Neuer Elektro-SUV

Chinas Antwort auf Tesla? Der Xpeng G6 im Check

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Der chinesische Hersteller Xpeng macht Ernst. Der G6 kombiniert futuristisches Design mit innovativer Technik, zeigt aber auch Schwächen in der Bedienung.

Wer nicht zu tief in das Segment der Elektroautos eintaucht, wird mit dem Namen Xpeng erst einmal nicht viel anfangen können. Benannt ist dieser Hersteller nach dem Vorstandsvorsitzenden He Xiaopeng, und dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um ein kurzlebiges Start-up handelt, zeigt die Tatsache, dass Volkswagen im Jahr 2023 für rund 700 Millionen US-Dollar (rund 667 Millionen Euro) einen fünfprozentigen Anteil an der Firma erwarb, um gemeinsam E-Autos zu entwickeln. Offensichtlich ist der junge chinesische Hersteller technologisch mindestens auf Augenhöhe mit den Wolfsburgern. Und mit der Marke GAC steht schon der nächste Hersteller aus China in den Startlöchern. Gute Nachrichten kommen dazu vom Kraftfahrt-Bundesamt KBA: Der Absatz von Elektroautos hat zum Jahresstart 2025 deutlich angezogen.

Das Markenlogo ziert die Frontpartie

Das Design des G6, das neben den Modellen P7 und dem im Luxussegment angesiedelten G9 hierzulande auf dem Markt ist, sticht nicht aus der Masse heraus. Es ist ein SUV-Coupé, dessen charakteristische Formen man bereits bei einigen anderen Mitbewerbern gesehen hat. Was aber kein Nachteil ist. In der Frontpartie ist das mittig angebrachte Markenlogo attraktiver Blickfang.

Frontpartie mit dem markanten Markenlogo mitten in der Lichtleiste.

Im Innenraum dominiert unter dem durchgängigen, einteiligen Glasdach eine eher nüchterne Linie. Es findet sich kein überflüssiger Zierrat, dafür ist alles klar angeordnet. Dominiert wird das Armaturenbrett vom knapp 15 Zoll messenden Bildschirm, ergänzt wird dieser durch den 10,2 Zoll großen Bildschirm hinterm Lenkrad. Fast alle Informationen bezieht man von diesen beiden Monitoren, fast alle Funktionen werden hier mittels Fingerberührung gesteuert, was anfangs einiger Übung bedarf.

Klare Linien und der große Bildschirm dominieren den Innenraum.

Am Lenkrad werden nur Gebläseintensität, Innenraumtemperatur und Radiolautstärke reguliert. Vor allem in der ersten Zeit ist die Konzentration auf den Monitor ziemlich gewöhnungsbedürftig. Es dauert nämlich, bis man die wichtigsten Befehlsfunktionen auswendig gelernt hat, die überdies auf für uns nicht immer logischen Ebenen aufgerufen werden müssen. Und es empfiehlt sich, sich vor dem Start damit vertraut zu machen. Wir verzichteten großzügig darauf und mussten prompt bei beschlagener Frontscheibe den ersten Parkplatz anfahren und Nachhilfe in der Klimatisierungssteuerung nehmen.

Sicherheitsgewinn durch Kamerabild beim Abbiegen

Viel Lob verdient sich der Xpeng durch den optischen Abbiegeassistenten: Bei Blinkerbetätigung wird eine Kamera rechts bzw. links am Außenspiegel aktiviert, die den toten Winkel fast vollständig minimiert. Auch bei Regen bietet dieses System, das ansonsten nur von Fahrzeugen aus dem Hyundai-Konzern (Hyundai, Kia, Genesis) bekannt ist, eine gute Rücksicht. Bei Hyundai wird das Kamerabild im Cockpit angezeigt, im G6 läuft das Video auf dem Bildschirm am Armaturenbrett, wofür man den Kopf drehen muss, dafür kann man das Bild aber riesengroß zoomen.

