Der Eintracht-Stürmer kommt nach einem schwierigen Start so langsam in Fahrt – damit hatten viele schon nicht mehr gerechnet.
Frankfurt – Es ist noch nicht so lange her, da gab Eintracht-Sorgenkind Elye Wahi Rätsel auf – externen Beobachtern und internen Entscheidern. Zum Beispiel im großen Bundesligafinale um die Champions-League-Qualifikation in Freiburg Mitte Mai. Da kam der sündhaft teure Stürmer kurz vor Schluss in die Partie, eine Partie, die längst gelaufen schien; die Freiburger konnten nicht mehr, die Eintracht führte locker mit 3:1, alles unter Kontrolle, der Drops gelutscht.
Doch Elye Wahi schaffte es im Alleingang dann fast, das Spiel noch mal spannend zu machen. Denn seit seiner Einwechselung spielten die Frankfurter quasi mit einem Mann weniger, keinen Ball konnte er festmachen, irrlichterte übers Feld, einmal prallte er förmlich an einem Breisgauer Abwehrspieler ab. Das sah so aus, als habe sich ein U-13-Spieler auf einen Bundesligarasen verirrt. Nun ja, ein paar Minuten später war Schluss, es ging noch mal gut. Und doch sorgte Wahis Kurzeinsatz für Kopfschütteln.
Für Wahi nahm sich der Eintracht-Coach Zeit
Und auch die Vorbereitung zur neuen Saison startete eher suboptimal. Im ersten Test gegen den FSV Frankfurt zeigte der 22-Jährige eine Leistung, die fast schon jeder Beschreibung spottete und die selbst Cheftrainer Dino Toppmöller ratlos zurückließ. Die ersten Tage im Trainingslager in Louisville, Kentucky, verliefen ebenfalls ernüchternd. Im Training schoss er mit bemerkenswerter Konsequenz eine Fahrkarte nach der anderen. Der junge Mann schien am Boden, das bisschen Selbstvertrauen ganz futsch. Wie sollte das nur weitergehen?
Doch Dino Toppmöller ist kein Fußballlehrer, der einen Spieler schnell fallenlässt, außer er erweist sich als Spaltpilz, ist schädlich für die Homogenität der Gruppe. Dann kann der 44-Jährige auch anders, Hallodri Eric Dina Ebimbe wurde von Toppmöller gnadenlos abserviert. Bei Elye Wahi aber nahm sich der Chefcoach die Zeit, um ihm eindringlich zu vermitteln, was er von ihm erwartet. „Er muss sich steigern. Das weiß er auch. Er ist über die jetzige Situation auch nicht glücklich“, sagte der Trainer zu Beginn des Trainingscamps in den Staaten und fügte an: „Wir geben ihm die maximale Unterstützung.“
Zwei Publikumsmagneten feiern ihr Comeback - die 18 Fußballtempel der Bundesliga-Saison 2025/2026
Der im Winter für mehr als 20 Millionen Euro von Olympique Marseille gekommene Fußballer machte weiter, auch im Privatspiel gegen Philadelphia Union (2:2) steuerte er einen Treffer bei. Seine Trainingsleistungen gewannen an Qualität – im selben Maße, wie sein Selbstvertrauen wuchs. Kein Zufall daher, dass er im Geheimspiel in London gegen den FC Fulham zum überragenden Spieler auf dem Feld avancierte, zwei Tore machte er beim 3:1-Sieg selbst, das dritte durch Neuzugang Ritsu Doan bereitete er vor.
Gerade bei seinem ersten Treffer ließ er seine ganze Klasse aufblitzen: tiefer Laufweg, zwei Wackler, eiskalter Abschluss, technisch hochwertig das Ganze. „Wir glauben an sein Potenzial“, sagt Dino Toppmöller. „Elye kann uns Tore bringen. Das hat er in seiner Karriere schon bewiesen.“ Vier Tore und ein Assist – mehr konnte kein Spieler in der Vorbereitung verbuchen.
XXL-Blockfahne, Heimatverbundenheit und „ewiger Oka“: Diese Eintracht-Choreos gehen unter die Haut
Nun sollte man natürlich vorsichtig sein in der Bewertung. In einem Pflichtspiel konnte der Franzose bisher noch nicht überzeugen, er wird jetzt seine Tauglichkeit auf anderem Niveau und im Ernstfall nachweisen müssen. Ob das gelingt? Oder er vielleicht doch noch etwas Zeit braucht? Seriös kaum zu beurteilen.
Doch er hat in den zurückliegenden Wochen zumindest und erstmals gezeigt, dass es womöglich doch noch etwas werden könnte mit dem Winterneuzugang, einem der teuersten Einkäufe der Vereinsgeschichte. Diese Fantasie hatte man nach seiner Anfangszeit nämlich nicht, da schien es so, als würde er zu einem astreinen Millionenflop mutieren.
Kommt noch ein Stürmer zur Eintracht?
Trotzdem wird sich der einst bei Montpellier groß auftrumpfende Stürmer gedulden müssen, Neuzugang Jonathan Burkardt ist in der Stürmer-Hierarchie die klare Nummer eins, und bisher scheint Dino Toppmöller eher auf ein System mit einer Spitze zu setzen. In Spielen, in denen er sein Tempo ausspielen und die Tiefe attackieren kann, könnte Wahi gleichwohl eine Alternative sein kann. Und vielleicht ergänzt er sich mit dem geradlinigen und hart arbeitenden Burkardt auch gut, wenn der Coach auf zwei Angreifer setzt.
Wahi ist im internen Ranking auch wieder an Michy Batshuayi vorbeigezogen. Der Routinier ist klar als Backup eingeplant, soll in bestimmten Phasen als Knipser in der Box helfen. Ob der Belgier sich mit dieser Rolle zufriedengibt oder womöglich doch noch weiterzieht? So oder so: Auszuschließen ist nicht, dass die Eintracht auf den letzten Metern noch einen weiteren Stürmer holt. Das würde dann eher ein junger Spieler sein, der Ende August noch ausgeliehen wird und später per Kaufoption fest verpflichtet werden kann.