VonAdrian Kilbschließen
Mit dem „Boomer-Soli“ soll der Kampf gegen die Armutsgefährdung im Alter aufgenommen werden. Die Leittragenden wären reiche Rentner. Doch wen trifft es genau?
Ein sogenannter „Boomer-Soli“ als Mittel gegen die Altersarmut – mit dem Vorstoß hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine hitzige Diskussion angeheizt. Armutsgefährdung im Alter in Deutschland ist kein neues Phänomen, wie die Malteser berichten. Bereits 2005 war demnach jeder neunte Mensch über 65 Jahren davon betroffen. Der Wert kletterte laut Statistischem Bundesamt (Destatis) im Jahr 2024 auf 19,6 Prozent.
Diesen einkommensschwachen Ruheständlern in der Rente soll mit der Sonderabgabe auf Alterseinkünfte unter die Arme gegriffen werden, um sie im besten Fall aus der Altersarmut herauszuholen. Doch wer müsste in dem Fall Geld herausrücken?
Umstrittener „Boomer-Soli“: Wer die Sonderabgabe für arme Rentner entrichten müsste
Durch den „Boomer-Soli“ sollen gezielt Personen mit hohen Alterseinkünften „moderat“ belastet werden, wie es in dem aktuellen Wochenbericht der Ökonomen heißt. Die Umverteilung soll ausschließlich innerhalb der älteren Generation stattfinden, sodass die jüngere Generation weitgehend verschont bleibt. Hundertausende Babyboomer der 50er und 60er Jahre gehen jetzt nach und nach in den Ruhestand und belasten die Rentenkasse. Das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland gerät dadurch zunehmend unter Druck, schreiben die Experten des Berliner Instituts.
Die Abgabe soll in ein Sondervermögen fließen, das nur für die Umverteilung der Alterseinkünfte verwendet werden darf. Sie träfe in erster Linie gut versorgte Ruheständler, denen es nicht allzu weh tut, einen zusätzlichen Beitrag zu leisten, heißt es in dem DIW-Bericht. Vorgeschlagen werden Freibeträge, vor allem das oberste Einkommensfünftel würde belastet.
Wer gilt in Deutschland als armutsgefährdet?
Armutsgefährdet sind alle Menschen, deren Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Bedarfs-gewichteten Pro-Kopf-Einkommens (Median) der Bevölkerung liegt. Für eine alleinlebende Person lag diese Armutsrisikoschwelle im Jahr 2024 laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) bei etwa 1378 Euro netto im Monat. Besonders betroffen sind Frauen und Menschen in Ostdeutschland sowie Senioren ab 75 Jahren.
Auch Beamte: Einkommensstarke Rentnerhaushalte sollen „Boomer-Soli“ finanzieren
Es soll ein Freibetrag von monatlich rund 1.000 Euro gelten. Darüber wollen Wirtschaftsforscher eine Sonderabgabe von zehn Prozent einführen. Damit würden zirka 20 Prozent der Rentnerhaushalte mit den höchsten Einkommen moderat belastet „Abhängig davon, ob auch Kapitaleinkünfte für den Boomer-Soli herangezogen werden oder nicht, hätten Personen in diesen Haushalten ein um drei bis vier Prozent geringeres Nettoäquivalenzeinkommen“, schreiben die DIW-Experten aus Berlin.
Herhalten für den Boomer-Soli müssten nicht nur Ruheständler in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch solche, die private und betriebliche Renten sowie sonstige Versorgungsbezüge nutzen. Auch Beamten im Ruhestand sollen die Pensionen gestutzt werden. Gegebenenfalls muss darüber hinaus das Vermögenseinkommen herhalten. echo24.de berichtet, wer zur Oberschicht der Rente gehört und meinem Geld als „besser gestellt“ gilt.
„Der Boomer-Soli würde also auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die gesetzliche Rente für viele wohlhabende Haushalte oft nur eine geringere Rolle spielt und sonstige Alterseinkünfte einen deutlich größeren Anteil am Einkommen haben“ argumentieren die Ökonomen weiter.
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