„Berge sind kein Spielplatz“: Laura Dahlmeiers Tour-Planer redet Klartext
VonLuca Hartmann
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Der Verantwortliche für Laura Dahlmeiers letzte Bergtour meldete sich zu Wort – und warnte vor den Gefahren und der fatalen Anziehungskraft des Laila Peaks.
München – Nach dem Tod von Laura Dahlmeier am Laila Peak in Pakistan meldet sich Muhammad Iqbal zur Tragödie zu Wort. Der erfahrene Touren-Organisator ist Leiter von „Shipton Trek & Tours“, die Dahlmeiers Tour organisierte. Iqbal kennt die tödlichen Gefahren der Region Gilgit-Baltistan wie kaum ein anderer – und erklärt, warum Menschen aus sicheren Ländern dennoch immer wieder in diese lebensfeindliche Bergwelt reisen.
Iqbal, der seit Jahren internationale Bergsteiger in die pakistanischen Gipfel wie K2, Broad Peak oder Laila Peak führt, bringt die paradoxe Motivation seiner Kunden gegenüber Bild auf den Punkt: „Sie kommen wegen der Gefahr.“ Der erfahrene Bergführer weiß, dass gerade das Risiko viele Extremsportler aus Europa und anderen sicheren Regionen anzieht. Die Berge Pakistans bieten das ultimative Abenteuer – jedoch mitunter mit tödlichen Konsequenzen.
Laura Dahlmeiers Touren-Organisator gibt beklemmende Einblicke: „Sie kommen wegen der Gefahr“
Der Touren-Organisator macht deutlich, dass die Region um den 6069 Meter hohen Laila Peak zu den gefährlichsten Berggebieten der Welt gehört. Steinschläge, extreme Wetterbedingungen und die schwierige Erreichbarkeit machen Rettungsaktionen nahezu unmöglich. „Diese Berge sind kein Spielplatz“, betont Iqbal mit Nachdruck. „Jeder, der hierherkommt, weiß um das Risiko.“
Besonders kritisch sieht der Pakistani die romantisierten Vorstellungen vieler westlicher Bergsteiger. Viele würden die realen Gefahren unter- und ihre eigenen Fähigkeiten wiederum überschätzen. Die sozialen Medien verstärkten diesen Trend zusätzlich – spektakuläre Gipfelfotos suggerieren laut Iqbal eine Machbarkeit, die in der Realität oft tödlich endet.
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Um überhaupt in dem Gebiet unterwegs zu sein, bräuchten Bergsteiger eine behördliche Erlaubnis, erklärt Iqbal. „Es gibt zwei Arten von Genehmigungen: eine für Trekking bis 6500 Meter Höhe und eine für Bergsteigen über 6500 Metern. Der Laila Peak liegt bei etwa 6096 Metern, daher reicht in der Regel eine Trekking-Erlaubnis aus.“ Zusätzlich müsste jeder Bergsteiger eine Versicherung nachweisen. „Wenn etwas passiert, rufen wir einen Flug-Dienstleister an, die Armee schickt Helikopter zur Rettung.“
Bergung von Laura Dahlmeier am Laila Peak weiter ungewiss
Wie im Fall von Dahlmeier tragisch gesehen, ist eine Rettung jedoch nicht immer möglich. Und auch eine Bergung ihres Körpers, für die nur noch wenige Tage Zeit bliebe, ist derzeit noch ungewiss. „Wenn die Familie es will und es technisch möglich ist, holen wir den Körper. Doch oft bleiben die Toten für immer in den Bergen“, schildert Iqbal. Dies hänge in erster Linie von den Witterungsbedingungen ab.
Er selbst sei kein Bergsteiger, verstehe aber die Faszination in dem pakistanischen Gebiet, erklärt Iqbal abschließend. „Diese Gipfel sind technisch schwieriger als die in Nepal oder Europa. Hier zählt nicht der Komfort, sondern der Wille.“ Ein Wille, den auch Laura Dahlmeier bewies und mit ihrem Leben bezahlte. In Deutschland haben derweil Dahlmeiers Eltern öffentlich Abschied genommen. (LuHa)
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