„Wut-Motor“ stottert gewaltig

Arena-Geflüster zur Bayern-Pleite: Eiszeit zwischen Tuchel und Fans – nur ein Moment sorgt für Wärmeschub

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Der FC Bayern erlebt gegen Werder Bremen einen Nachmittag zum Vergessen. Spieler, Trainer und Fans befinden sich im Winterschlaf – das Arena-Geflüster.

München – Das Thermometer kletterte am Sonntagnachmittag nur knapp über den Gefrierpunkt, so manchem Journalisten und Zuschauer froren in der Allianz Arena die Finger ein. Und auch die Spieler des FC Bayern tauten erst um die 70. Minute herum auf – zu spät, wie sich zeigte. Die herbe Pleite gegen Werder Bremen war nicht mehr abzuwenden.

Auch Trainer Thomas Tuchel wirkte seltsam festgefroren. Der Bayern-Trainer zeigte trotz des ideenlosen Auftritts seiner Mannschaft gegen extrem tief stehende Bremer kaum Emotionen. Aufbrausender war da schon Ersatzkeeper Sven Ulreich, der sich in der 75. Minute lautstark beim Vierten Offiziellen beschwerte. Gebracht hat‘s nichts.

Arena-Geflüster zur Bayern-Pleite: Eiszeit zwischen Tuchel und Fans – nur ein Moment sorgt für Wärmeschub

Egal, wem man zuhört: Alle schwärmen von der tollen Energie und der guten Stimmung im Kurz-Trainingslager in Portugal. Nur war davon auf dem Platz über weite Strecken nichts zu sehen. Daran hatte auch die Südkurve ihren Anteil: Wie schon gegen Hoffenheim gab es in den ersten Minuten keine Unterstützung.

Stattdessen „beschenkten“ die Ultras ihre Bayern-Stars mit in Goldpapier verpackten Schoko-Münzen, die in großer Zahl aufs Feld geworfen wurden. Tuchels Miene gefror noch mehr, lediglich ein kurzes Kopfschütteln brachte er heraus. Für den einzigen kurzen Wärmeschub des Abends sorgte das Lied „Gute Freunde kann niemand trennen“ zu Ehren Franz Beckenbauers, das vor dem Anpfiff erschallte.

Winter-Blues beim FC Bayern: Die Bremen-Niederlage setzt Tuchel, Müller und Co. zu.

Bayern-Fans lassen Tuchel auflaufen

Dabei war es mal wieder Zeit für „ein Spiel mit Enthusiasmus“, forderte Tuchel nach der Hoffenheim-Partie. Doch diesen Wunsch erfüllten ihm die Anhänger nicht: „Enthusiasmus gibt es nicht auf Knopfdruck“, war auf einem Banner zu lesen.

Neben der üblichen Kritik an DFL und DFB sorgte die Südkurve dann zu Beginn der zweiten Hälfte mit einer recht merkwürdigen Luftballon-Show für Aufsehen. Doch auch die rhythmisch nacheinander platzenden Gummiblasen entfachten keine Euphorie.

Malle-Hit nach Niederlage: Thomas Müller bricht Interview ab

Winter-Frust war das Resultat nach der Heimpleite – und der war den Bayern-Stars in den Katakomben der Allianz Arena deutlich anzumerken. Gentleman Harry Kane bügelte Interviewanfragen mit einem höflichen, aber bestimmten „Sorry“ ab, auch Leon Goretzka hatte so gar keine Lust, über die Gründe für die Niederlage zu sprechen.

Konrad Laimer ließ sich nur mit gequältem Blick zu ein paar Worten überreden, brachte es dann aber auf den Punkt: Auf dem Platz sei es „komisch still“ gewesen. Ganz und gar nicht still war es dagegen ein paar Minuten später: Als der Malle-Hit „Dicht im Flieger“ dröhnte, hatte Thomas Müller keine Lust mehr, weiterzusprechen und entschwand in den kalten Januar-Abend. Energie, den „Wut-Motor“ zu beschwören, hatte er nicht mehr. (epp)

Aus der Allianz Arena berichtet Marius Epp

Rubriklistenbild: © Gamel/Revierfoto/Imago

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