VonLars Pollmannschließen
Jude Bellingham hat sich beim BVB einen Namen gemacht. Der Klub ist nun konkret dabei, seinen jüngeren Bruder Jobe zu verpflichten.
Dortmund/Sunderland – Die Zukunftspläne von Borussia Dortmund befinden sich in einem Schwebezustand.
Weil der BVB zwei Spieltage vor Ende der Bundesliga-Saison nicht weiß, ob er in der kommenden Spielzeit überhaupt europäisch vertreten ist – und wenn ja, in welchem Wettbewerb – können die großen Summen auf dem Transfermarkt noch nicht sicher veranschlagt werden.
Dadurch lässt sich die Führungsetage der Schwarzgelben aber nicht davon abhalten, die Planungen so weit es eben geht vorzubereiten. Nun ließ sich eine prominente Dortmunder Transfer-Delegation bei einem Trip in den Norden von England erwischen. Das Objekt der Begierde trägt einen bekannten Namen: Bellingham! Jobe Bellingham, um genau zu sein.
BVB schickt prominente Delegation zu Transfergesprächen
Das grundsätzliche Interesse des BVB am jüngeren Bruder von Weltstar Jude Bellingham, der 2023 an Real Madrid verkauft wurde, ist kein Geheimnis. Am Mittwoch zündete der aktuelle Tabellenfünfte der Bundesliga offenbar die nächste Stufe im Werben um das Juwel des englischen Zweitligisten AFC Sunderland.
Die Ruhr Nachrichten erwischten die Delegation mit Sportchef Lars Ricken, Sportdirektor Sebastian Kehl, Trainer Niko Kovač sowie Chefscout Sebastian Krug bei der Rückkehr von einem Kurztrip nach Newcastle am Dortmunder Flughafen. Von Newcastle ist es ein Katzensprung nach Sunderland, wo Bellingham noch bis 2028 unter Vertrag steht.
Wenn der BVB mit der sprichwörtlichen vollen Kapelle anreist, muss das Interesse schon sehr konkret sein. Und dann muss sich der Klub sicher auch gute Chancen ausrechnen, den Spieler überzeugen zu können. Die Konkurrenz kommt unter anderem innerhalb der Bundesliga von RB Leipzig.
Gibt es also bald „Bellingham 2.0“ bei Borussia Dortmund? Und was dürften Fans vom 19-Jährigen erwarten? Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, hat mit einem Experten gesprochen.
England-Experte schätzt BVB-Transferziel Bellingham ein
Matty Hewitt berichtet unter anderem für die in Newcastle erscheinende Regionalzeitung The Chronicle über den AFC Sunderland. Er hat die Entwicklung von Jobe Bellingham beim Traditionsverein in den letzten zwei Jahren aus nächster Nähe beobachtet.
„Jobe hatte letzte Saison noch einige Probleme, weil er auf verschiedenen Positionen eingesetzt wurde. Zudem befand sich der Klub neben dem Platz in Turbulenzen, es gab zum Beispiel gleich mehrere Trainerwechsel“, erklärt Hewitt im Gespräch mit dieser Redaktion.
„Jobe wirkte irgendwann müde in seiner ersten vollständigen Spielzeit im Profifußball. Diese Saison gibt es bei Sunderland unter Trainer Régis Le Bris einen ganz klaren Spielstil und Jobe spielt dabei eine zentrale Rolle“, so Hewitt.
BVB-Kandidat Bellingham hat mit 19 Jahren schon über 100 Profispiele absolviert
Die zweite englische Liga gilt dabei als ein echtes Stahlbad: Neben 46 Ligaspielen (!) gibt es zwei Pokalwettbewerbe, zudem gehen die Teams auf den Plätzen drei bis sechs in Aufstiegsplayoffs. Jobe Bellingham hat mit seinen 19 Jahren schon weit über 100 Profispiele auf dem Konto.
„Er ist natürlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Um die nächste Stufe zu zünden, muss er mehr Tore und Vorlagen sammeln. Trotzdem hat er sich definitiv von Jahr zu Jahr verbessert“, schätzt Hewitt ein.
Selbstredend drängt sich immer wieder der Vergleich mit Jude Bellingham auf. Ob das einem Talent aus der zweiten englischen Liga gerecht wird, sei dahingestellt.
Worin sich Jobe und Jude Bellingham ähneln
„Es ist schwer, die beiden zu vergleichen, immerhin spielt Jude bei Real Madrid und ist in jeder Hinsicht Weltklasse, ganz besonders in seiner Mentalität“, sagt Hewitt. Im aktuellen Alter von Jobe war Jude Bellingham beim BVB schon ein Unterschiedsspieler, in seiner Entwicklung also einen deutlichen Schritt weiter. Dennoch sieht der Experte viele Parallelen.
„In Interviews kommt Jobe bodenständig, ruhig und ehrlich rüber, wie es auch bei Jude am Anfang seiner Karriere der Fall war. Auch sein Körperbau ist dem von Jude sehr ähnlich. Letzte Saison hat er teilweise als Stürmer gespielt“, – wie Jude Bellingham bei Real Madrid phasenweise in die vorderste Front gerückt ist.
„Als Achter ist er stärker, weil er sich in engen Räumen Platz verschaffen kann und ein guter Ballschlepper ist, auch da ähnelt er seinem Bruder“, sagt Hewitt. Dass ein solcher Spielertyp beim BVB sehr gut funktionieren kann, hat Jude Bellingham bewiesen. In Ansätzen ist das auch bei Carney Chukwuemeka zu sehen, der nicht dasselbe, aber doch ein ähnliches Profil ausfüllt.
Holt der BVB Bellingham statt Chukwuemeka?
Der Trip der BVB-Delegation in den Norden Englands könnte ein Indiz dafür sein, dass der BVB nicht an eine Verpflichtung von Chukwuemeka glaubt, obwohl eine Kaufoption in Höhe von 30 bis 35 Millionen Euro besteht.
Allerdings: Günstiger würde Jobe Bellingham wohl auch nicht!
„Sunderland hat für Jobe nur 1,5 Millionen Pfund gezahlt [umgerechnet 1,76 Millionen Euro, Anm. d. Red.], Birmingham hat aber eine Weiterverkaufsbeteiligung von 15 Prozent, das wird sich also auf künftige Transfers auswirken“, erklärt Hewitt. „Wie hoch die Ablöseforderung sein wird, hängt stark davon ab, in welcher Liga Sunderland spielt.“
Experte warnt BVB: Ablöse könnte „in aberwitzige Höhen steigen“
Im Halbfinale der Aufstiegsplayoffs treffen die „Black Cats“ auf Coventry City, im millionenschweren Finale würden Sheffield United oder Bristol City warten.
„Sollte Sunderland über die Playoffs aufsteigen, wird der Preis in aberwitzige Höhen steigen. Gerüchteweise würde der Klub eine Ablöse von 30 Millionen Pfund [35,3 Millionen Euro] akzeptieren, wenn der Aufstieg nicht gelingen sollte“, so Hewitt.
In jedem Fall ist die Konkurrenz für den BVB beachtlich. Neben Leipzig nennt der England-Experte gegenüber dieser Redaktion „Manchester United, Crystal Palace, Arsenal und sogar Real Madrid“ als Klubs, die ein Auge auf den jüngeren Bellingham-Bruder geworfen haben sollen.
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