VonChristoph Gschoßmannschließen
Leitungswasser wird teurer. In einem Bundesland wird es garantiert zu neuen Preiserhöhungen kommen. Ein Grund hierfür ist auch der Klimawandel.
München - Die Inflation macht auch vor dem Wasserhahn nicht halt: Doch nicht zuletzt wegen des Klimawandels müssen sich die Menschen in Deutschland auf steigende Preise für Leitungswasser einstellen. So müssen Wasserversorger mindestens in einem Bundesland in Infrastruktur investieren, neue Brunnen bauen und Leitungsnetze instandsetzen.
Bereits im September 2023 hatte der Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, erklärt, dass die Auswirkungen des Klimawandels „einen erheblichen Aus- und Umbau der Wasserinfrastruktur notwendig“ machen. Betroffen sind Talsperren und Wasserwerke, die Ausweitung von Schutzgebieten und ganz besonders den Ausbau von Verknüpfungs- und Fernleitungen. Weyand weiter: „Um die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft flächendeckend zu gewährleisten, brauchen wir dringend mehr solcher überregionalen Infrastrukturen zum Mengenausgleich.“
Wasser wird teurer: Mindestens ein Bundesland betroffen
Ein Bundesland ist aktuell garantiert betroffen: Baden-Württemberg. Dass dort das Wasser teurer wird, äußerte ein Sprecher der Landeswasserversorgung in Baden-Württemberg, einem kommunalen Zweckverband aus Stuttgart, der rund drei Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Wasserverluste im Leitungsnetz sollten vermieden werden. Hinzu kämen hohe Energiepreise und teils deutlich steigende Personalkosten. Diese würden die Unternehmen im Südwesten an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Als kommunaler Zweckverband darf die Landeswasserversorgung keine Gewinne machen.
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Zuletzt erhöhte sich der Wasserpreis im Südwesten um 11 Cent pro Kubikmeter. So kosteten 1000 Liter Wasser dort zuletzt im Schnitt 2,44 Euro, wie das Statistische Landesamt im Oktober mitgeteilt hatte (Stichtag: 1. Januar 2023). Wie die Fachleute erklärten, habe sich in 40 Prozent der Gemeinden das Trinkwasser verteuert. Dabei unterscheiden sich die Gebühren von Kommune zu Kommune, wobei die Preise teilweise dramatisch auseinander gehen: Die Spanne reicht in diesem Jahr von 0,32 bis 5,35 Euro je Kubikmeter.
Ebenfalls hatte die für vier Millionen Menschen verantwortliche Bodensee-Wasserversorgung erklärt, dass die durchschnittliche Umlage von 2022 auf 2023 vor allem wegen gestiegener Aufwendungen für den Energiebezug und Personal um mehr als 23 Prozent steigen sollte. Des Weiteren lässt ein Erneuerungsprogramm die Kosten steigen. Zum Vergleich: 1979 kostete der Kubikmeter Wasser in Baden-Württemberg nur 64 Cent.
Nur in Bremen war das Wasser im Vorjahr teurer als in Baden-Württemberg
Bundesweit war im Vorjahr nur in einem anderen Land Wasser teurer: In Bremen kostete der Kubikmeter 2,44 Euro. Am wenigsten musste man in Niedersachsen (1,43 Euro) dafür zahlen. Der bundesweite Schnitt betrug 1,83 Euro. Im Südwesten seien die Versorgungsstrukturen gerade in der Region Schwarzwald und der Schwäbischen Alb sehr kleinteilig und dezentral, was sich auf die Preise auswirke.
Wie das Ministerium mitteilte, beobachte die Landeskartellbehörde für Wasser die Trinkwasserpreise von Versorgungsunternehmen, die privatrechtliche Entgelte erheben. Das sind derzeit 84 im Land. Nicht der Kartellaufsicht hingegen unterliegen Wasserversorger, die auf öffentlich-rechtlicher Grundlage Gebühren erheben.
Deutsche verbrauchen pro Kopf deutlich weniger Wasser als 1990
Positive Nachrichten gibt es jedoch auch: Die Deutschen gehen bewusster mit ihrem Wasser um. Im Zeitraum von 1990 bis 2010 sei der personenbezogene Wassergebrauch in Deutschland um 17 Prozent auf 122 Liter pro Kopf und Tag gesunken. Dies geht aus einem 2023 veröffentlichten Leitfaden zur Wasserpreiskalkulation im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft und des Verbands kommunaler Unternehmen hervor.
Leitungswasser ist der ideale Durstlöscher. Es schont die Umwelt und den Geldbeutel. Doch Vorsicht: Es kann mit gesundheitsschädlichen Stoffen verunreinigt sein. (cgsc mit dpa)
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