Ähnlich wie bei Scholl: Drängt Uli Hoeneß Thomas Müller zum Karriereende?
VonDaniel Michel
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Uli Hoeneß musste seinen Beruf als Profi unerwartet aufgeben. Als Bayern-Boss achtet er darauf, wann seine Stars die Karriere beenden sollten.
München – Amazon Prime bewarb diese Woche eine Dokumentation zu Superstar und Routinier Thomas Müller. Zur Kino-Premiere von „Thomas Müller – Einer wie keiner“ in München kamen zahlreiche Stars und Persönlichkeiten, unter anderem Ex-Bundestrainer Joachim Löw und FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß.
Positive Kritik für Thomas Müller
Die Doku erhielt ausgezeichnete Kritiken, die Gäste auf dem roten Teppich äußerten sich sehr positiv über Thomas Müller: Charakterlich und sportlich top – so der Tenor über die FC-Bayern-Legende.
Doch eine Aussage von Uli Hoeneß ließ dennoch aufhorchen. Der 73-Jährige sagte: „Ein Thomas Müller, der ständig auf der Bank sitzt, das kann auch nicht eine Lösung sein.“ Es sei „einer großen Karriere nicht würdig“, wenn ein Spieler wie Müller dauerhaft nur noch Ersatz wäre.
Wird Müller Funktionär beim FC Bayern?
Hoeneß bot sogleich eine andere Perspektive an: „Thomas weiß genau, dass wir ihn gerne in irgendeiner Form behalten würden.“ Er könne „fast jeden Job beim FC Bayern mit einer gewissen Anlaufzeit machen“, versicherte Hoeneß.
Hoeneß gab seinem Schützling damit en passant den Laufpass. Denn die Situation ist eben genau so, wie sie Hoeneß nicht für Müller haben will. Müller ist seit mindestens zwei Saisons nur Ergänzungsspieler. Zuletzt wurde der Angreifer im Champions-League-Spiel gegen Celtic Glasgow von Trainer Vincent Kompany „gedemütigt“, so Experte Lothar Matthäus: Müller kam nur für wenige Sekunden in die Partie.
Die Worte von Hoeneß dürften nicht unüberlegt gekommen sein, denn Hoeneß sitzt immer noch im Aufsichtsrat des FC Bayern. Der Bayern-Patron müsste damit einer Vertragsverlängerung für Müller zustimmen, das Gehalt soll bei 17 Millionen Euro pro Jahr liegen. Auch ist Hoeneß Spezialist für das Thema „Wann höre ich als Fußballprofi auf?“, denn er musste einst aufgrund einer Knieverletzung bereits mit 27 Jahren die Karriere beenden.
Dabei kämpfte Hoeneß noch 1978 mit einer Leihe vom FC Bayern zum 1. FC Nürnberg gegen sein Karriereende an, ein halbes Jahr später musste er aufgeben – und wurde sogleich Manager der Münchner.
Seitdem gibt Hoeneß seinen Stars auch Ratschläge in Sachen Karriereende oder bestimmt es einfach selbst. So geschehen bei Mehmet Scholl 2007. Der Champions-League-Sieger von 2001 berichtete im Podcast „Einfach mal Luppen“ der Kroos-Brüder von seinem quasi erzwungenem Ende.
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Um Weihnachten 2006 herum habe Scholl einen Anruf von einem Journalisten erhalten, dieser hätte ihm bereits zum Karriereende und zum Abschiedsspiel gegen den Barcelona gratuliert. Scholl wusste von nichts, erfuhr dann aber, dass Hoeneß dies auf der Weihnachtsfeier des FC Bayern bekanntgegeben habe.
Scholl suchte noch das Gespräch mit Hoeneß, herauszuhandeln, war aber nicht mehr viel. „Uli hat zu mir gesagt: ‚Pass auf: Kein älterer Spieler weiß, wann es vorbei ist. Wenn du jetzt aufhörst, kommst du aus der Nummer super raus. Vertrau mir einfach und hör auf.‘“ Immerhin durfte Scholl sein Karriereende 2007 dann doch selbst in der Öffentlichkeit erläutern. Heute, sagt Scholl, sei er Hoeneß dankbar, dass er ihm diese Entscheidung abgenommen habe.
Mario Gómez wurde verunglimpft
Müller und Scholl können in dieser Hinsicht Hoeneß auch dankbar sein, denn der Manager beherrscht auch die brutale Methode, um Karrieren zu knicken oder ganz zu beenden. Als Mario Gómez im „Finale dahoam“ 2012 unzählige Großchancen vergab, sagte Hoeneß im Anschluss: „Wenn er sehr gut wäre, dann wären wir jetzt Champions-League-Sieger!“
Im Folgejahr musste Gómez in der Regel auf der Ersatzbank Platz nehmen, danach verließ er den FC Bayern und kam trotz Stationen unter anderem in Italien und der Türkei und eines späten Comebacks in der Nationalmannschaft nie mehr dauerhaft an seine überwiegend starken Leistungen vor 2012 heran.