Spätstarter mit erstaunlichem Wandel

Bayern-Eigengewächs: Vom Ergänzungs- zum Führungsspieler

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Josip Stanišić nimmt in dieser Saison eine erstaunliche Entwicklung beim FC Bayern. Lange als ruhiger, solider Defensivspieler wahrgenommen, zeigt er nun einen beachtlichen Wandel.

Der gebürtige Münchner Stanišić ist ein Fußball-Spätstarter. Seine ersten Schritte machte er beim Stadtteil-Verein FC Perlach. Bei einem Probetraining bei der U8 konnte er damals die Verantwortlichen des FC Bayern nicht von sich überzeugen. So schloss er sich als Neunjähriger für sechs Jahre der Jugend des Lokalrivalen TSV 1860 an, wo er sich auch nicht dauerhaft durchsetzen konnte. 2015 wechselte er deshalb zum Nachwuchs des Landesligisten SC Fürstenfeldbruck. Durch seine starken Leistungen im Kleinstadtklub wurde der FC Bayern auf ihn aufmerksam. Dessen U17 schloss er sich schließlich im Januar 2017 als 16-Jähriger an.

Führungsspieler Josip Stanisic (links): Der lange eher als ruhig geltende FCB-Spieler mit einem Temperament-Ausbruch im BL-Spiel in Hamburg.

Die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft zum Saisonende verpasste er jedoch gleich aus zwei Gründen: Zum einen fiel er schon in der Vorbereitung auf die Rückrunde wegen einer Fraktur des Sprunggelenks für mehrere Monate aus, zum anderen gab es Streit zwischen den Vereinen, sodass ihn die Brucker für die gesamte Rückrunde sperren ließen.

Beachtliche Entwicklung, dennoch Stotterstart bei den FCB-Profis

Obwohl er im November 2018 zwei Länderspiele für die U19 des DFB bestritt, schien nachfolgend seine (Profi-)Karriere nicht so richtig in Fahrt zu kommen: In der Jugend des Rekordmeisters eher Mitläufer als Führungsspieler, lief es zu Beginn auch im Herrenfußball nicht rund. Die Bayern-Amateure (U23) waren mittlerweile in die Dritte Liga aufgestiegen, „Stani“ konnte zu Beginn der Spielzeit 2019/20 dort weder körperlich noch mit dem Tempo mithalten. In Fankreisen der Amateure kursierten Gerüchte, dass er seine Einsatzzeiten nur seinem prominenten Berater Dieter Hoeneß (sein Sohn Sebastian war gleichzeitig Coach der U23) verdanke.

Vielleicht war aber in jener ersten „Corona-Saison“ gerade Stanišić sinnbildlich für die sensationelle Entwicklung der Zweiten des FC Bayern: Zu Saisonbeginn sich teilweise in Abstiegsregionen befindend, wurden die „Amas“ am Ende sogar vollkommen überraschend Drittliga-Meister – ein Leistungsträger war dabei der Deutsch-Kroate, obwohl er wiederholt vom Verletzungspech geplagt wurde.

