BVB-Boss Lars Ricken rechnet mit Transfer-Journalismus ab
VonLars Pollmann
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Neben der Klub-WM beherrscht der Transfermarkt die Schlagzeilen. BVB-Geschäftsführer Lars Ricken kritisiert die Berichterstattung zu dieser Thematik.
Atlanta – Mit dem Einzug ins Viertelfinale durch den Sieg über CF Monterrey aus Mexiko bei der FIFA Klub-WM hat Borussia Dortmund in der Nacht auf Mittwoch (deutscher Zeit) weitere hohe Einnahmen generiert.
Bislang ist der jüngere Bellingham-Bruder der einzige externe Neuzugang beim BVB in diesem Sommer. Die Spekulationen drehen sich aktuell vor allem um Abgänge. Bei Jamie Gittens gibt es aber weiter keinen Vollzug. Die ständigen medialen Wasserstandsmeldungen scheinen BVB-Geschäftsführer Lars Ricken langsam aber sicher auf die Nerven zu gehen.
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Ricken: „Wenn es früher ein Gerücht gab, stand es am nächsten Tag in der Zeitung“
„Es hat natürlich mit dem weltweiten Interesse an Fußball zu tun. Es hat sich so eine Gerüchteküche-Industrie gebildet, gerade über Social Media. Damit kann man viel Geld verdienen. Das ist ein Geschäftszweig geworden“, erklärte Ricken am Rande des Achtelfinales gegenüber dem Streamingdienst DAZN.
„Wenn es früher ein Gerücht gab, stand es am nächsten Tag in der Zeitung. Heute haben wir so einen Echtzeit-Journalismus. Wenn wir uns mit einem Berater oder einem Verein treffen, lesen wir es in der Regel schon eine Stunde eher“, so Ricken.
Das Berufsfeld des Transfer-Reporters hat es in der Vergangenheit tatsächlich nicht gegeben. Inzwischen haben es der Italiener Fabrizio Romano oder Sky-Mann Florian Plettenberg zu weltweiter Berühmtheit gebracht, indem sie geradezu im Stakkato über Transfers berichten.
Die Arbeit der Klubs macht das durchaus schwerer, weil sie nur noch selten im Verborgenen arbeiten können. Dem BVB war dies zum Beispiel bei Daniel Svensson im Winter gelungen, dessen Verpflichtung weitgehend vorbereitet war, ehe die Öffentlichkeit davon Wind bekam. Auch bei Ersatztorwart Patrick Drewes kamen die Gerüchte jüngst erst kurz vor Abschluss des Transfers ans Licht.
Der Regelfall ist inzwischen aber anders. Die Personalie Gittens ist dabei nur eines von vielen Beispielen.
„Wir sind proaktiv auf die Medien zugekommen und haben gesagt, es ist noch nichts fix. Wenn überhaupt wird das noch etwas dauern, auch wenn wir zu einigen Vereinen in den USA relativ kurze Wege haben“, schmunzelte Ricken.
„Wenn es eine überwiegende Wahrscheinlichkeit geben würde, dass ein Transfer klappt, würde ich das bekanntgeben hier. Aber das mache ich offensichtlich nicht. Dementsprechend ist er noch da“, sagte Ricken.
Große Zweifel am Deal mit Chelsea, der um die 65 Millionen Euro einbringen soll, sind aber nicht angebracht. Das ließ auch Ricken durchblicken: „Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass man kein zu großes Risiko mehr eingeht, dass sich ein Spieler eventuell verletzt.“
Bis zur Verkündung des endgültigen Deals wird der BVB-Boss weiterhin damit leben müssen, dass es in der Gerüchteküche brodelt – und dann geht es sofort mit der Frage weiter, wie Dortmund die eingenommen Millionen reinvestiert.