgane der Schädlinge verkleben, ohne die Pflanzen so stark zu schädigen. Mischen Sie dazu einfach folgende Zutaten in einem Pumpsprüher und besprühen Sie damit die befallenen Pflanzen:
- 0,5 Liter Wasser
- 1 Esslöffel Rapsöl
- Eventuell ein Tropfen Spülmittel
Auch Teebaumöl hat sich als wirksames Mittel gegen die Plagegeister erwiesen. Geben Sie dazu zehn Tropfen Teebaumöl zusammen mit einem Tropfen Spülmittel in einen Liter Wasser. Diese Lösung können Sie dann auf Ihre Pflanzen sprühen.
Daneben wirken auch andere Mittel wie Neemöl, das jedoch nicht auf die Weiße Fliege beschränkt ist. Achten Sie beim Einsatz immer darauf, keine Nützlinge zu schädigen. Verzichten Sie am besten auf chemische Mittel aus dem Baumarkt – denn Weiße Fliegen sind dafür berüchtigt, rasch Resistenzen auszubilden.
Diese Nützlinge helfen gegen Weiße Fliegen
Effektiv gegen die Weiße Fliege helfen beispielsweise Nützlinge wie Schlupfwespen. Denn die weiblichen Tiere legen ihre Eier in die Larven der Weißen Fliege und töten sie dadurch ab. Zudem dienen dem Weibchen einige Larven beziehungsweise deren Saft als Nahrung. Damit ist die Schlupfwespe nicht nur eine äußerst effektive, sondern auch harmlose Bekämpfungsmethode. Schlupfwespen können Sie im Internet bestellen und Sie erhalten sie mittlerweile auch in vielen Baumärkten. Übrigens sind auch die unbeliebten normalen Wespen ein Fressfeind der Weißen Fliege. Gleiches gilt für Raubwanzen, eine weitere Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge. Hier sollten Sie sich jedoch vor dem Einsatz von Fachpersonal im Baumarkt oder bei einem Fachhändler im Internet beraten lassen. Denn die Raubwanzen haben deutlich höhere Ansprüche an ihre Umgebung, was Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit angeht. Stimmen die Rahmenbedingungen nicht, sterben Ihnen die kleinen Nützlinge binnen kürzester Zeit weg.
So können Sie die Weiße Fliege vorbeugen
Wenn Sie einen Befall verhindern möchten, fördern Sie die natürlichen Gegenspieler von Weißen Fliegen. Sorgen Sie mit naturnahen Hecken, Insektenhotels und Vogelhäusern oder Trockenmauern für Brutplätze, die Nützlinge in Ihren Garten locken. Außerdem können Sie zum Beispiel die blaue Lampionblume in Ihrem Garten pflanzen. Wenn die Schädlinge an dieser Pflanze saugen, sterben sie zuverlässig an deren Gift.
Es hilft übrigens auch, wenn Sie Ihre Beete sauber halten. Jäten Sie regelmäßig Unkraut, denn oft wird dieses zuerst befallen und von dort aus gehen die Schädlinge dann auf die eigentlichen Pflanzen über. Auch Netze können ein wenig Schutz bieten. Mit Gelbtafeln beugen Sie ebenso vor. Sie helfen, einen möglichen Befall frühzeitig zu erkennen. Wenn der Befall noch nicht sehr stark ist, trennen Sie befallene Blätter frühzeitig ab und entsorgen Sie diese in der Biotonne – und nicht auf dem Komposthaufen.
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