FC Bayern jagt historischen Rekord: Die torgefährlichsten Top-Teams aller Zeiten

Kann der FC Bayern in dieser Saison den Torrekord der Top-5-Ligen brechen?
Kann der FC Bayern in dieser Saison den Torrekord der Top-5-Ligen brechen? © IMAGO/Alterphotos/MIS (Montage)
Platz 26: FC Bayern München 1971/72, 101 Tore. 
Als bisher torreichste Bundesliga-Mannschaft verfehlt der FC Bayern die Top 25 dieses Rankings um genau ein Tor. Die Meisterschaft gewinnen Gerd Müller (vorne) und Co. natürlich trotzdem.
Platz 26: FC Bayern München 1971/72, 101 Tore. Als bisher torreichste Bundesliga-Mannschaft verfehlt der FC Bayern die Top 25 dieses Rankings um genau ein Tor. Die Meisterschaft gewinnen Gerd Müller (vorne) und Co. natürlich trotzdem. © IMAGO
Platz 19: Real Madrid 2010/11, 102 Tore.
Der erste von insgesamt neun Auftritten in dieser Statistik. Die Mannschaft von Real Madrid ist in diesen Jahren ein Who-is-who des Weltfußballs.
Platz 19: Real Madrid 2010/11, 102 Tore. Der erste von insgesamt neun Auftritten in dieser Statistik. Die Mannschaft von Real Madrid ist in diesen Jahren ein Who-is-who des Weltfußballs. © IMAGO/sportfotodienst
Platz 19, Manchester City 2013/14, 102 Tore.
Angeführt von Torjäger Sergio Agüero (r.) holt Manchester City den Premier-League-Titel.
Platz 19: Manchester City 2013/14, 102 Tore. Angeführt von Torjäger Sergio Agüero (r.) holt Manchester City den Premier-League-Titel. © IMAGO/sportfotodienst
Platz 19: Manchester City 2019/20, 102 Tore. Sechs Jahre später replizieren die „Citizens“ ihr Offensivfeuer. Dieses Mal reicht es allerdings nicht für den Titel. City schießt zwar 17 Tore mehr als Meister Liverpool, holt aber 18 Punkte weniger.
Platz 19: Manchester City 2019/20, 102 Tore. Sechs Jahre später replizieren die „Citizens“ ihr Offensivfeuer. Dieses Mal reicht es allerdings nicht für den Titel. City schießt zwar 17 Tore mehr als Meister Liverpool, holt aber 18 Punkte weniger. © IMAGO/Colorsport
Platz 19: FC Barcelona 1996/97, 102 Tore. Ronaldo (r.) wird Torschützenkönig, als Barcelona die spanische Meisterschaft gewinnt. Co-Trainer von Bobby Robson (m.) ist José Mourinho (li.).
Platz 19: FC Barcelona 1996/97, 102 Tore. Ronaldo (r.) wird Torschützenkönig, als Barcelona die spanische Meisterschaft gewinnt. Co-Trainer von Bobby Robson (m.) ist José Mourinho (li.).  © IMAGO/Colorsport
Platz 19: Paris-Saint Germain 2015/16, 102 Tore. Unter der Führung von Sturm-Ikone Zlatan Ibrahimovic knackt PSG zum ersten Mal die 100-Tore-Marke in der Ligue 1.
Platz 19: Paris-Saint Germain 2015/16, 102 Tore. Unter der Führung von Sturm-Ikone Zlatan Ibrahimovic knackt PSG zum ersten Mal die 100-Tore-Marke in der Ligue 1. © IMAGO/Panoramic by PsnewZ
Platz 19: FC Barcelona 2024/25, 102 Tore. Der FC Barcelona verweist Real Madrid im Meister-Rennen auf Platz zwei und schießt dabei deutlich mehr Tore als der ewige Erzrivale. 27 Treffer gehen auf Robert Lewandowski zurück.
Platz 19: FC Barcelona 2024/25, 102 Tore. Der FC Barcelona verweist Real Madrid im Meister-Rennen auf Platz zwei und schießt dabei deutlich mehr Tore als der ewige Erzrivale. 27 Treffer gehen auf Robert Lewandowski zurück. © IMAGO/Manu Reino/DeFodi Images
Platz 19: Real Madrid 2009/10, 102 Tore. Mit Neuzugang Cristiano Ronaldo wird Real zwar nur Zweiter, schießt aber vier Tore mehr als Meister FC Barcelona.
Platz 19: Real Madrid 2009/10, 102 Tore. Mit Neuzugang Cristiano Ronaldo wird Real zwar nur Zweiter, schießt aber vier Tore mehr als Meister FC Barcelona. © IMAGO/Cordon Press/Miguelez Sports
Platz 17: FC Chelsea 2009/10, 103 Tore. Die bisher torreichste Saison der „Blues“, für die neben Torjäger Didier Drogba (2. v. li.) auch Michael Ballack (2. v. re.) auf dem Platz steht.
