BVB im Achtelfinale gegen Monterrey: Nun beginnt die Klub-WM erst richtig
VonLars Pollmann
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Nach schwacher Gruppenphase erreicht der BVB das Achtelfinale der FIFA Klub-WM. Gegen die Mexikaner von Monterrey fängt das wahre Turnier an.
Fort Lauderdale – Mit dem Einzug ins Achtelfinale hat Borussia Dortmund bei der FIFA Klub-WM in den USA das eigene Minimalziel geschafft.
In der nicht überaus prominent besetzten Gruppe mit Fluminense (Brasilien), Mamelodi Sundowns (Südafrika) und Ulsan HD (Südkorea) mühte sich der BVB zum Gruppensieg, ohne in auch nur einer Partie vollends zu überzeugen. Die Pflicht ist jetzt erledigt, die Kür soll in der K.-o.-Phase folgen.
Es gibt trotz der dürftigen bisherigen Leistungen Faktoren, die optimistisch stimmen.
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„Jetzt wird es ein Überlebenskampf“, brachte Julian Brandt die neue Situation nach dem Gruppensieg bei der Klub-WM auf den Punkt. Der BVB-Kapitän, der trotz einer Kahnbeinfraktur auf die Zähne beißt, weiß: Das Turnier in den USA beginnt erst jetzt so richtig. Am Dienstag (3 Uhr deutscher Zeit) wartet im Mercedes-Benz Stadium von Atlanta mit CF Monterrey womöglich der erste echte Gradmesser – und mit Sergio Ramos eine lebende Legende.
Eine gewisse Erleichterung schien bei Niko Kovač spürbar, als der BVB-Trainer über das Achtelfinale sprach. „Wir wollten die Gruppenphase überstehen, wir freuen uns“, sagte er nach dem 1:0 gegen Ulsan HD. Nicht nur das sportliche Minimalziel ist erreicht, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Ab sofort verdient Dortmund zusätzliches Geld, das nicht bereits fest eingeplant war.
Jeder weitere Schritt im Turnier spült Millionen in die Vereinskasse, Geld, das für Transfers und Planungssicherheit entscheidend sein könnte. Gegen Monterrey wird der BVB gewiss als Favorit gelten, anschließend könnte es gegen Real Madrid, Juventus oder Manchester City, aber auch Al-Hilal aus Saudi-Arabien oder Red Bull Salzburg gehen. „Ehrlich gesagt, hätten wir uns auf jeden Gegner gefreut“, betonte Sebastian Kehl. Die Vorfreude ist berechtigt, denn die Rahmenbedingungen ändern sich dramatisch.
Von der Affenhitze zur Klimaanlage: Endlich echte Turnier-Atmosphäre für den BVB?
Die Gruppenphase war für den BVB ein Kampf gegen widrige Umstände. Drei Spiele bei Temperaturen um die 35 Grad und Anstoßzeiten am helllichten Tag in Stadien, die mehr an Geisterspiele erinnerten als an ein Weltturnier. „Das Tempo ist sicherlich ein anderes als das, was wir gewohnt sind in Europa“, analysierte Brandt die bisherigen Auftritte nüchtern.
Doch das ändert sich jetzt grundlegend. Das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta bietet ein geschlossenes Dach und klimatisierte Luft, der Anstoß erfolgt am Abend um 21 Uhr Ortszeit. Und mit den Fans von Monterrey darf erstmals echte Turnier-Atmosphäre erwartet werden. Die große mexikanische Community in den USA dürfte für eine Stimmung sorgen, die dem BVB bisher völlig gefehlt hat.
Sergio Ramos wartet: Duell der Generationen steht bevor
Besonders ein Gegner hat es in sich: Die 39-jährige Legende Sergio Ramos, die mit der Trikotnummer 93 an den Ausgleichstreffer im Champions-League-Finale 2014 zwischen Real Madrid und Atlético Madrid erinnert. Auch bei der Klub-WM war der Welt- und Europameister schon erfolgreich. In der Gruppenphase ließ Monterrey auf den letzten Metern im Fernduell das eher favorisierte Team von River Plate aus Argentinien hinter sich.
