Spielentscheidende Szenen

VAR-Streit und Handspiel-Konfusion: Bundesliga-Schiedsrichter brauchen einen Ausweg

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Der Ärger auf Entscheidungen der Schiedsrichter steigt. Oftmals geht es um den Eingriff des VAR und um Handspiele. Wo ist der Ausweg?

Frankfurt – Die Bundesliga-Schiedsrichter sind derzeit um ihren Job nicht zu beneiden. In den ersten Wochen der neuen Saison gibt es vor allem zwei Themen, die immer wieder für Ärgernisse sorgen: VAR-Eingriffe und Handspiele. Die Frage ist: Wie können sich die Referees aus dieser Drucksituation befreien?

Die entscheidende Szene, die zum Elfmeter für den VfB Stuttgart führte.

Besonderen Ärger gab es am vergangenen Sonntag beim Spiel 1. FC Köln gegen VfB Stuttgart. Die Gäste erhielten durch Eingriff des VAR einen umstrittenen Elfmeter nach einem Kampf um den Ball zwischen VfB-Stürmer Ermedin Demirovic und Köln-Torhüter Marvin Schwäbe. Die Kölner verloren die Partie nach 1:0-Führung noch mit 1:2 und tobten.

FC Bayern erhielt in Hoffenheim umstrittenen Elfmeter

Am Spieltag zuvor trieb alle Experten ein Hand-Elfmeter für den FC Bayern beim Gastspiel in Hoffenheim in den Wahnsinn. Ein völlig ungefährlicher Schuss der Bayern wurde von einem Hoffenheim-Profi aus kurzer Distanz mit dem Bein geblockt, dann flog der Ball erst noch zur Hand, dennoch gab es Elfmeter.

Vor allem bei den Eingriffen des VAR scheint sich diese Saison sich ein neues Problem aufzutun. Auf dem Spielfeld wird der Fußball immer schneller. Der Referee muss bei jeder Spielszene blitzschnell entscheiden, im Idealfall trifft er eine Entscheidung im Sinne des Spiels. Der VAR steht bekanntlich nicht auf dem Spielfeld, sondern sitzt im „Kölner Keller“. Er kann sich eine Szene aus vielen Perspektiven ansehen, dazu in Zeitlupe und Super-Zeitlupe.

Das führt nun offenbar immer häufiger dazu, dass eine Spielszene völlig verzerrt wahrgenommen wird. Der VAR sieht nicht mehr alle Interaktionen auf dem Platz, die zu einer umstrittenen Szene führen, sondern er stoppt einfach nur die Stelle, an der zum Beispiel ein Bein das andere Bein zu Fall bringt.

Wie schnell beide Spieler vor einem Zweikampf unterwegs sind, wer mit welcher Intention in den Zweikampf geht, das scheint eine nachgeordnete Rolle zu spielen. Während der Schiedsrichter auf dem Platz alle Begleitumstände für eine Situation in der Lebensrealität wahrnimmt und entscheidet, wirkt der VAR in einer Parallel-Welt lebend.

Der VAR sollte einst helfen, klare Fehlentscheidungen zu verhindern. Nun geht es aber in die Richtung Erbsenzähler: Wo ein Kontakt ist, wird ein Foul geprüft, nahezu ohne Einbindung der Spielrealität. Anders kann man sich viele Situationen wie jene beim Spiel zwischen Köln und Stuttgart kaum erklären.

Bei Ärgernis Nummer zwei geht es um die zahlreichen kuriosen Handelfmeter. Das Kernproblem hierbei ist, dass die Regelhüter das Handspiel seit Jahren verwissenschaftlichen wollen. Nach dem sinngemäßen Motto: Ist der Arm des Verteidigers um 40 Grad abgewinkelt und hält den Ball auf, dann gibt es keinen Elfmeter. Ist der Arm aber um 42 Grad abgewinkelt, soll es einen Elfmeter geben.

Auch hier kollidieren Theoriespiele am Computer mit der Lebensrealität auf dem Spielfeld. Der Fußball und seine Regelhüter müssen sich auf zwei Kerngründe rückbesinnen, für die es einen Hand-Elfmeter geben sollte: Liegt ein absichtliches Handspiel vor? Wird absichtlich oder unabsichtlich mit einem Handspiel eine klare Torchance verhindert? Der Schiedsrichter entscheidet im Sinne des Spiels. Für diesen Schritt zurück in die Zukunft wird es aber wohl noch dauern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Fischer

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