Platz 17: FC Chelsea 2009/10, 103 Tore. Die bisher torreichste Saison der „Blues“, für die neben Torjäger Didier Drogba (2. v. li.) auch Michael Ballack (2. v. re.) auf dem Platz steht. © IMAGO/Sportimage
Platz 17: Real Madrid 2012/13, 103 Tore. Wieder stehen Cristiano Ronaldo und Real im Fokus. Hier jubeln die Mittelfeldregisseure Mesut Özil (li.), Michael Essien (2. v. li.) und Luka Modric (2. v. re.) mit dem Portugiesen.
Platz 17: Real Madrid 2012/13, 103 Tore. Wieder stehen Cristiano Ronaldo und Real im Fokus. Hier jubeln die Mittelfeldregisseure Mesut Özil (li.), Michael Essien (2. v. li.) und Luka Modric (2. v. re.) mit dem Portugiesen. © IMAGO/Alterphotos
Platz 16: Real Madrid 2013/14, 104 Tore. Nur ein Jahr später treffen die Königlichen sogar noch einmal mehr. In dieser Saison wird das legendäre BBC-Trio geboren: Cristiano Ronaldo (li.), Gareth Bale (m.) und Karim Benzema.
Platz 16: Real Madrid 2013/14, 104 Tore. Nur ein Jahr später treffen die Königlichen sogar noch einmal mehr. In dieser Saison wird das legendäre BBC-Trio geboren: Cristiano Ronaldo (li.), Gareth Bale (m.) und Karim Benzema. © IMAGO/Uwe Kraft
Platz 14: FC Barcelona 2008/09, 105 Tore. Lionel Messi hat seinen ersten Auftritt und Barca tritt in ein goldenes Zeitalter ein.
Platz 14: FC Barcelona 2008/09, 105 Tore. Lionel Messi hat seinen ersten Auftritt und Barca tritt in ein goldenes Zeitalter ein. © IMAGO/Action Pictures
Platz 14: Paris Saint-Germain 2018/19, 105 Tore. Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani – der Power-Sturm von PSG feuert in diesem Jahr aus allen Rohren.
Platz 14: Paris Saint-Germain 2018/19, 105 Tore. Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani – der Power-Sturm von PSG feuert in diesem Jahr aus allen Rohren. © IMAGO/Panoramic/Michael Baucher
Platz 12: Manchester City 2017/18, 106 Tore. Wieder deutsche Beteiligung: Leroy Sané (m.) ist Teil der City-Elf, die den Premier-League-Torerekord aufstellt.
Platz 12: Manchester City 2017/18, 106 Tore. Wieder deutsche Beteiligung: Leroy Sané (m.) ist Teil der City-Elf, die den Premier-League-Torerekord aufstellt. © IMAGO/Focus Images/Simon Moore
Platz 12: Real Madrid 2016/17, 106 Tore. Obwohl der große Konkurrent aus Barcelona sogar noch zehn Tore mehr erzielt, wird Real mit Toni Kroos (2. v. li.) Meister.
Platz 12: Real Madrid 2016/17, 106 Tore. Obwohl der große Konkurrent aus Barcelona sogar noch zehn Tore mehr erzielt, wird Real mit Toni Kroos (2. v. li.) Meister. © IMAGO/Aflosport
Platz 10: AS Monaco 2016-17, 107 Tore. Der vielleicht überraschendste Eintrag dieser Statistik. Angeführt von Top-Torjäger Radamel Falcao wird Monaco sensationell Meister der Ligue 1.
Platz 10: AS Monaco 2016/17, 107 Tore. Der vielleicht überraschendste Eintrag dieser Statistik. Angeführt von Top-Torjäger Radamel Falcao wird Monaco sensationell Meister der Ligue 1. © IMAGO/Panoramic/Philippe LECOEUR
Platz 10: Real Madrid 1989/90, 107 Tore. Einer der wenigen Einträge aus dem 20. Jahrhundert. Dieser schafft es sogar in die Top Ten. Bernd Schuster (li.) Wird mit Real in diesem Jahr mit großem Abstand Meister.
Platz 10: Real Madrid 1989/90, 107 Tore. Einer der wenigen Einträge aus dem 20. Jahrhundert. Dieser schafft es sogar in die Top Ten. Bernd Schuster (li.) wird mit Real in diesem Jahr mit großem Abstand Meister. © IMAGO/Miguelez Sports Foto
Platz 9: Paris Saint-Germain 2017/18, 108 Tore. Die bislang beste Saison eines nicht-spanischen Teams. PSG schreibt französische Fußball-Geschichte.
Platz 9: Paris Saint-Germain 2017/18, 108 Tore. Die bislang beste Saison eines nicht-spanischen Teams. PSG schreibt französische Fußball-Geschichte. © IMAGO/ Stephen Caillet / Panoramic