Für den BVB ist es das erste Aufeinandertreffen mit den „Rayados“ überhaupt, ein historisches Duell, das symbolisch für den Wandel des Turniers von der schwerfälligen Gruppenphase zur spannenden K.-o.-Runde stehen könnte.
BVB muss sich erheblich steigern und hat keine Ausreden mehr
„Wir müssen mehr Leistung zeigen“, brachte Karim Adeyemi die Situation nach dem Ulsan-Spiel auf den Punkt. „Es war nicht eines unserer besten Spiele, wir als Team wissen das.“ Die ehrliche Selbstkritik zeigt: Der BVB ist sich bewusst, dass die bisherigen Auftritte nicht dem internationalen Anspruch genügten und ab dem Achtelfinale schnell das Aus bedeuten können.
Trainer Kovač sieht sein Team aber bereit für die neue Phase: „Wir haben jetzt fast eine Woche Zeit, spielen erst am Dienstag und damit erst im Juli und nicht mehr im Juni.“ Die zusätzliche Vorbereitungszeit soll genutzt werden, um die Batterien aufzuladen, die Abläufe zu verfeinern und die Mannschaft auf die stärkeren Gegner einzustellen, die jetzt warten.
Brandt kämpft mit Kahnbeinfraktur weiter – bleibt Chukwuemeka?
Dass der BVB bereit ist für den „Überlebenskampf“, zeigt das Beispiel von Kapitän Brandt eindrucksvoll. Bereits nach zehn Minuten des ersten Gruppenspiels gegen Fluminense brach sich der Mittelfeldstratege das Kahnbein im Handgelenk und spielt seitdem mit einer speziellen Manschette weiter.
„Es klingt immer schlimmer als es ist“, versicherte Brandt, der eine mögliche Operation wohl erst nach dem Turnier ins Auge fasst. „Ein bisschen nervig“ sei die Manschette zwar, besonders bei den extremen Temperaturen, „aber es ist nur eine eklige Stelle, weil das nicht gut verheilt.“
Neben Brandt beschäftigt den BVB auch die Personalie Carney Chukwuemeka. Die Leihe des Chelsea-Talents läuft am 30. Juni aus, also einen Tag vor dem Achtelfinale. Sebastian Kehl zeigte sich jedoch optimistisch, dass man mit dem FC Chelsea eine Lösung finden wird. Der englische Mittelfeldspieler könnte in der K.o.-Phase noch eine wichtige Rolle spielen.
BVB ist in guter Gesellschaft
Der BVB ist gemessen an den bisherigen Eindrücken nicht zum engeren Favoritenkreis zu zählen, das muss aber noch nichts heißen. „Ich gucke sehr viel Klub-WM. Es gibt nicht so viele Mannschaften momentan, die richtig glänzen, wo du sagst: geiler Fußball“, sagte Brandt. Eine Einschätzung, die Mut macht? Sie zeigt jedenfalls, dass sich der BVB trotz durchwachsener Gruppenphase nicht chancenlos wähnt.
Die großen Favoriten haben bisher ebenfalls nicht restlos überzeugt, das Niveau ist ausgeglichener als erwartet. Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain verlor gegen Botafogo, Real Madrid spielte gegen Al-Hilal nur Remis, der FC Bayern beendete seine Gruppe auf Platz zwei.
Der BVB muss jetzt liefern
„Bei dieser Art von Wettbewerb, genau wie bei der Weltmeisterschaft der Nationalmannschaften, gibt es immer Mannschaften, die für Überraschungen gut sind“, wusste im Vorfeld auch Sergio Ramos.
Mit besseren Bedingungen, echter Turnier-Atmosphäre und einer Woche Vorbereitung sollte der BVB alle Voraussetzungen erfüllen, um ab dem Achtelfinale sein wahres Gesicht zu zeigen.
Die Botschaft ist klar: Das Turnier beginnt jetzt erst richtig. „Wir nehmen die Herausforderung an und wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen“, verspricht Kehl. Dann sollte der Funke auch beim BVB überspringen.