Wehe, wenn man gähnt – dann wird der Assistent aktiv

Mit Assistenzsystemen ist der Xpeng übrigens bestens ausgestattet, es sollen laut Ausstattungsliste serienmäßig 24 an der Zahl sein. Und wie man es von Fahrzeugen aus chinesischer Produktion kennt, sind diese sehr aufmerksam und sehr dominant. Aktiviert sich beispielsweise der Spurhalteassistent, weil man die Fahrspur nicht optimal einhält, erscheint der orthografisch nicht ganz korrekte Befehl „Hände sofort am Lenkrad“ im Display hinterm Lenkrad. Wagt man, während der Fahrt zu gähnen, registriert dies die an der A-Säule montierte Kamera sofort und mahnt zu mehr Aufmerksamkeit am Steuer.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Platz 10 – Lucid (USA): Schick sieht er ja schon aus der Air. Und mit rund 800 Kilometern Reichweite ist das Elektroauto auch absolut langstreckentauglich. In Deutschland ist das Luxusmobil aber noch ein absoluter Geheimtipp © Lucid Motors
Luicid Air
Grade einmal 392 Neuzulassungen gab es 2024 in Deutschland. Das dürfte auch an dem Preis liegen. Der Lucid Air kostet in der Basisversion Pure bereits stolze 85.000 Euro. Wer den Luxus-Strom voll ausgestattet haben will, muss für den Air Sapphire sogar 250.000 Euro auf den Tisch legen. © Lucid Motors
Lotus Emeya
Platz 9 – Lotus (China): Hier trifft Tradition auf Moderne. Oder britisches Understatement auf chinesische Technologie. Denn wie MG gehört auch diese britische Ikone längst zu einem chinesischen Konzern. © Lotus Cars
Lotus Eltere
Doch anders als MG tut sich Lotus auf dem deutschen Markt noch schwer. Lediglich 365 Autos wurden 2024 verkauft. Das dürfte auch dem Wandel zur Elektromobilität geschuldet sein. © Lotus
Rolls-Royce Cullinan
Platz 8 – Rolls-Royce (Großbritannien): Wenn es um Luxusautos geht, führ kein Weg an Rolls-Royce vorbei. Die Briten stehen für Handarbeit, opulente Materialien und absolute Exklusivität. Ein echtes Statussymbol eben. © Rolls-Royce
Rolls-Royce Cullinan
Das hat natürlich seinen Preis und den können nur wenige zahlen. Wer Rolls-Royce fährt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen: Grade einmal 360 Fahrzeuge gingen 2024 an die gutbetuchte Kundschaft. © Rolls-Royce
Leapmotor T03
Platz 7 -Leapmotor (China): Ein weiterer Geheimtipp, der sich aber vermutlich nicht mehr lange auf dieser Liste finden dürfte. Denn Leapmotor gehört zum Stellantis-Konzern und greift mit dem günstigen T03 in Europa an. © Leapmotor
Leapmotor C10
Bisher sind die Zulassungszahlen aber noch sehr übersichtlich. 2024 wurde grade einmal 178 Autos bestellt. © Leapmotor
Cadillac Lyriq
Platz 5 – Cadillac (USA): Normal sind es die USA eher gewohnt, die Welt anzuführen. Oder wie Donald Trump sagen würde: America first! Im Falle von Cadillac klappt das jedoch nicht so wirklich gut. © Weigl/Cadillac
Cadillac Lyriq
2024 setzten die Amerikaner lediglich 175 Einheiten des Elektroautos Lyriq ab. Der E-SUV ist derzeit das einzige Modell das Cadillac hierzulande anbietet. © Simon Rainer/Cadillac
VinFast VF 6
Platz 5 – Vinfast (Vietnam): Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das gilt auch für das Ranking der seltensten Automarken. Und so teilen sich Vinfast und Cadillac den fünften Rang. © Pond5 Images/Imago
Vinfast VF8
Denn auch Vinfast setzte im Jahr 2024 lediglich 175 Elektroautos in Deutschland ab. Das erste Auto wurde im Mai 2024 übergeben und das, obwohl man eigentlich schon 2022 auf den hiesigen Markt expandieren wollte. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Platz 4 – Fisker (USA): Ein saubere Zukunft für alle. Das versprach Fisker. Möglich machen sollten das nachhaltige Materialien. Doch da Projekt scheiterte krachend. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Statt sauberen Meeren gab es finanzielle Probleme. Die 134 Autos, die in Deutschland verkauft wurden, waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Sommer 2024 meldete Fisker schließlich Insolvenz an. © Pond5 Images/Imago
Maxus EUNIQ 6
Platz 3 - Maxus (China): Die Strategie mit der Maxus nach Europa kam, unterscheidet sich von den zahlreichen anderen Marken aus Fernost. Neben Elektroautos hat Maxus auch Transporter im Angebot. © Maxus
Maxus e-Delivery
Trotzdem spielt die Marke in Deutschland keine wirkliche Rolle. Lediglich 70 Fahrzeuge wurden 2024 neuzugelassen. © Maxus
Lynk & Co. 02
Platz 2 – Lynk & Co. (China): Auch Lynk & Co. geht in Deutschland mit einem ungewöhnlichen Konzept an den Start. Die Autos gibt es lediglich im Abo, aber nicht zu kaufen. © Lynk & Co.
Lynk & Co. 01
Wirklich erfolgreich ist das Konzept in Deutschland aber nicht. Grade einmal 68 Abos wurde 2024 abgeschlossen. © Lynk & Co.
Zwei Autos von Aiways
Platz 1 – Aiways (China): Noch seltener erblickt man in Deutschland nur die Autos von Aiways. Und das obwohl der Hersteller bereits seit 2020 in Deutschland aktiv ist. © Aiways
Aiways U6 SUV-Coupé
Wirklich erfolgreich war man seitdem jedoch nicht. 2024 lief für den chinesischen Hersteller aber besonders schlecht. Nur 27 Autos wurden verkauft – das sind nicht einmal zwei pro Monat.  © Aiways

Der Blick auf den Verkehr in der Umgebung

Eine ebenfalls im Automobilbereich bislang eher seltene Grafik wird bei der Fahrt auf dem Monitor aktiviert: Das Display zeigt ein mit KI generiertes Bild der unmittelbaren Umgebung an, der Xpeng ist virtuell von anderen Verkehrsteilnehmern umringt. Auch einzelne Fußgänger oder Radfahrer werden sichtbar, wobei die Anzeige nicht ganz synchron mit dem tatsächlichen Verkehrsgeschehen ums Auto herum abläuft.