Platz 7: FC Barcelona 2014/15, 110 Tore. Es ist eine außergewöhnliche Saison, in der Lionel Messi nur in der Liga 43 Tore erzielt. Damit wird er allerdings nicht einmal Torschützenkönig ...
Platz 7: FC Barcelona 2014/15, 110 Tore. Es ist eine außergewöhnliche Saison, in der Lionel Messi allein in der Liga 43 Tore erzielt. Damit wird er allerdings nicht einmal Torschützenkönig. © IMAGO/Alterphotos
Platz 7: Real Madrid 2015/16, 110 Tore. Real spielt eine überragende Saison, wird hinter dem FC Barcelona aber trotzdem nur Zweiter.
Platz 7: Real Madrid 2015/16, 110 Tore. Real spielt eine überragende Saison, wird hinter dem FC Barcelona aber trotzdem nur Zweiter. © IMAGO/Alterphotos
Platz 6: FC Barcelona 2015/16, 112 Tore. Der Meistertitel geht in diesem Jahr nämlich mal wieder nach Katalonien. Messi und Co. treffen noch zwei Mal häufiger.
Platz 6: FC Barcelona 2015/16, 112 Tore. Der Meistertitel geht in diesem Jahr nämlich mal wieder nach Katalonien. Messi und Co. treffen noch zwei Mal häufiger. © IMAGO / Xinhua
Platz 5: FC Barcelona 2011/12, 114 Tore. Die spanische Liga erlebt in diesen Jahren ein wahrhaft besonderes Zeitalter. Dieses Mal spielt Barca offensiv unfassbar auf, um dann trotzdem nur Zweiter zu werden, weil Real eine Rekordsaison gelingt.
Platz 5: FC Barcelona 2011/12, 114 Tore. Die spanische Liga erlebt in diesen Jahren ein wahrhaft besonderes Zeitalter. Dieses Mal spielt Barca offensiv unfassbar auf, um dann trotzdem nur Zweiter zu werden, weil Real eine Rekordsaison gelingt. © IMAGO / Alterphotos
Platz 4: FC Barcelona 2012/13, 115 Tore. Ein Jahr später ist die La-Liga-Trophäe aber doch zurück in Barcelona. Auch, weil die Katalanen nochmal ein Tor mehr erzielen als im Vorjahr.
Platz 4: FC Barcelona 2012/13, 115 Tore. Ein Jahr später ist die La-Liga-Trophäe aber doch zurück in Barcelona. Auch, weil die Katalanen noch einmal ein Tor mehr erzielen als im Vorjahr. © IMAGO/CordonPress/MiguelezSports
Platz 3: FC Barcelona 2016/17, 116 Tore. Die Barca-Antwort auf Reals BBC heißt MSN: Lionel Messi (li.), Luis Suarez (m.) und Neymar sorgen für die torreichste Saison der Klubgeschichte.
Platz 3: FC Barcelona 2016/17, 116 Tore. Die Barca-Antwort auf Reals BBC heißt MSN: Lionel Messi (li.), Luis Suarez (m.) und Neymar sorgen für die torreichste Saison der Klubgeschichte. © IMAGO/Bagu Blanco
Platz 2: Real Madrid 2014/15, 118 Tore. Es ist das Jahr, in dem Lionel Messi 43 Tore erzielt. Ronaldo toppt das ganze allerdings um eine ganze Ecke und netzt in der Liga satte 48 Mal. Meister wird trotzdem Barcelona.
Platz 2: Real Madrid 2014/15, 118 Tore. Es ist das Jahr, in dem Lionel Messi 43 Tore erzielt. Ronaldo toppt das Ganze allerdings um eine ganze Ecke und netzt in der Liga satte 48 Mal. Meister wird trotzdem Barcelona. © IMAGO/Alterphotos
Platz 1: Real Madrid 2011/12, 121 Tore. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Top-5-Ligen knackt eine Mannschaft die 120-Tore-Marke.
Platz 1: Real Madrid 2011/12, 121 Tore. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Top-5-Ligen knackt eine Mannschaft die 120-Tore-Marke.  © IMAGO/Alterphotos
Der FC Bayern ist 2025/26 auf Kurs, Historisches zu schaffen. Können Kane, Olise und Co. den Real-Rekord brechen?
Der FC Bayern ist 2025/26 auf Kurs, Historisches zu schaffen. Können Kane, Olise und Co. den Real-Rekord brechen? © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Bis zu seinem ersten Bundesligaspiel dauerte es dann bis zum April 2021: Aufgrund zahlreicher Ausfälle bei den Profis setzte Hansi Flick den bereits 21-Jährigen im Heimspiel gegen Union Berlin als Linksverteidiger ein. Mit diesem einzigen Spiel für die erste Mannschaft des FCB in der Saison 2020/21 wurde Stanišić zum ersten Mal Deutscher Meister.

