Immer mehr Hersteller aus China streben den Markteintritt in Deutschland an. Xpeng ist einer von ihnen. Mit dem G9 möchte das Unternehmen in Deutschland überzeugen. Doch wie schlägt sich der SUV?
Wenn es um Autos im Premium-Segment geht, denken die allermeisten wohl an Audi, Mercedes oder BMW. Doch die deutschen Platzhirsche bekommen zunehmend Druck von der Konkurrenz aus China. Und die versteift sich längst nicht mehr nur auf den Heimatmarkt, sondern drängt auch nach Europa – trotz Strafzöllen der EU. Neben BYD und Nio positioniert sich auch Xpeng mit immer mehr Modellen auf dem deutschen Markt.
Eines davon ist der Xpeng G9. Mit 4,89 Meter Länge positioniert sich das SUV in der gleichen Klasse wie ein Mercedes-Benz EQE, Audi Q8 e-tron oder dem BYD Tang. Optisch steht der G9 seiner Konkurrenz in nichts nach, ganz im Gegenteil. Die klaren Formen und Linien gefallen. Und dank der flachen Front, weiß man als Fahrer immer genau, wo das Elektroauto endet.
Xpeng G9 im Test: Innenraum bietet viel Luxus
Aber wie heißt es so schön: Aussehen ist nicht alles, es sind die inneren Werte, die zählen. Also einsteigen, bitte. Und siehe da, auch im Innenraum überzeugt der Xpeng G9, auch wenn die Farbkombination aus Braun/Orange und Schwarz nicht jedem gefällt – zumindest uns nicht.
Das macht der SUV aber mit gemütlichen und vielseitig einstellbaren Sitzen samt Massagefunktion wett. Diese lassen sich zudem beheizen und belüften. Dank des großen Panoramadachs ist der Innenraum zudem lichtdurchflutet. Und auch im Fond gibt es viel Platz für Passagiere.
Xpeng G9 im Test: Auch der Beifahrer bekommt einen Bildschrim
Ein besonderes Highlight sind die beiden 15 Zoll großen Touchscreens in der Mittelkonsole. Hinzu kommt ein 10,25 Zoll Tachodisplay, der die wichtigsten Informationen anzeigt. Was es aber nicht gibt, sind Knöpfe – abgesehen vom Multifunktionslenkrad. Über dieses lässt sich zwar die Temperatur der Klimaanlage anpassen, allerdings nur, wenn man nicht grade mit dem Abstandstempomat unterwegs ist. Die meisten Funktionen muss man also über den Touchscreen steuern. Das finden nicht nur wir ärgerlich, sondern auch die EuroNCAP. Die will künftig nämlich Sterne abziehen.
Alternativ klappt es auch per Sprachbefehl, allerdings versteht der Sprachassistent noch nur Englisch. Deutsch soll aber noch 2024 nachgereicht werden. Dafür lassen sich Smartphone problemlos kabellos mit dem Auto verbinden und via Apple CarPlay oder Android Auto spiegeln. Diese lassen sich entweder über die vorhandenen USB-Anschlüsse oder die beiden induktiven Ladeschalen in der Mittelkonsole laden. Damit die Handys nicht überhitzen, hat Xpeng ein Gebläse integriert. In der Mittelkonsole gibt es zudem ein Staufach, das sich sowohl nach rechts als auch links öffnen lässt.
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Wie aber fährt sich der Xpeng G9? Ziemlich gut, wie sich schnell zeigt. Die Feinabstimmung von Fahrwerk und Antrieb ist kaum zu kritisieren. Egal ob auf der Autobahn oder in der Stadt, die Fahrt macht Spaß. Und auch schlechtere Straßen meistert der SUV sehr gut. Besonders komfortabel wird es in der Allradversion, die mit einer Luftfederung kommt.
Angetrieben wird der Xpeng G9 von einem 230 kW (313 PS) starkem Elektromotor an der Hinterachse. Die Allradversion kommt sogar auf 405 kW (551 PS). Den Sprint von Null auf 100 schafft der SUV in 6,4 respektive 3,9 Sekunden. Die WLTP-Reichweite des Basis-Modells mit der 78-kWh-Batterie liegt bei 460 Kilometer. Die Long Range-Version mit der großen 98-kWh-Batterie schafft 570 Kilometer. Wer den G9 als Allradler bestellt, muss nach 520 Kilometern an die Ladesäule. Und hier spielt der Xpeng seine große Stärke aus. Er lädt nämlich ultraschnell. Beim kleinen Akku sind bis zu 260 kW möglich, der größere kann sogar mit bis zu 300 kW laden. Und die schöpft der G9 auch im Winter nahezu aus. In rund 15 Minuten ist der Akku so von 20 auf 80 Prozent geladen. Das reicht nicht mal für eine Folge einer Netflix-Serie. Womöglich aber um mit dem Wellness-Programm zu entspannen.
Xpeng G9 im Test: Ampelerkennung überzeugt
Und auch die Assistenzsysteme des SUV sind auf längeren Strecken eine absolute Unterstützung. Der Tempomat mit Abstandhalteautomatik macht seinen Job sehr gut. Einziges Manko, die automatische Anpassung der Geschwindigkeit an die Verkehrsschilder mussten wir immer wieder einschalten. Positiv ist hingegen: Wird das Tempolimit überschritten, kann der vorgeschriebene Geschwindigkeitswarner der EU über den Touchscreen deaktiviert werden.
Standard Range/Long Range
Performance
Länge/Breite/Höhe (mm)
4891 / 1937 / 1670
4891 / 1937 / 1670 (nit Luftfederung)
Radstand (mm)
2998
2998
Anzahl Sitze
5
5
Kofferraumvolumen (L)
660L / 1576L (bei umgeklappter Rücksitzbank)
660L / 1576L (bei umgeklappter Rücksitzbank)
Leistung
230 kW (313 PS)
405 kW (662 PS)
Drehmmoment
430 Nm
717 Nm
Ladetechnik
800 Volt
800 Volt
Doch damit nicht genug. Der Xpeng G9 erkennt auch Ampelfarben und zeigt diese auf dem Display hinterm Lenkrad an. Grade an uneinsichtigen Ampeln ist das eine Funktion, die wir nicht mehr missen wollen. Manchmal erkennt das System aber auch Schilder von Tankstellen etc. als Ampel. Gut also, dass der XPilot bei eingeschalteter Lance Centering Control (Spurhalteassistent) nicht automatisch bremst. Aktiviert wird diese, wie auch der Tempomat, übrigens über einen Hebel hinterm Lenkrad. Beim Parken unterstützen zahlrieche Kameras rund um das Auto. Wer sich bei engen Lücken nicht traut, kann die Aufgabe aber auch an das Auto abgeben. Die Xpeng-App ist zudem eine praktische Ergänzung, in der zahlreichen Funktionen abgerufen werden können, wie etwa Akku vorheizen oder die Scheiben enteisen. So wird das Handy auch schnell zum Schlüssel.
Doch was kostet so viel Luxus? Tatsächlich weniger als man meinen würde. Die Basisversion des Xpeng G9 gibt es bereits ab 59.600 Euro. Die Version mit mehr Reichweite gibt es ab 63.600 Euro. Wer die Performance-Variante des Xpeng G9 haben will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Hier geht es ab 71.600 Euro los. Die gute Nachricht ist aber: Die Liste der Sonderausstattungen ist kurz.