Zahlencodes auf Diplomatenkennzeichen: Wie man sie entschlüsselt
VonSebastian Oppenheimer
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Diplomatenkennzeichen sind mehr als eine Ansammlung aus Nummern und Buchstaben. Ist man in der Lage, den Code zu entschlüsseln, erfährt man einiges über den Fahrer.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Nummernschilder auf deutschen Straßen. Grüne Kennzeichen beispielsweise tragen Fahrzeuge, die von der Kfz-Steuer befreit sind. Rote Kennzeichen hingegen haben eine Bedeutung, die vom Zahlencode abhängt – die Zahlenkombination 07 ist zum Beispiel für Oldtimer vorgesehen. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer spezieller Kennzeichen wie gelbe (Kurzzeitkennzeichen), Saisonkennzeichen oder Wechselkennzeichen. Ein besonderer „Spezialfall“ sind die Diplomatenkennzeichen, die in drei verschiedenen Varianten existieren und durch ihre Zahlencodes einiges über das Fahrzeug beziehungsweise den Fahrer preisgeben.
Je niedriger die Zahl nach dem Bindestrich – desto höher der diplomatische Rang
Die erste Variante der Diplomatenkennzeichen beginnt mit einer Null, gefolgt von der sogenannten Landeskennzahl und einer weiteren, durch einen Bindestrich getrennten Zahl. Je niedriger diese Zahl, desto höher der diplomatische Rang des Fahrers. So ist die 1 in der Regel auf dem Dienstfahrzeug des Botschafters oder des Leiters der Organisation zu finden. Der Ländercode kann in entsprechenden Tabellen nachgeschlagen werden: Die 29 steht zum Beispiel für die Volksrepublik China, 75 für Kanada und 93 für Monaco. Ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen 0 29-1 wäre demnach das Dienstfahrzeug des chinesischen Botschafters. Bei dieser Variante des Diplomatenkennzeichens muss zudem ein Aufkleber mit dem Kürzel „CD“ (Diplomatisches Corps) am Fahrzeug angebracht sein.
Was passiert, wenn ein Diplomatenkennzeichen gestohlen wird
Sollte ein solches Kennzeichen gestohlen werden oder verloren gehen, erhält das Fahrzeug eine sogenannte Alias-Nummer. Das bisherige Kennzeichen wird dann durch den Buchstaben „A“ ergänzt, bis die Sperrfrist von einem Jahr abgelaufen ist. Geht auch das „A“-Kennzeichen verloren, wird das nächste Kennzeichen mit dem Buchstaben „B“ versehen, und so weiter. Wichtig zu wissen ist, dass auch Diplomatenfahrzeuge das „H“ für historische Fahrzeuge in ihrem Nummernschild tragen können, weshalb dieser Buchstabe bei Alias-Kennzeichen nicht verwendet wird.
Diplomatenkennzeichen: Variante für Verwaltungsmitarbeiter
Die zweite Variante der Diplomatenkennzeichen beginnt nicht mit einer Null, sondern mit der Ortskennung der Zulassungsstelle. Ansonsten gibt es keine wesentlichen Unterschiede zur ersten Variante. Diese Art von Diplomatenkennzeichen ist hauptsächlich für Verwaltungsmitarbeiter vorgesehen, weshalb in diesem Fall der Aufkleber „CD“ nicht am Fahrzeug angebracht werden darf. Sowohl die erste als auch die zweite Variante werden von den Zulassungsstellen in Bonn und Berlin ausgegeben. Ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen B 75-121 wäre also das Fahrzeug eines Mitarbeiters der kanadischen Botschaft.
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Angehörige von Konsulaten brauchen einen zusätzlichen Aufkleber
Die dritte Variante der Diplomatenkennzeichen ist für Mitglieder von Konsulaten vorgesehen und gibt deutlich weniger Informationen preis als die beiden anderen Versionen. Dieses Kennzeichen beginnt mit der Ortskennung, gefolgt von einer drei- bis fünfstelligen Zahlenfolge, die immer mit einer 9 beginnt. Einen Ländercode gibt es bei dieser Variante nicht. Bei diesem Typus muss am Fahrzeug ein Aufkleber mit dem Kürzel „CC“ (Corps Consulaire) angebracht sein. Weder in Bonn noch in Berlin wird diese Variante verwendet.
Die ersten beiden Varianten der Diplomatenkennzeichen werden nicht nur an diplomatische Missionen vergeben, sondern auch an internationale Organisationen. In diesen Fällen steht der Zahlencode für die jeweilige Mission. Fahrzeuge der Europäischen Zentralbank (EZB) tragen beispielsweise den Code 171, die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) den Code 172 und das Europäische Patentamt (EPA) den Code 184.