Teure Stürmer, wenig Platz: Eintrachts 47-Millionen-Dilemma
VonChristopher Michel
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Eintracht Frankfurt hat viel Geld für den Sturm investiert. Spielen Jonathan Burkardt und Elye Wahi gemeinsam? Trainer Dino Toppmöller steckt in der Klemme.
Frankfurt – Es war eine deutliche Ansage auf die Frage von Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, ob Eintracht Frankfurt auf ein System mit Doppelspitze umstellen könnte. Trainer Dino Toppmöller richtete das Mikrofon und sendete eine klare Botschaft: „Vielleicht in einem Spiel, aber nicht auf Dauer, weil wir nicht genug Stürmer haben.“
Diese Ansage ist aus mehreren Gründen problematisch. Jonathan Burkardt und Elye Wahi waren teuer, das Duo hat zusammenaddiert knapp 47 Millionen Euro gekostet. Einer von beiden wird zu Beginn der Partien zumeist auf der Bank Platz nehmen müssen. Das große Ziel, Marktwerte zu steigern, kann so nur äußerst schwer erreicht werden.
Burkardt und Wahi? Eintracht-Trainer schiebt den Riegel vor
Da Burkardt als „Königstransfer“ im Sommer und nach zuletzt drei Pflichtspieltreffern die Nase deutlich vorn hat, ist die Rolle für Wahi klar. Der im Winter aus Marseille gekommene Angreifer wird überwiegend die Jokerrolle annehmen und über Kurzeinsätze Akzente setzen müssen. Für ihn wird es somit nicht leichter, Selbstvertrauen zu tanken und die Zweifel von Beobachtern zu zerstreuen.
Die Konkurrenz kann sich somit auf die Eintracht mit Ein-Mann-Spitze einstellen. Toppmöller ist es offenbar zu riskant, nur noch Michy Batshuayi als Alternative ins Rennen schicken zu können. Nicht umsonst wollten die Hessen am Deadline Day noch William Osula von Newcastle United verpflichten. Schon jetzt gehen die Spekulationen los, ob der 22-Jährige im Winter kommt.
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Toppmöller hat in seiner Zeit bei der Eintracht nur in der Phase, als er Hugo Ekitiké und Omar Marmoush gemeinsam im Kader hatte, auf zwei Angreifer gesetzt. Vor allem der Ägypter war aber sehr mobil und daher überall auf dem Platz unterwegs. Aber auch Ekitiké war kein klassischer Strafraumstürmer. Der Franzose ließ sich häufig fallen und holte sich das Leder am Mittelkreis ab.
Burkardt hingegen hält sich vor allem in der Box auf. Der 25-Jährige weicht zwar punktuell, wie bei seiner Flanke vor dem zwischenzeitlichen 2:1 gegen Galatasaray Istanbul (5:1), auf die Außenbahnen aus. Er ist aber in ganz anderer Stürmertyp als Ekitiké oder Marmoush. Wahi hingegen sucht vermehrt die Anschlüsse auf dem Platz, er ist viel unterwegs, aber auch kein Mann für das Eins-gegen-Eins.
Ihm fehlen in der Gesamtheit allerdings die prägenden Aktionen. Sportvorstand Markus Krösche sagte schon vor längerer Zeit: „Das System mit nur einer Spitze liegt ihm nicht so.“ Für Elye Wahi wird die Herausforderung im Trikot der Hessen somit nicht kleiner. Toppmöller jedenfalls rückt von einem System mit Ein-Mann-Sturm vorerst nicht ab.
Experte noch unschlüssig: „Das Profil von Wahi passt oft nicht rein“
Max-Jacob Ost, Gründer des Podcast Rasenfunk, sagte im exklusiven Gespräch mit Absolut Fussball: „Das Profil von Wahi passt ehrlicherweise oft nicht rein. Gegen Union hat man gesehen, dass er in manchen Szenen praktisch zerschellt ist an der Abwehr. Außerdem hat er darunter gelitten, dass der Matchplan am Ende Flanken in die Mitte vorgesehen hat. Dafür ist Wahi nicht der richtige Zielspieler.“
Rasenfunk-Gründer Max-Jacob Ost im Interview
Max-Jacob Ost hat vor mehr als zehn Jahren den beliebten Podcast Rasenfunk ins Leben gerufen. Eintracht Frankfurt steht daher auch regelmäßig im Blickfeld des Journalisten, der sich zudem mit dem Podcast „11 Leben“ über Uli Hoeneß einen Namen gemacht hat. Sehen Sie das gesamte Interview über aktuelle Themen rund um die Eintracht hier.
Allerdings bringe Wahi Tempo und eine gute Ballkontrolle mit, dies könne wertvoll für das Umschaltspiel sein. Ob es im Zusammenspiel mit Burkardt passt? Diese Frage wird sich offenbar so schnell nicht beantworten lassen. Es sei denn, Toppmöller hat alle getäuscht und sorgt für die große Überraschung.