VonIngo Durstewitzschließen
Drei Eintracht-Spieler debütieren, zwei setzen sich gekonnt in Szene – und einer fällt ab: Jens Petter Hauge. Ein Überblick zum 3:1 im Testspiel gegen den Zweitligisten.
Mario Götze, der wohl so langsam wieder mit dem Zusatz „Ex“ vor der Bezeichnung Nationalspieler versehen werden muss, schuftete in der Mittagshitze auf dem Nebenplatz. Erst ein paar Laufrunden in zügigem Tempo bei fast 30 Grad, dann Ballmitnahme, Dribbling, Torschuss, die schweißnassen Haare klebten alsbald an der Stirn. Beim zeitgleichen Testspiel der Eintracht gegen den SV Wehen Wiesbaden musste der Routinier nicht mitmachen, nicht dass er sich noch verletzt oder so. Muss ja nicht sein. Zumal jetzt erst einmal ein paar freie Tage auf der Agenda stehen, erst am Dienstag bittet Chefcoach Dino Toppmöller wieder auf den Trainingsplatz.
Und, siehe da: Auch ohne Götze reichte es zu einem fluffigen 3:1 (1:1)-Erfolg gegen den Zweitligisten. Paxten Aaronson (43.), Jessic Ngankam (62., Foulelfmeter) sowie Jens Petter Hauge (86.) drehten einen 0:1-Rückstand durch Antonio Jonjic (18.) in einen ungefährdeten Sieg. „Wir hatten defensiv ein paar Lücken und vorne ein paar Fehlpässe zu viel“, monierte Assistenztrainer Stefan Buck, der die 90 Minuten am Donnerstag anstelle von Chef Toppmöller öffentlich bewertete. „Aber insgesamt können wir zufrieden sei. Es ist wichtig, dass sich die Spieler zeigen und Wettkampfpraxis sammeln konnten.“
Wilder Ritt von Nkounkou
Außer Götze sowie den leicht angeschlagenen Stammkräften Robin Koch und Eric Dina Ebimbe bot der Frankfurter Trainer alle Spieler auf, die nicht mit ihrer Länderauswahl auf Tour sind, also auch erfahrene Akteure wie Kapitän Sebastian Rode oder Methusalem Makoto Hasebe. Und auch solche, die noch fit gemacht werden müssen für den Ligaalltag, der Neue aus Saint-Etienne etwa, Linksverteidiger Niels Nkounkou. Der 22-Jährige durfte aber erst im zweiten Abschnitt mitwirken, weil sein CK-Wert, der Aufschluss darüber gibt, wie der Spieler die Belastungen wegsteckt, „ziemlich hoch“, gewesen sei, wie Stefan Buck erklärte.
Nkounkou, der sich selbst beim 1:1 gegen Köln mit seinem Last-Minute-Treffer einen Traumeinstand verschaffte, zeigte einen recht wilden Ritt auf links, das Ganze sah etwas unkonventionell aus. Der Franzose wird die Spielweise erst noch adaptieren – zunächst aber seine körperlichen Defizite aufarbeiten müssen.
Die hat Philipp Max sicher nicht. Seinen Platz im Team aber trotzdem verloren. Zufall war es jedenfalls nicht, dass Chefcoach Dino Toppmöller den bald 30-Jährigen aus dem Conference-League-Aufgebot gestrichen hat. „Seine Auftritte zuletzt waren nicht wie erhofft“, begründete Co-Trainer Buck. Max sei aber weiterhin ein „unglaublich wichtiger Spieler“, der noch auf seine Einsätze kommen werde. Seine Ausbootung fürs europäische Parkett habe der Akteur „sehr gut aufgenommen“. Was erst mal ein wenig komisch klingt. Doch Stefan Buck ist der Überzeugung: „Er wird an dieser Sache wachsen.“
Torwart-Neuzugang Santos erstmals im Eintracht-Trikot
Froh, überhaupt dabei zu sein, waren hingegen drei Debütanten. Der aus Ecuador verpflichtete Verteidiger Davis Bautista sowie Stürmer Noel Futkeu. Beide spielen in der U21 – und wissen dort zu überzeugen. Gerade der 20 Jahre alte Angreifer Futkeu, vor der Saison von Schwarz-Weiss Essen zur Regionalligamannschaft gestoßen, hat für Aufsehen gesorgt, in sechs Partien sieben Tore gemacht und drei vorbereitet. Das alles ist zwar weit weg von Bundesliga, klar, aber trotzdem nicht schlecht, weshalb er sich – im Gegensatz etwa zu Nacho Ferri – über eine Einladung für das Testspiel freuen durfte. Und Futkeu hat seine Sache ordentlich gemacht.
Im zweiten Abschnitt durfte auch der neue, baumlange Torwart Kaua Santos erstmals das Eintracht-Trikot überstreifen. Der 20-Jährige ist vor wenigen Tagen zur Eintracht gekommen, die den 1,96-Meter-Riesen für 1,5 Millionen Euro aus Brasilien von Flamengo holte und ihn mittelfristig hinter Kevin Trapp als Nummer zwei aufbauen will.
Elfer gezogen und verwertet
Werbung in eigener Sache konnten auch Frechdachs Paxten Aaronson und Kraftpaket Jessic Ngankam machen. Ngankam bereitete den Ausgleich durch Aaronson vor und holte einen Strafstoß heraus, den er selbst zum 2:1 verwandelte. „Er hat es ordentlich gemacht“, befand Buck. „Er hat eine brutale Dynamik, aber es ist wichtig, dass die Fitness kommt.“ Offenbar ist der Berliner noch immer nicht bei 100 Prozent. Genauso wenig wie Lucas Alario, der nach viermonatiger Verletzungspause für ein paar Minuten am Ball war und prompt seine Füße vor dem 3:1 im Spiel hatte. Das erzielte Jens Petter Hauge. War aber der einzige Lichtblick im Spiel des Norwegers.
Der Rückkehrer verzettelte sich ein ums andere Mal, reihte einen Fehlpass an den nächsten – und traf oft die falschen Entscheidungen. Das ist keine Seltenheit bei ihm, auch am Sonntag gegen Köln machte Hauge eine erstklassige Kontermöglichkeit zunichte. „Er hatte tatsächlich mehrere Fehlpässe, das waren wir nicht gewohnt“, urteilte Co Buck, ohne das überbewerten zu wollen. „Er hat seit der Vorbereitung eine wichtige Rolle eingenommen.“ Mit Auftritten wie den jüngsten wird es der 23-Jährige gleichwohl schwer haben.