Zwei weitere Titel mit dem Rekordmeister folgten, mit 13 (2021/22) und 14 Bundesligaeinsätzen (2022/23) blieb der Anteil des ehemaligen Campusspielers aber nach wie vor bescheiden. Und das, obwohl er mittlerweile kroatischer A-Nationalspieler geworden war, mit seinem Land bei der WM 2022 in Katar WM-Dritter wurde und Weltstar Kylian Mbappé sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft zum Statisten degradierte.

Die Leih-Saison 2023/24 bei Bayer Leverkusen beendete Stanišić triumphal als Doublesieger, bei seiner Rückkehr in München wurde er folglich mehr beachtet und so erhielt er an der Säbener Straße einen Vertrag bis 2029. Leider blieb ihm aber auch das Verletzungspech weiterhin treu. Dennoch ist er nun auf dem besten Weg, seine Rekord-Bundesligasaison zu spielen: Beim FCB kam er bislang nie über 14 Einsätze hinaus, in Leverkusen waren es am Ende 20. Nach 24 Spieltagen der laufenden Spielzeit sind es immerhin schon 16.

Neue Rolle unter Kompany

Steht Stanišić auf dem Platz, steht er mittlerweile auch wesentlich mehr im Fokus. Im Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig holte er den vorentscheidenden Elfmeter, den Harry Kane zum 1:0 verwandelte, heraus. Beim Klassiker in Dortmund sorgten seine Vorstöße auf der rechten Seite für permanente Unruhe beim Gegner.

Zweimal wurde er dabei von Nico Schlotterbeck nur regelwidrig gestoppt. Einmal stand ein möglicher Platzverweis im Raum, später holte der 25-Jährige den Elfmeter heraus, den Harry Kane zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung verwandelte. Immer wieder marschierte Stanišić die Linie entlang, presste sogar BVB-Keeper Gregor Kobel im eigenen Strafraum. Ein Auftritt, der seine Entwicklung in dieser Saison eindrucksvoll dokumentiert.

Lange Zeit galt Stanišić als defensiv solider Außenverteidiger, der flexibel in der Abwehr eingesetzt werden kann. Unter FCB-Chefcoach Vincent Kompany erlebt er nun eine bemerkenswerte Neuerfindung. Neun Scorerpunkte stehen in dieser Spielzeit bereits insgesamt auf seinem Konto, davon sechs in der Liga (zwei Tore, vier Assists): Das sind doppelt so viele wie in seinen vier vorherigen Spielzeiten beim Rekordmeister zusammen.

Auf dem besten Weg zum Führungsspieler

Sportdirektor Christoph Freund zeigt sich begeistert von ihm: „Er wird fußballerisch immer besser, traut sich auch nach vorne immer mehr zu, ist sehr aktiv.“ Tatsächlich wirkt der 27-fache kroatische Nationalspieler in Ballbesitz mittlerweile wesentlich selbstbewusster, sucht Eins-gegen-eins-Situationen und schaltet sich permanent in die bayerische Offensive ein.

Dabei geht sein Offensivdrang keineswegs zulasten der Defensive, wie die Statistiken verdeutlichen: Im Klassiker verzeichnete Stanišić sieben Ballgewinne, gewann all seine fünf Tacklings und kam auf eine hervorragende Zweikampfquote von 73 Prozent.

Obwohl der bald 26-Jährige (2. April 2000) ein extremer Spätstarter ist, scheint der gebürtige Münchner als Eigengewächs nun auch eine große Sehnsucht der Klubführung zu erfüllen: „Er hat den Führungsspieler in sich“, so Christoph Freund. Stanišić wirkt gereift und absolut bereit für mehr Verantwortung. Setzt er diesen Weg erfolgreich fort, wird er nicht nur sportlich unverzichtbar, sondern möglicherweise auch zu einem der Gesichter der aktuellen Bayern-Generation.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Heiko Blatterspiel

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