Das muss die Sprachsteuerung noch lernen

Bei der Sprachsteuerung, die zum Beispiel mit „hallo, Xpeng!“ aktiviert werden kann, befindet sich die Technik offenbar noch im Lernprozess. Nach dem Aktivieren erscheint ein kleiner animierter Roboter mit Kugelaugen, der eigentlich helfen soll. Unseren Wunsch nach einer Zielführung quittierte er mit der hilflosen Antwort „Xpeng weiß nicht, wie es funktioniert“ und erklärte stattdessen ausführlich die Funktion der Rückspiegelverstellung, anstatt das gewünschte Ziel anzuzeigen.

Der elektronische Helfer Xpeng mit seinen Kulleraugen unterstützt den Fahrer, muss aber noch einiges lernen.

Auch als Fahrer muss man im Xpeng dazulernen: Die Navigation führte nicht ans Ziel, wenn wir „Bayerstraße 30 München“ sagten, sie funktionierte dagegen tadellos, wenn wir zwischen der Straße und dem Zielort das Satzzeichen „Komma“ nannten: „Bayerstraße 30 Komma München“.

Entspannt in der Stadt, souverän auf der Autobahn und flott auf der Landstraße

Beim Fahrverhalten in der Stadt, über Land und auf der Autobahn überzeugte der Xpeng G6 mit Hinterradantrieb in allen Situationen. Trotz der üppigen Dimensionen (4,75 Meter Länge, 1,92 Meter Breite) fühlten wir uns dank diverser entsprechender Assistenten auch im Berufsverkehr innerorts wohl. Sehr angenehm war das Reisen bei entspannter Autobahn-Richtgeschwindigkeit, auf das angegebene Höchsttempo von 200 km/h beschleunigten wir nur kurzzeitig und aus Chronistenpflicht.

In der Stadt, auf der Autobahn und auf Landstraßen ist man im Xpeng G6 entspannt unterwegs.

Mehr Spaß als beim schnöden Geradeausfahren hatten wir, als wir das gut zwei Tonnen schwere SUV im Sportmodus über Landstraßen scheuchten. Denn auch diese Disziplin absolvierte der Wagen im legalen Bereich ohne Tadel, lag stets sicher auf der Straße und nahm jede Kurve sauber auf der gewählten Linie.

Große Unterschiede bei der Reichweite an kalten und warmen Tagen

Wie bei jedem Elektroauto hatten Temperatur und Tempo großen Einfluss auf Verbrauch und Reichweite. Da unser Test auch an eiskalten Wintertagen stattfand, blieben uns an diesen Tagen gerade mal 400 Kilometer Reichweite bei vollem 87,5-kW-Akku. Der Verbrauch lag knapp über 20 kWh pro 100 Kilometer. Bei steigenden Temperaturen näherten wir uns zumindest annäherungsweise der 500-Kilometer-Marke, die werksseitig angegebenen 570 Kilometer blieben aber unerreichbar. Am Schnelllader konnte mit bis zu 280 kW neue Power gezogen werden, was die Standzeit entsprechend kurz hielt. Deutlich länger dauerte es an der AC-Säule, da hier die Ladeleistung nur 11 kW beträgt. Deutlich schneller soll das Laden werden, hat der chinesische Mitbewerber BYD angekündigt: Er plant 1.000-kW-Ladestationen, die in fünf Minuten 400 Kilometer Reichweite nachladen.

Nur bei höheren Temperaturen erreicht man mit dem Xpeng G6 Reichweiten von über 500 Kilometern.

Futuristisch ist die Türöffnung von innen per Knopfdruck, die ein Gefühl von Raumkreuzer vermittelt (und die man jedem Mitfahrenden erklären muss). Vermisst haben wir ein Handschuhfach, obwohl vor dem Beifahrersitz eigentlich viel Platz zu sein scheint. Als Ablagen gibt es nur ein größeres Fach mit Deckel in der Mittelkonsole, ansonsten mehrere offene Ablagen.

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Es gibt nur zwei Extras: Anhängerkupplung und Lackierung

Die Preisliste ist kurz und knapp: 47.600 Euro kostet der Xpeng G6 Long Range. Bei den Sonderausstattungen findet sich nur eine elektronisch ausfahrbare Anhängerkupplung für 1.160 Euro, und wer das serienmäßige Arctic White nicht mag, kann unter vier Lackierungen wählen, die je 800 Euro kosten.

Beim Xpeng G6 sind Leistung und Ausstattung und der Preis sehr attraktiv.

Mit dem Xpeng fährt ein weiterer Stromer aus China vor, der im mittleren bis gehobenen Segment angesiedelt ist: Leistung und Ausstattung sind top, der Preis sehr attraktiv. Alleine die sehr futuristische und bisweilen gewöhnungsbedürftige Technik der Bedienelemente muss man mögen.

Rubriklistenbild: © Xpeng

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